Schlamm gegen Schmerz

Fango: Die heilende Wärme aus dem Vulkan

Fango ist ein Mineralstoff- und Algenmix der besonderen Art. Schon die Legionäre aus dem antiken Rom wussten die Wirkung des "Fango" zu schätzen. Sowohl aus Physiotherapie als auch Wellnessbereich ist der heilende Schlamm heute nicht mehr wegzudenken.

Frau erhält warme Moorpackung gegen Rückenschmerzen bei Verspannungen
Gegen Rückenschmerzen und Verspannungen: In der Physiotherapie werden heute meist mehrfach verwendbare Fangokompressen eingesetzt.
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Das Wort Fango bedeutet nicht mehr als "Schlamm". Mineralischer Steinstaub, oft vulkanischen Ursprungs, wird mit Thermalwasser versetzt, in einem Reifungsprozess mit organischen Bestandteilen angereichert, erhitzt und in einer Packung als Heilschlamm auf die Haut aufgetragen. Fangobehandlungen werden vom Arzt oft in Kombination mit Physiotherapie verschrieben. Auch im Wellness- und Beautybereich spielt Fango eine gewisse Rolle, so findet die Prozedur Anwendung in hautberuhigenden Gesichtsmasken oder Körperpeelings.

Was genau ist Fango?

Ursprünglich stammt Fango aus Italien. In den Kurorten der Provinz Padua wird er noch heute nach einem aufwendigen Verfahren mithilfe eines besonders mineralhaltigen Thermalwassers hergestellt. Fango findet sich jedoch weltweit. Die Heilschlamm-Arten unterscheiden sich zwar in ihrer Zusammensetzung, bei allen handelt es sich aber grundsätzlich um mineralischen Schlamm, der mit besonderen Algen durchmischt ist und eine gewisse Zeit reifen muss. Inzwischen wird Fango auch rein mineralisch ohne Reifung dafür mit Paraffinwachsen hergestellt und verwendet.

Eingesetzt wird der Heilschlamm zumeist als heiße oder warme Packung oder Umschlag. Dazu wird er entweder direkt auf die Haut aufgebracht oder mit Kompressen und Kissen. Die Packung bleibt in der Regel zwischen 15 und 20 Minuten auf dem Körper, während der Patient zugedeckt ruht. Bei Ganzkörper-Schlammbädern steigt der Patient in eine Badewanne voll mit verdünntem, in Wasser gelöstem Fango. Auch kalte Packungen sind möglich.

15 sanfte Hilfen gegen den Schmerz

 

Wie wirkt die Behandlung mit Fango?

Die therapeutische Wirkung des Fangos beruht vor allem auf seiner Fähigkeit lange Wärme zu speichern. Wegen der langsamen Wärmeabgabe sind an die 50 Grad Celsius möglich, ohne dass die Haut zu heiß wird und Schaden nehmen kann.

Die intensive Wärmewirkung sorgt für eine gute Durchblutung der Haut, des Bindegewebes und der Muskulatur. Die Körpertemperatur steigt, der Blutdruck sinkt und der Stoffwechsel wird angekurbelt. Das führt zu einer Entspannung der Muskulatur und Schmerzlinderung. Wenn Fango direkt aufgetragen wird, sollen die enthaltenen Mineralien zusätzlich auf die Haut wirken.

Anwendungsmöglichkeiten

Fangopackungen werden in der Physiotherapie oft in Kombination mit anderen Behandlungen wie zum Beispiel Massagen, manueller Therapie oder Krankengymnastik eingesetzt. Die Muskulatur des behandelten Körperbereichs soll so entspannt und erwärmt werden, der Stoffwechsel und die Durchblutung angeregt werden.

Typische Beschwerden und Krankheitsbilder, bei denen Fango vom Arzt verschrieben wird, sind

  • Beschwerden des Bewegungsapparats mit Verspannungen und Schmerzen
  • Gelenkerkrankungen
  • Durchblutungsstörungen

Auch bei chronischen Entzündungen von Niere, Leber oder Gallenblase und gynäkologischen Beschwerden wirkt sich eine lokale Wärmepackung günstig auf die betreffenden Organe aus.

Bei manchen Krankheitsbildern sind aber Kälteanwendungen sinnvoller, zum Beispiel bei akuten Venen- und Lymphgefäßentzündungen oder auch zur Fiebersenkung. Auch viele Rheumapatienten empfinden Kältereize als sehr angenehm. Für sie eignen sich Heilschlamm-Packungen, die auf null bis maximal 15 Grad Celsius abgekühlt werden.

Wann sollte nicht mit Fango behandelt werden?

Die intensive Wärme der Fangopackung kann auch unerwünschte Wirkungen entfalten. Der Kreislauf wird belastet, entzündliche Prozesse, Ödeme und Blutungen können verstärkt werden. Auch die Aktivierung des Immunsystems ist nicht immer erwünscht. Deshalb sollten Wärmeanwendungen mit Fango nicht angewendet werden bei

  • akuten Entzündungen
  • Fieber
  • Herz-Kreislauf-Problemen
  • Krampfadern, Durchblutungsstörungen, Ödemen
  • offenen Wunden
  • frisch Operierten und Tumorpatienten
  • frischem Bandscheibenvorfall

Auch bei akuten Rheumaschüben und aktivierter Arthrose ist Wärme kontraindiziert.

Fango für Zuhause

Eine Fangopackung eignet sich auch gut für die Anwendung daheim. Dafür gibt es verschiedene Produkte: Fangoschlamm wird mit heißem Wasser angerührt und auf die betroffenen Körperregionen aufgebracht. Die Methode ist zwar preisgünstig, hat jedoch eine Reihe Nachteile: Für den Rücken oder Nacken braucht man jemanden, der hilft. Nach der Anwendung muss das Ganze unter der Dusche oder in der Badewanne wieder abgespült werden. Besser handhabbar sind Fangoplatten. Dabei ist die Schlammschicht auf einem einseitiges Trägermaterial aufgebracht, die andere Seite wird direkt auf die Haut gelegt.

Am praktischsten für die Heimanwendung sind Fangokompressen, die es in verschiedenen Größen gibt. Bei diesen Kompressen oder Kissen ist der wärmende Schlamm komplett mit einer strapazierfähigen Plastikhaut umhüllt. So kann nichts verschmutzen.

Zum Erwärmen wird die Packung oder das Kissen für etwa fünf bis zehn Minuten in heißes Wasser gelegt. Damit sich die Wärme auch gut verteilt, sollte die Kompresse gut durchgeknetet werden, bevor sie auf die Haut gelegt wird. Auch das Aufwärmen in der Mikrowelle ist möglich.

Wer Fango daheim benutzt, sollte die Packungen jedoch ebenfalls nicht bei akuten Entzündungen, Fieber, Herzproblemen, hohem Blutdruck und anderen Kontraindikationen anwenden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 13. Dezember 2016
Durch: es
Quellen: M. Berliner, Physikalische Therapie in: Qualitätssicherung in der Rheumatologie, 2. Auflage, Steinkopff Verlag 2007, Deutscher Wellnessverband e.V., Wellness-Lexikon Fango (-Kur), www.wellnessverband.de,

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