Wenn der Magen nicht mehr schließt

Ursachen, Auslöser und Risikofaktoren für Sodbrennen

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Fettes, üppiges Essen, Alkohol und Nikotin, Übergewicht und bestimmte Medikamente sind die wichtigsten Auslöser für Sodbrennen.
(c) Getty Images/iStockphoto

Sodbrennen entsteht immer dann, wenn der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig funktioniert und Magensäure aufsteigen kann. Viele Faktoren können diesen Mechanismus stören.

Am Übergang zum Magen sorgt ein Schließmuskel dafür, dass die Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt. Das verhindert, dass die Schleimhaut der Speiseröhre mit der ätzenden Säure in Kontakt kommt. Beim Sodbrennen arbeitet der Muskel nicht mehr richtig

Eine solche Schwachstelle des unteren Speiseröhrenschließmuskels entsteht durch hohen Druck "von unten", wenn zu viel Magensäure produziert wird oder durch Medikamente, die den Schließmuskel erschlaffen lassen. Auch angeborene Schäden des Verschluss-Gewebes oder Schwächung mit fortschreitendem Alter können Ursachen für Sodbrennen sein.

Ursachen und Risikofaktoren für Sodbrennen im Überblick:

Risikofaktor Essen

Nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel muss der Magen mehr Magensäure produzieren, um diese zu verdauen. Es kann dann leicht passieren, dass der saure Magensaft in die Speiseröhre hochschwappt. Dadurch kommt es zu Sodbrennen.

Vor allem folgende Lebensmittel verursachen Sodbrennen:

  • fettreiches Essen: frittierte Speisen (zum Beispiel Pommes frites) fette Backwaren, Mayonnaise, fette Fleisch- und Wurstwaren.

  • schwer verdauliche Lebensmittel: Hülsenfrüchte, Weißkohl, Grünkohl, Wirsing, Sauerkraut, Rotkraut, Paprikaschoten, hart gekochte Eier, Zwiebeln, frisches Brot bleiben lange im Magen.

  • Nahrungsmittel, welche die Säureproduktion im Magen ankurbeln: Dazu gehören Bohnenkaffee, Alkohol, Süßigkeiten, stark gewürzte Speisen, Eier.

  • saure Lebensmittel: kohlensäurehaltige Getränke, Weißwein, Rotwein, Fruchtsäfte, Zitrusfrüchte, Ketchup, Essig, einige Beerensorten

Die Beschwerden treten besonders nach einer opulenten Mahlzeit auf. Dann braucht der Magen besonders viel Säure, um das Essen zu verdauen. Aus einem prall gefüllten Magen kann der Magensaft außerdem leicht entweichen. Besonders ungünstig sind üppige Speisen am Abend, wo der Körper langsamer verdaut als tagsüber.

Ebenfalls ungünstig sind zu kalte und zu heiße Speisen und Getränke sowie scharf gewürzte Gerichte. Sie reizen den Magen und kurbeln die Säureproduktion an. Und je mehr Säure der Magen enthält, desto eher kommt es zu säurebedingten Beschwerden.

Risikofaktor Übergewicht

Wer Übergewicht hat, muss eher mit Sodbrennen rechnen, denn jedes Pfund zu viel führt dazu, dass sich der Druck auf den Magen erhöht.

Der Verschluss des Magens zur Speiseröhre wird dadurch übermäßig belastet, so dass das Ventil zur Speiseröhre diesem Druck nicht mehr standhalten kann. Es öffnet sich und die Magensäure kann somit ungehindert in die Speiseröhre fließen. Sodbrennen ist die Folge.

Sodbrennen: Die Auslöser im Überblick

Nikotin und Alkohol begünstigen Sodbrennen

Der Genuss von Tabak und ein übermäßiger Alkoholkonsum wirken sich negativ auf das Ventil am Ende der Speiseröhre aus – und können Sodbrennen verursachen.

Nikotin lässt das Ventil, das den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre verhindert, erschlaffen. Vor allem die Zigarette nach einer üppigen Mahlzeit kann sehr häufig zu starkem Sodbrennen führen, denn der Magen arbeitet nach einer üppigen Mahlzeit auf Hochtouren, da er sehr viel Magensäure produziert. Erschlafft zusätzlich der muskuläre Verschluss des Magens zur Speiseröhre, schießt noch mehr Magensäure in die Speisröhre als es normalerweise der Fall ist.

Alkohol hat die gleiche Auswirkung wie Nikotin. Vor allem, wenn abends vor dem Schlafengehen mehrere Gläser Wein oder einige Flaschen Bier getrunken werden, besteht ein erhöhtes Risiko für Sodbrennen. Grund: Bei unzureichendem Verschluss kann die Magensäure leichter in die Speiseröhre zurückfließen. Sie muss nicht erst, wie im Stehen, entgegen der Schwerkraft hochsteigen. Insbesondere kohlensäurehaltige alkoholische Getränke wie Sekt können zu Sodbrennen führen.

Sodbrennen in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist Sodbrennen eine häufige Begleiterscheinung. Im letzten Drittel leiden 72 Prozent der Schwangeren unter säurebedingten Magenbeschwerden. Dabei produziert der Magen nicht mehr Magensäure – im Gegenteil: In den ersten 20 Wochen sinkt die Säureproduktion zunächst ab.

Schuld an den Magenbeschwerden ist der veränderte Hormonhaushalt: Das Gelbkörperhormon Progesteron lockert die Muskulatur des Beckenbodens und des Geburtskanals und bereitet so den Körper auf die Geburt vor. Die lockernde Wirkung auf die Muskulatur betrifft auch den Magen-Darm-Trakt: Der Ringmuskel, der den Magen zur Speiseröhre hin verschließt, erschlafft. Die Folge: Saurer Mageninhalt fließt in die Speiseröhre und reizt die empfindliche Schleimhaut.

Auch die immer größer werdende Gebärmutter löst Magenbeschwerden und Sodbrennen aus. Vor der Schwangerschaft ist sie kleiner als eine Birne, kurz vor der Geburt reicht sie fast bis zum Rippenbogen. Während der 40 Wochen wächst die Gebärmutter um das 500 bis 800fache und drückt zunehmend von unten auf den Magen. Diesem Druck kann der Verschlussmechanismus zwischen Magen und Speiseröhre nicht immer standhalten, wodurch die Magensäure zunehmend nach oben steigt.

Medikamente und Sodbrennen

Eine Reihe Medikamente kann den Druck des unteren Speiseröhrenschließmuskels herabsetzen und so das Auftreten von Sodbrennen begünstigen. Hierbei handelt es sich insbesondere um Medikamente gegen Bluthochdruck und Herzverkrampfung. Auch Antidepressiva, Hormonpräparate und Scherzmittel können zu Sodbrennen führen.

Folgende Medikamenten beziehungsweise deren Inhaltsstoffen können Sodbrennen verursachen:

  • Anticholinergika (bei Asthma, Blasenschwäche)
  • trizyklische Antidepressiva (bei Depressionen)
  • Phenotiazin (bei innerer Unruhe)
  • Ca-Kanalblocker (bei Herzkrankheiten)
  • Nitrate (Inhaltsstoff von Medikamenten bei Herzkrankheiten)
  • Theophyllin (bei Asthma)
  • Aminophyllin (bei Asthma)
  • Koffein (häufig in Schmerzmedikamenten enthalten)
  • Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac  in Schmerzmitteln
  • bestimmte Östrogene (in der "Pille" zur Verhütung oder bei der Hormonersatztherapie)

Da es häufig mehrere Medikamente mit einer ähnlichen Wirkungsweise gibt, kann oft auf ein alternatives Präparat gewechselt werden.

Schlaftabletten können die schädliche Wirkung des Sodbrennens auf die Speiseröhre noch verstärken. Der Grund: Die Betroffenen schlafen besonders tief und sind schlechter in der Lage, die Magensäure wieder herunterzuschlucken. Dadurch bleibt sie länger in der Speiseröhre und greift das Gewebe an.

Stress und Hektik als Auslöser von Sodbrennen

Stress und Hektik wirken sich schnell auf die Verdauung aus und sind oft ein Auslöser von Sodbrennen. Bei Stress kommt es zu einer schnellen Abfolge von Nervenübertragungen und Hormonfreisetzungen. Unter anderem macht sich eine schlagartige Veränderung der Verdauungstätigkeit bemerkbar. Die schaltet nämlich auf Sparflamme, weil das Blut aus dem Magen-Darm-Trakt abgezogen wird. Ist die akute Stresssituation beendet, schaltet der Organismus wieder auf eine angenehme Entspannungs- und Erholungslage.

Problematisch wird es allerdings, wenn der  Stress in sich "hineingefressen? und nicht sinnvoll abgebaut wird. Eine Folge daraus ist, dass der Magen verkrampft und zu viel Säure produziert. Dadurch kann es zu Schmerzen und auch Sodbrennen kommen, besonders bei leerem Magen.

Risikofaktor Alter

Sodbrennen ist zwar keine ausgesprochene Alterserkrankung, doch das Risiko steigt mit Lebensalter. Die Kraft des ringförmigen Schließmuskels zwischen Magen und Speiseröhre nach. Auch das Zwerchfell wird mit zunehmenden Alter schwächer: Bei einer Zwerchfellhernie können sich Teile des Magens durch das Zwerchfell in den Bauchraum schieben und zu Magenbeschwerden und Sodbrennen führen.

Zudem leiden ältere Menschen nicht selten unter verschiedensten Erkrankungen des Systems, Rheuma oder Diabetes, die mit Medikamenten behandelt werden müssen, welche den Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre schwächen oder die Säureproduktion im Magen beeinflussen. 

Vorerkrankungen und erbliche Faktoren

Bestimmte Erkrankungen können ebenfalls Sodbrennen auslösen. Dazu gehören an erster Stelle die Gruppe der Magenerkrankungen wie Magenschleimhautentzündung, Reizmagen, Magengeschwür und Magenkrebs, aber auch bestimmte Autoimmunerkrankungen, bei denen das Bindegewebe der inneren Organe mit betroffen ist, sowie Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Bei fortgeschrittenem Diabetes greift hoher Blutzucker die Nerven an, wodurch der Mechanismus zwischen Speiseröhre und Magen beeinträchtigt wird.

Selten sind Erbfaktoren der Grund für Sodbrennen. So kann der Magenverschluss aufgrund einer genetisch bedingten Muskelschwäche nicht ausreichend sein. Auch die Schutzmechanismen in den Zellen der Speiseröhre können aufgrund einer genetischen Disposition empfindlicher auf Magensäure reagieren oder die Zellen der Speiseröhre nach Kontakt mit Magensäure zeigen eine überschießende Entzündungsreaktion zeigen.

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Letzte Aktualisierung: 13. Januar 2017
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