Therapien A bis Z

Logopädie

Kinder, die in der Sprachentwicklung zurückgeblieben sind, Menschen, die stottern oder lispeln, Patienten, die nach Schlaganfall, Unfall oder Tumoroperation mühsam das Sprechen wieder lernen: all diesen Menschen helfen Logopäden, wieder mit der Umwelt kommunizieren zu können.

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Stottern, Lispeln, Poltern – die Logopädie befasst sich mit der Behandlung verschiedenster Sprech- und Sprachstörungen.
(C) iStockphoto

Die Logopädie basiert auf der Stimm- und Sprachheilkunde und umfasst die Behandlung von Sprech-, Sprach- und Stimmstörungen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen (logos = Wort; paideuein = erziehen) und bedeutet wörtlich übersetzt „Sprecherziehung“. Er wurde in den 1920er Jahren von Emil Fröschels, einem Wiener Facharzt für Sprach- und Stimmheilkunde eingeführt. Die Logopädie umfasst verschiedene Teilgebiete, die sich mit Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen befassen.

Bereiche der Logopädie

Die Logopädie umfasst folgende Teilgebiete:

Sprache

  • Phonologie (Laute, Klang der Wörter)
  • Semantik / mentales Lexikon (Bedeutung der Wörter)
  • Morphologie (Aufbau von Wörtern, Wortbildung; Relation zwischen Lexikon und Grammatik)
  • Syntax (Grammatik)
  • Pragmatik (Anwendung der Sprache)
  • Schriftsprache

Sprechen

  • Phonetik (Aussprache von Wörtern) / Artikulation
  • Redefluss

Stimme

  • Sprechstimme
  • Singstimme

Schlucken

  • Schlucken
  • orofaziale Funktion (den Mund- beziehungsweise Gesichtsbereich betreffende Funktionen und ihre Störungen)

Störungen innerhalb dieser Teilgebiete der Logopädie, die behandlungsbedürftig sind, können einzeln oder kombiniert auftreten und mit zusätzlichen Störungen (zum Beispiel der Wahrnehmung, des Denkens oder der Motorik) einhergehen.

Aufgabenfelder der Logopädie

Die Aufgabenfelder der Logopädie sind vielfältig. Sie wird sowohl zur Besserung als auch zur „Heilung“ von Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen eingesetzt. Darüber hinaus gelten auch Beratung und Training des näheren Umfelds der Betroffenen als Aufgabenbereich der Logopädie.

Logopäden sind darüber hinaus auch vorbeugend tätig und unterstützen Menschen in Sprechberufen als auch Sänger, ihre Stimme optimal einzusetzen.

Wann wird Logopädie verordnet?

Die Logopädie wird bei verschiedensten Sprech-, Sprach- und Stimmstörungen eingesetzt. Diese können sowohl bei Kindern  während der Entwicklung auftreten, als auch bei Erwachsenen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer Gehirnblutung oder Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder Epilepsie.

Sprachstörungen bei Kindern

  • primäre Sprachstörung: spezifische Sprachentwicklungsstörungen
  • sekundäre Sprachentwicklungsstörungen, beispielsweise bei geistiger Entwicklungsstörung, bei sensorischer Behinderung
  • erworbene Sprachstörungen (kindliche Aphasien)

Sprechstörungen bei Kindern

  • Redeflussstörungen zum Beispiel des Sprechtempos, der Sprechmelodie und -deutlichkeit
  • Stottern als Redeflussstörung, die sich in ungewollten Unterbrechungen oder
  • Wiederholungen zeigt
  • Poltern als Redeflussstörung, die durch hastiges Sprechen und eine verwaschene Aussprache
  • gekennzeichnet ist.
  • Artikulationsstörungen, bei denen die Sprechmotorik beeinträchtigt ist, zum Beispiel Lispeln, Lautbildungsstörungen, bei denen bestimmte Laute (wie „g“ oder „k“) nicht korrekt gebildet werden. Als Ursachen kommen Hörstörungen, auditive Wahrnehmungsstörungen, Funktionsstörungen der Sprechmuskeln, neurologische Erkrankungen, Fehlbildungen im Mund- und übrigen Gesichtsbereich wie Kiefer-Lippen-Gaumenspalte infrage.

Sprachstörungen bei Erwachsenen

  • Aphasien (Sprachverständnisstörungen, Wortfindungsstörungen, Störungen der Aussprache, Störungen der Grammatik, Störungen des Lesens und des Schreibens, Störungen der Kommunikation)
  • nicht-aphasische Störungen:  Sprachstörungen infolge von Aufmerksamkeits- und Gedächtnisdefiziten bei Hirnschädigungen – kognitive Dysphasien)
  • komplexe Sprach- und Kommunikationsstörung, zum Beispiel bei Demenz

Sprechstörungen bei Erwachsenen

  • Stottern (siehe oben)
  • Poltern (siehe oben)
  • neurogene Sprechstörungen (Dysarthrophonie = neurologische Störung, bei der Sprechbewegungen, Stimmgebung und Atmung beeinträchtigt sind; Sprechapraxie = Störung der Handlungsplanung beim Sprechen)

Stimmstörungen bei Kindern und Erwachsenen

Organische, funktionelle oder psychogene Stimmstörungen

Schluckstörungen bei Kindern und Erwachsenen

Funktionelle oder organische Schluckstörungen

Behandlung: Was macht ein Logopäde?

Bei ersten Termin wird der Logopäde im Rahmen eines ausführlichen Gesprächs die genauen Probleme, die sich beim Sprechen zeigen, erfragen: Wann sie erstmals aufgefallen sind und welche Ursachen zugrunde liegen könnten. Bei Kindern werden auch Fragen danach gestellt, ob Sprach-, Sprech- oder Hörstörungen in der Familie vorliegen, ob es Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt gab und ob das Kind einen Unfall, eine Operationen oder häufige Mittelohrentzündung hatte.

Im Anschluss werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Sprachfähigkeiten zu testen und die vorliegende Sprech-, Sprach- oder Stimmstörung genau zu analysieren und einzuordnen. Auf der Grundlage dieses Befundes kann dann die geeignete Sprech- und Sprachtherapie ausgewählt werden.

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Beim Logopäden lernen die Patienten verschiedene Übungen kennen, um Stimm- und Sprechorgane zu trainieren.
Deutscher Bundesverband Logopädie e.V (dbl)

Die Therapiesitzungen beinhalten – in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Störung – beispielsweise Übungen zur Aussprache von Wörtern und Lauten, aber auch Atem-, Haltungs- und Stimmübungen, Lese- und Schreibübungen.

Die Behandlung erfolgt meist mehrfach pro Woche zu Hause oder in der Logopädie-Praxis, die Einzelsitzungen dauern in der Regel 30 bis 45 Minuten. Die Übungen können mit technischen Hilfsmitteln, beispielsweise einem Computer, unterstützt werden.

Eine logopädische Behandlung dauert meist über Wochen oder gar Monate, Erfolge stellen sich nicht sofort ein. Patienten müssen deshalb geduldig sein. hWichtig für den Erfolg der logopädischen Behandlung ist es, dass die betroffenen die vom Logopäden gezeigten Übungen auch allein zu Hause regelmäßig trainieren.

Was kostet Logopädie-Behandlung?

Eine logopädische Behandlung wird von den gesetzlichen Krankenkassen als Heilmittelverordnung übernommen. Die Patienten müssen lediglich pro Verordnung einmalig eine Pauschale von zehn Euro und pro erbrachter Leistung eine Zuzahlung in Höhe von zehn Prozent bis zu einer Gesamt-Zuzahlungsgrenze von zwei Prozent, bei chronischen Kranken von einem Prozent der Bruttoeinnahmen pro Jahr (§ 62 Abs. 1 Satz 2 des Sozialgesetzbuch V) entrichten.

Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr sind von der Zuzahlung befreit. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine logopädische Behandlung in unterschiedlicher Höhe.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 22. November 2016
Durch: es
Quellen: Deutscher Bundesverband für Logopädie (dbl), URL: https://www.dbl-ev.de/, abgerufen November 2016; Grohnfeldt, M. (Hrsg.): Lexikon der Sprachtherapie. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, 2007. Dietrich, R.: Psycholinguistik. Stuttgart, Weimar: Verlag J.B. Metzler, 2002.

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