Aromatherapie: Heilen mit ätherischen Ölen

Bei der Aromatherapie werden Pflanzenöle zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Die Wirkung wird auf verschiedene Weise erklärt

Aromaöl_Lavendel
In der Aromatherapie werden Pflanzenöle bei der Behandlung verschiedener Krankheitsbilder therapiebegleitend eingesetzt.
(c) iStockphoto

Die Aromatherapie ist ein Naturheilverfahren, das auf dem Einsatz von Pflanzenölen, sogenannter ätherischer Öle, basiert. Die Öle werden auf verschiedene Weise angewendet, zum Beispiel durch Verdampfen in Duft- und Aromalampen eingeatmet, als Massageöle in die Haut einmassiert, als Badezusatz ins Vollbad gegeben, in Wasserdampf inhaliert oder auch eingenommen. Im engeren medizinisch-wissenschaftlichen Sinne beschränkt sich die Aromatherapie auf das Einatmen der ätherischen Öle.

Den Pflanzenölen werden vielfältige Wirkungen zugeschrieben. Sie können das psychische und körperliche Befinden verbessern. Daher finden sie auch in der Wellnessbranche Verwendung, mit dem Ziel, das Wohlgefühl zu stärken und die Gesundheit zu unterstützen.

Sie werden aber auch zu therapeutischen Zwecken bei verschiedensten Krankheiten und Beschwerden eingesetzt, zum Beispiel bei Erkältungssymptomen, Magenbeschwerden, zur Beruhigung bei Angststörungen oder Stress, zur Steigerung der Aufmerksamkeit und bei vielen weiteren Gesundheitsproblemen.

Bekannte, zu therapeutischen Zwecken angewendete Pflanzenöle sind zum Beispiel Anis, Eukalyptus, Fenchel, Pfefferminze, Melisse oder Lavendel.

Wie wirkt die Aromatherapie?

Es gibt eine Reihe verschiedener Erklärungsansätze zur Wirkung der Aromatherapie. Nach esoterischem Verständnis soll ihre Wirkung darauf beruhen, dass jeder Pflanze eine „Seele“ innewohnt, die mit dem Pflanzenöl eingeatmet wird und dazu dient, bestimmte Defizite im menschlichen Organismus auszugleichen und dadurch Heilung zu erreichen.

Die wissenschaftlich definierte Aromatherapie geht davon aus, dass ätherische Öle über den Geruchssinn (olfaktorischer Sinn) Gefühlreaktionen im Gehirn auslösen. So kann ein angenehmer Duft entspannend und stimmungsaufhellend wirken, wodurch auch Heilungsprozesse positiv beeinflusst werden.

Gewisse ätherische Öle sollen darüber hinaus über spezifische Effekte verfügen. So wird beispielsweise Eukalyptusöl eine schleimlösende Wirkung zugeschrieben.

Zudem sind die Inhaltsstoffe der ätherischen Öle fettlöslich und bestehen aus sehr kleinen Molekülen. Daher können die Öle auch direkt über die Haut beziehungsweise eingeatmete Öle über die Schleimhaut in die Blutbahn aufgenommen und zu den Organen transportiert werden. Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass auf diesem Wege Organfunktionen beeinflusst werden können.

Was sagt die Schulmedizin zur Aromatherapie?

Für viele Wirkungen der ätherischen Öle liegen wissenschaftlich plausible Erklärungen vor. Als gesichert gilt vor allem, dass bestimmte Düfte eine entspannende, stimmungsaufhellende Wirkung haben und so den Verlauf psychischer und anderer Erkrankungen positiv beeinflussen können. In Studien zeigte sich zum Beispiel dass Demenz-Patienten durch die Aromatherapie von einer verminderten Erregbarkeit profitierten, bei Krebspatienten reduzierte sich mitunter die Ängstlichkeit und das Wohlbefinden verbesserte sich. 

Positive Wirkungen sind auch bei anderen Erkrankungen, wie beispielsweise Erkältungsbeschwerden, bekannt. So haben bestimmte Aromastoffe zum Beispiel schleimlösende Wirkungen, andere wirken durchblutungsfördernd oder keimabtötend.

In Tierversuchen wurde nachgewiesen, dass bestimmte ätherische Öle den Bewegungsdrang hemmen, während zum Beispiel Rosmarinöl eher anregend wirkt und Hopfenzapfenöl den Schlaf fördert.

Einige Experten weisen jedoch darauf hin, dass die bisher vorliegenden Daten aus schulmedizinischer Sicht nicht ausreichend sind, um als endgültiger Beleg für die Wirksamkeit gewertet zu werden. Vertreter der Aromatherapie führen dagegen positive, praktische Erfahrungswerte an.

Aromatherapie: Erstattung durch die Krankenkasse

Die Aromatherapie gehört nicht zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Möglich ist eine Kostenübernahme aber im Rahmen stationärer Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen, sofern die Aromatherapie im Behandlungskonzept der jeweiligen Einrichtung vorgesehen und für den Betroffenen geeignet ist. Ein Anspruch besteht aber auch in diesem Rahmen nicht.

Wann Aromatherapie eingesetzt wird

Die Aromatherapie wird zur Heilung, Linderung und Vermeidung verschiedenster Krankheiten und Beschwerden angeboten. Die Bandbreite der Anwendungsgebiete variiert, je nachdem welches Verständnis der Aromatherapie jeweils zugrunde liegt.

Zu den wichtigsten Einsatzgebieten der Aromatherapie gehören folgende Indikationen:

Häufig angeboten wird die Aromatherapie auch in Hospizeinrichtungen, bei der Pflege von Demenzkranken oder als begleitende Behandlung von Krebspatienten (Palliativmedizin).

Ohne medizinische Ausbildung darf die Aromatherapie nicht zur Behandlung von Krankheiten angeboten werden, sondern nur im Sinne von Pflege oder Wellness zur Verbesserung des Wohlbefindens erfolgen. Bei der Behandlung von Krankheiten wird die Aromatherapie in der Regel als begleitende Maßnahme zur konventionellen Therapie eingesetzt.

Ablauf einer Aromatherapie

Eine Aromatherapie findet zumeist in mehreren Therapiesitzungen statt. Häufig erfolgt auch eine Beratung zur Selbstanwendung.

Im Rahmen der Aromatherapie erfolgt in der Regel eine Aromatherapie-Massage und eine Beratung zur selbständigen Anwendung bestimmter Öle für zu Hause. Prinzipiell können die Öle im Rahmen der Aromatherapie inhaliert, eingenommen oder in die Haut einmassiert werden. Auch als Badezusätze oder Kompressen werden sie mitunter angewendet.

Auswahl der Öle

Welches Öl verwendet wird, hängt vom Verständnis der Aromatherapie des jeweiligen Therapeuten ab. Bei der wissenschaftlich orientierten Aromatherapie wird das Öl entsprechend seiner bekannten pharmakologischen Wirksamkeit bei dem bestehenden Gesundheitsproblem ausgewählt. Die Auswahl kann aber auch intuitiv je nach Persönlichkeit des Patienten oder nach dem Prinzip der Gegensätzlichkeit, dem sogenannten Yin-Yang-Prinzip, der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) erfolgen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Eine Aromatherapie umfasst in der Regel mehrere Sitzungen - je nach Gesundheitsproblem beziehungsweise Zweck der Anwendung. Pro Sitzung sollte man etwa eine Stunde Zeit einplanen. Die erste Sitzung kann auch bis zu zwei Stunden dauern. Bei chronischen Krankheiten sind häufig wöchentliche Therapiesitzungen vorgesehen.

Risiken und Nebenwirkungen bei der Aromatherapie

Die Aromatherapie ist im Allgemeinen risikoarm und sehr gut verträglich. Dennoch sind bestimmte Nebenwirkungen und Wechselwirkungen nicht auszuschließen.

So können die ätherischen Öle vor allem bei empfindlichen Personen Hautreaktionen auslösen. Auch schwerere allergische Reaktionen, die den gesamten Körper betreffen können, bis hin zu einem allergischen Schock sind prinzipiell nicht auszuschließen.

Einige Öle können die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Licht erheblich erhöhen.

Darüber hinaus können ätherische Öle die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Bekannt ist beispielsweise, dass Lavendelöl die Wirkung von Psychopharmaka verstärken kann. Entsprechende Warnhinweise auf den Packungsbeilagen sollten daher beachtet und mögliche Risiken mit dem Arzt/ Therapeuten besprochen werden.

Unsachgemäßes Anwenden der Aromatherapie wie etwa anhaltendes Verdampfen der Öle über eine lange Zeit kann zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen. Beruhigende Öle wie Lavendelöl vermindern unter Umständen die Fahrtüchtigkeit.

Aromatherapie ersetzen keine konventionelle Behandlung

Bei Säuglingen und Kleinkindern können einige ätherische Öle wie zum Beispiel Menthol zur Behinderung der Atmung führen. Insofern sollte hier die Anwendung vermieden werden beziehungsweise nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheker erfolgen.

Beachten sollten Anwender auch, dass die Aromatherapie nicht die konventionelle Behandlung ersetzen kann. Falls die Aromatherapie nicht durch einen Arzt erfolgt und anhaltende Beschwerden bestehen,sollte zusätzlich beziehungsweise im ersten Schritt ein Arzt konsultiert werden.

Ätherische Öle kühl und dunkel aufbewahren

Aromaöle sollten kühl, dunkel und fest verschlossen aufbewahrt werden. Wenn die Öle mit Sauerstoff in Kontakt kommen, können sie sich chemisch verändern und unter Umständen Allergien auslösen. Nach Ablauf des Verfallsdatums sollten die Öle nicht mehr angewendet werden.

Beim Kauf beachten

Ferner gibt es keine einheitliche Regelung darüber, was unter einem therapeutisch wirksamen Öl zu verstehen ist. Im Handel werden daher auch Produkte als Aromatherapieöle angeboten, die synthetisch verfälscht sein können. Es empfiehlt sich daher, Öle zur Anwendung für die Aromatherapie in der Apotheke zu kaufen.

Wann ätherische Öle besser nicht verwendet werden

In bestimmten Fällen darf die Aromatherapie nicht angewendet werden. Zu diesen sogenannten Gegenanzeigen gehören vor allem Krankheiten wie:

Weitere Gegenanzeigen sind:

  • Schwangerschaft (außer Geburtserleichterung) und Stillzeit
  • Hautverletzungen und Hautentzündungen
  • bei „frischen“ Operationsnarben

Darüber hinaus dürfen bestimmte ätherische Öle beziehungsweise Inhaltsstoffe dieser (zum Beispiel Cineol, Kampfer, Menthol) bei Säuglingen und Kleinkindern nicht zum Einsatz kommen, da sie Verkrampfungen der Atemwege und Atemnot sowie weitere schwere Nebenwirkungen auslösen können. Beachten Sie hierzu die Alterszulassung der Packungsbeilage beziehungsweise sprechen Sie vorab mit dem Arzt oder Apotheke.

Heilkräuter aus Küche und Garten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 27. Januar 2015
Quellen: Melchart, D. (Hrsg.): Naturheilverfahren für die ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildung. Schattauer (2008) (eBook). Stiftung Warentest: Alternative Heilmethoden – Aromatherapie. Stand: 28.09.2005. URL: http://www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik/alternative-heilmethoden/verfahren-von-a-z/aromatherapie/ (Stand: 10.01.2012). Ernst, E. (Hrsg.): Praxis Naturheilverfahren. Springer Medizin Verlag (2001)

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