Alternative Therapieformen

Kneipp-Therapie

Kneipp-Therapie
Das Wassertreten ist die bekannteste Anwendung der Kneipp-Therapie.

Das Kernstück der Kneipp-Therapie sind spezielle Wasseranwendungen. Daneben spielen zum Beispiel Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen eine wichtige Rolle.

Definition

Die Kneipp-Therapie, auch Kneipp-Medizin genannt, ist eine Alternativmedizin, die von Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) begründet wurde. Der ganzheitliche Ansatz umfasst neben speziellen Wasseranwendungen auch Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise und die Anwendung von Heilpflanzen.

Geschichtliches

Der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) stammte aus Stefansried im bayerischen Allgäu. Während seines Theologiestudiums beschäftigte er sich mit Johann Sigmund Hahns Buch „Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen“. Dieses Buch sollte sein Leben verändern: Als er mit Ende 20 an Tuberkulose erkrankte, vertraute er auf die heilende Wirkung des Wassers und nahm mitten im Winter ein (heute legendäres) Bad in der eiskalten Donau – und wurde wieder gesund. Ab diesem Zeitpunkt führte er selbst täglich Wasseranwendungen durch. 1880 gründete er in Wörishofen eine eigene Badeanstalt für therapeutische Zwecke. Seine Sprechstunden hielt er stets im Beisein von Ärzten ab, alle von ihm empfohlenen Anwendungen erprobte er zunächst im Selbstversuch. 1886 erschien sein Buch „Meine Wasserkur“  ein internationaler Erfolg.

Die fünf Säulen der Kneipp-Therapie

Die ursprüngliche Kneipp-Therapie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und beruht auf den folgenden fünf Säulen:

  • Wassertherapie (Hydrotherapie): z.B. durch Kneippgüsse, Wassertreten, Waschungen, Bäder, Wickel
  • Bewegungstherapie: Sanfte, aber regelmäßige körperliche Betätigung
  • Ernährungstherapie: Ausgewogene Ernährung nach dem Prinzip der vollwertigen Mischkost
  • Pflanzenheilkunde (Phytotherapie): Die Kraft der Heilpflanzen wird bei unterschiedlichsten Beschwerden genutzt.
  • „Ordnungstherapie“: Ein bewusster Lebensrhythmus, der z.B. eine Balance zwischen Arbeit und Erholung, Geselligkeit und „Für-sich-sein“ schafft und auch Aspekte wie das soziale Miteinander und einen respektvollen Umgang mit der Natur berücksichtigt.

Wassertherapie – Kernstück der Kneipp-Therapie

Die Wassertherapie nach Kneipp hat im Lauf der Zeit einen besonders hohen Bekanntheitsgrad erlangt. Im Rahmen dieser Behandlungsmethode kommen z.B. Güsse, Wassertreten und Bäder zum Einsatz. Ausgenutzt werden Wärme- und Kälteeffekte des Wassers, wobei für Sebastian Kneipp, den Begründer der Kneipp-Therapie die Kältewirkung im Vordergrund stand.

Das Herzstück der Anwendungen nach Kneipp stellen die Güsse dar. Denn der Pfarrer war davon überzeugt, dass ein häufig wechselnder Kältereiz des Wassers besonders wirksam sei. Dem Wasser schrieb er allseits heilende Kräfte zu: „Auflösen, ausleiten (gleichsam abwaschen), kräftigen, diese drei Eigenschaften des Wasser genügen uns, und wir stellen die Behauptung auf: Das Wasser, speziell (im Besonderen) unsere Wasserkur, heilt alle überhaupt heilbaren Krankheiten."

Neben den Güssen entwickelte und empfahl Sebastian Kneipp Kräuter als Badezusatz, Gesundheitstees zur inneren Anwendung, Wickel mit Kräuterdekokten, Quark und Lehm, das wechselwarme Kräuterbad sowie kurzes Schwitzen gefolgt von kalten kurzen Halb- oder Vollbädern mit anschließendem Überstreifen eines Leinenhemds ohne Abtrocknen der Haut. Das Barfußlaufen im taufrischen Gras oder Schnee und das Wassertreten wurden durch ihn populär.

Wirkungen der Kneipp-Therapie

Die Wasseranwendungen im Rahmen der Kneipp-Therapie zielen in erster Linie auf die Wirkung von Temperaturreizen des Wassers ab, wobei Kneipp vor allem den Effekt des kalten Wassers in den Fokus rückte. Kaltreize erfolgen durch  kurzfristige Anwendungen von Wasser im Temperaturbereich von ca. 12 bis 16°C. Anwendungsformen sind z.B. Waschungen, Güsse und Teilbäder, ihre Anwendungsdauer ist jeweils kurz.

Der Körper reagiert auf thermische Reize: Blutgefäße ziehen sich bei Kälteeinwirkung zusammen und erweitern sich bei Wärme. Die Temperaturreize bewirken auf diese Weise, dass die Durchblutung gefördert, der Kreislauf angeregt, der Stoffwechsel aktiviert und Schmerzen gelindert werden. Außerdem soll das Immunsystem nach dem Prinzip der Abhärtung stimuliert und die Infektanfälligkeit gesenkt werden.

Anwendungen

Folgende Anwendungsarten können im Rahmen der Kneipp-Therapie zum Einsatz kommen:

  • Anwendungen mit fließendem Wasser: Güsse, Duschen, Unterwasserdruckstrahlbehandlung
  • Anwendungen mit hydrostatischem Druck: Bäder mit und ohne Zusätze, Teilbäder, Schwimmen, Bewegungsbad, hydroelektrische Bäder
  • Anwendungen ohne hydrostatischen Druck: Sauna, Dampfbäder
  • Anwendungen mit einem Tuch: Waschungen, Abklatschungen, Wickel, Auflagen, Abreibungen, Kompressen, Umschläge, Packungen

Bezüglich der Stärke des eingesetzten Reizes werden die Anwendungen folgendermaßen unterteilt:

  • Kleine Hydrotherapie (milde Reize): Abwaschungen, Abreibungen, Trockenbürsten, ansteigende Teilbäder (z.B. Unterarmbad, Fußbad), wechselwarme Fußbäder, kalte Güsse bis zum Umfang eines Kniegusses, Wassertreten, Wickel bis zur Größe eines Brustwickels, feuchte Wärme geringen Umfangs, warme Heusackauflagen
  • Mittlere Hydrotherapie (mittelstarke Reize): steigende Bein-, Sitz- oder Halbbäder, Bürsten- und Schröpfbäder, warme Zusatzbäder, Rumpfwickel, Sitzdampfbäder, Sauna in vorsichtiger Handhabung
  • Große Hydrotherapie (starke Reize): Überwärmungsbad, russisch-römisches Dampfbad, Vollblitzguss, lang liegende feuchte Dreiviertel- und Ganzpackungen, Sauna in üblicher Handhabung

Kneipp-Kur

Eine ganzheitliche Kneipp-Kur kann am besten in einer der vom Kneipp-Bund e.V. (Bundesverband für Gesundheitsförderung und Prävention) zertifizierten Einrichtungen durchgeführt werden, in denen das Kneippsche Gesundheitskonzept im Alltag umgesetzt wird. Auch ist die Kneipp-Therapie im Rahmen einer Kur oder während eines Urlaubs möglich.

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 09. Februar 2012
Quellen: Kraft, K. & Stange, R. (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren. Stuttgart: Hippokrates Verlag, 2010. Melchart, D. et al. (Hrsg.): Naturheilverfahren. Leitfaden für die ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildung. Stuttgart, New York: Schattauer, 2002.

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