Hysterektomie

Entfernung der Gebärmutter - die Folgen

Blasenschwäche, sexuelle Unlust, vorzeitige Menopause können nach einer Gebärmutterentfernung auftreten

Frau,lange weiße Haare,nachdenklich
Bei der Hysterektomie wird die Gebärmutter chirurgisch entfernt. Der Eingriff verändert vieles im Leben der Frau.

Nach einer Hysterektomie fühlen sich viele Frauen nicht mehr als Frau. Tiefe Trauer, sogar Depressionen sind mögliche Folgen. Hinzu können Blasenschwäche, sexuelle Unlust oder eine vorzeitige Menopause kommen.

Margit* kann es noch immer schwer fassen: "Ich hätte nie gedacht, dass die Folgen einer Unterleibsoperation so gravierend sein können. Ich fühle mich regelrecht kastriert." Margit hat eine Totaloperation (radikale Hysterektomie) hinter sich. Davon sprechen Mediziner, wenn einer Frau der Gebärmutterkörper und der Gebärmutterhals entfernt werden. Bleibt der Gebärmutterhals stehen, bezeichnen Ärzte die Operation als subtotale Hysterektomie. Manchmal werden bei dem Eingriff auch die Eierstöcke und Eileiter herausoperiert.

Verlust der Weiblichkeit

Margit ist kein Einzelfall. "Viele Frauen merken erst nach der Gebärmutterentfernung, dass sie etwas Wichtiges verloren haben", sagt Dr. Barbara Ehret, Geschäftsführerin des Internationalen Zentrums für Frauengesundheit (IZFG) in Bad Salzuflen. "Die Gebärmutter ist ein Identifikationsorgan. Sie gehört zu einer Frau, ohne dass sie sich darüber groß Gedanken macht", urteilt die Gynäkologin. "Ihr Entfernen bedeutet für viele Frauen den Verlust ihrer Weiblichkeit." Entsprechend heftig können die Reaktionen ausfallen. "Ärger, Wut, Trauer bis hin zu großen Depressionen", beschreibt Ehret, die lange Zeit Chefärztin einer gynäkologischen Reha-Klinik war.

Nach einer Hysterektomie kommen Frauen eher in die Menopause

Dazu kommen körperliche Folgen: Die Wundheilung kann bis zu einem dreiviertel Jahr dauern, sieben bis neun Prozent der Frauen entwickeln Ehret zufolge Darm- und Blasenprobleme, oft gerät das Hormonsystem durcheinander. So kämen Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, im Schnitt vier Jahre früher in die Wechseljahre (Menopause), berichtet die Frauenärztin. Denn die Eierstöcke werden nach dem Eingriff schlechter durchblutet und stellen daraufhin ihre Hormonproduktion ein.

Entfernung der Eierstöcke wirft zusätzliche Probleme auf

Erfolgt bei einer Hysterektomie auch die Entfernung der Eierstöcke, kommt die Frau sogar sofort in die Menopause. Sie überspringt die Wechseljahre, in denen der Körper sich langsam an die neue Hormonsituation gewöhnt. Das sei "ziemlich grausam, sogar wenn eine Frau schon weit in den Wechseljahren ist", sagt Ehret. "Ich kenne 52-jährige Frauen, die noch Monatsblutungen hatten und nach dem Entfernen der Eierstöcke total abgestürzt sind. Sie litten unter Schlaflosigkeit, Hitzewallungen, depressiven Verstimmungen und einem sehr labilen Nervenkostüm, aber auch unter einer trockenen Scheide und sexueller Unlust."

Das sexuelle Empfinden lässt nach

Nach einer Gebärmutterentfernung leidet oft auch die Sexualität. Viele Frauen empfinden keine Lust mehr. Bis zu neun Monate könne es dauern, bis operierte Frauen sexuelle Aktivitäten wieder genießen könnten, sagt Ehret. "Auch Frauen, die besonders viel Freude am Sex hatten, klagen oft darüber, dass sie keine so intensiven Lustgefühle mehr erleben." Das gilt besonders nach einer Totaloperation: Denn um den Gebärmutterhals herum befinden sich wichtige Nerven für das sexuelle Empfinden.

Schleim aus dem Gebärmutterhals fehlt

Manche Frauen stört es, wenn jetzt bei sexueller Erregung der Schleim aus dem Gebärmutterhals fehlt. Und der Schleim aus den Drüsen der Scheide und des Scheidenvorhofs reicht oft nicht aus, um die Vagina beim Geschlechtsverkehr ausreichend zu befeuchten, sodass ein Paar zum Gleitgel greifen muss.

Gebärmutter wird oft vorschnell entfernt

"Die Gebärmutter wird zu oft unnötigerweise entfernt", urteilt Ehret. Laut der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung entnahmen Ärzte im Jahr 2007 bundesweit 152.282 Frauen die Gebärmutter, 132.283 von ihnen wegen gutartiger Veränderungen. Hauptmotive für eine Hysterektomie sind starke Blutungen, Störungen und Schmerzen bei der Menstruation, Endometriose (gutartige, meist schmerzhafte Wucherungen von Gewebe der Gebärmutterschleimhaut), Myome (gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur) und eine Senkung des Uterus. Bei Frauen mit abgeschlossener Familienplanung kommt zudem oft das Argument hinzu: "Das Organ brauchen Sie doch nicht mehr."

Gebärmutter-Op beugt Krebs nicht vor

Auch als Krebs-Prophylaxe wird eine Hysterektomie gepriesen. "Viele Frauen glauben außerdem, dass sie durch eine Gebärmutterentfernung um die Wechseljahre herumkommen. Das stimmt aber nicht!", hebt Ehret hervor. Tatsächlich muss die Gebärmutter nur selten entfernt werden, zum Beispiel bei einer Krebserkrankung des Uterus und der Eierstöcke oder bei Blutungen, die sich anders nicht stillen lassen.

Vor einer Hysterektomie immer zwei Ärzte befragen

Einer Gebärmutterentfernung wird nach Ansicht von Ehret oft zu rasch zugestimmt. Eine Frau sollte in jedem Fall die Meinung eines zweiten Arztes einholen und dazu besser nicht in eine Klinik gehen. "Hier ist die Operationsbereitschaft meistens hoch", so Ehret. Lässt sich eine Hysterektomie nicht vermeiden, ist es wichtig, sich über die verschiedenen Operationsmethoden zu informieren. "Die heute übliche Laparoskopie wird verharmlost", warnt Ehret.

Auch die Bauspiegelung ist nicht ungefährlich

Bei dieser sogenannten Bauchspiegelung macht der Chirurg zwar nur drei bis vier kleine Schnitte, um das OP-Besteck in den Körper einführen zu können. Die Gebärmutter muss aber genauso gelockert und herausgeschält werden. "Die Laparoskopie ist ein genauso großer Eingriff wie eine Operation am offenen Bauch", so Ehret. "Sie dauert sogar länger – bis zu fünf Stunden. Und bei ungeübten Chirurgen hat die Laparoskopie eine hohe Komplikationsrate. Blutungen und Entzündungen sind häufig."

Buchtipp: Mehr zu den Operationsmethoden bei einer Hysterektomie

Dr. Barbara Ehret, Dr. Mirjam Roepke-Buncsak Frauen, Körper, Gesundheit, Leben – Das große Brigitte-Buch der Frauenheilkunde Diana-Verlag, Preis: 21,90 Euro

* Name geändert

Sechs Liebestipps für die Wechseljahre
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    Vertrauen

    Schon seit vielen Jahren ein Paar? Das ist der große Vorteil der Paare über 50. Denn mit den Jahren wächst auch das Vertrauen. Und Vertrauen ist für die meisten Frauen die Voraussetzung für unbelasteten Sex.

    Getty Images/iStockphoto

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    Nehmen Sie sich Zeit

    Studien zeigen, dass Frauen in den Wechseljahren mehr Zeit fürs Vorspiel benötigen. Genießen Sie deshalb langsame Zärtlichkeit, lassen Sie sich vom Kamasutra inspirieren oder von Slow-Sex.

    (c) Marili Forastieri

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    Viele Frauen erleben die Liebe in der zweiten Lebenshälfte wesentlich entspannter - alles kann, nichts muss. Machen Sie sich frei vom Sexdruck und der Orgasmusjagd. Genießen Sie einfach nur zu kuscheln und zu schmusen - das mögen übrigens viel mehr Männer, als man landläufig meint. Und wenn sich mehr ergibt, wie schön.

    (c) Marili Forastieri

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    Die Schleimhäute der Scheide sind in den Wechseljahren weniger feucht als früher. Vaseline, Zäpfchen, Salben und Gels gleichen das aus. Übrigens verhindert die Vaseline auch, dass Bakterien während des Verkehrs in die Blase einmassiert werden - was oftmals eine Blasenentzündung auslöst.

    © 2009 AnajaCreatif /NRdM

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    Auch für Liebe und Sex gelten: Bleiben Sie in Übung, auch ohne Mann. Zahlreiche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Anspannung durch die Stimulation und die Entspannung durch den Höhepunkt nicht nur ausgeglichen machen, sondern ebenso den Stoffwechsel und die Hormonproduktion anregen.

    © 2009 AnajaCreatif /NRdM

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    Sie sind schön

    Frauen sind sehr kritisch, wenn es um ihr körperliches Erscheinungsbild geht. Kommen mit den Jahren Fältchen und ist der Körper nicht mehr so straff wie früher, sinkt bei vielen das Selbstbewusstsein. Und das wirkt sich auch auf ihr Sexleben aus. Akzeptieren Sie sich so, wie Sie sind. Sie sehen anders aus als mit 20, aber Sie sind trotzdem schön und haben mit den Jahren sogar an Ausstrahlung gewonnen.

    © 2009 AnajaCreatif /NRdM

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 23. Juli 2013
Quellen: Mit Informationen von Dr. Barbara Ehret, Gynäkologin und Geschäftsführerin des Internationalen Zentrums für Frauengesundheit in Bad Salzuflen und Dr. Barbara Ehret, Dr. Mirjam Roepke-Buncsak: Frauen, Körper, Gesundheit, Leben, Diana-Verlag und Anatomica, Tandem-Verlag

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