Chronische Beschwerden ernst nehmen

Folgeerkrankungen von Sodbrennen

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Häufiges Sodbrennen sollte ernst genommen werden. Durch die aufsteigende Magensäure schädigt auf Dauer die Schleimhaut der Speiseröhre.
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Vor allem bei dauerndem, chronischen Sodbrennen ist eine Behandlung wichtig und nötig. Denn unbehandeltes Sodbrennen kann eine ganze Reihe weitere Beschwerden und Folgeerkrankungen nach sich ziehen.

Das andauernde Gefühl einer zugeschnürten Kehle, Schluckbeschwerden,  Schlafstörungen und Heiserkeit  beeinträchtigen die Lebensqualität und können den Alltag einschränken. Doch der aufsteigende saure Magensaft beeinträchtigt auch Speiseröhre, Hals, Zähne, Mundhöhle und sogar die Atemorgane. Deshalb sollte bei regelmäßigem oder andauerndem Sodbrennen der Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen abzuklären und eine Behandlung zu beginnen.

Entzündung der Speiseröhre

Durch die Magensäure wird vor allem die Schleimhaut der Speiseröhre strapaziert, denn sie hat keinen natürlichen Schutz gegen die Magensäure. Dadurch kann sich das Gewebe entzünden, es kommt zu den typischen Brennen hinter dem Brustbein. Das entzündete Gewebe kann zu Blutungen neigen, das Risiko für Infektionen durch Pilze, Bakterien oder Viren erhöht sich. Langfristig kann das Gewebe der Speiseröhre so stark angegriffen werden, dass es zu Gewebeveränderungen kommt.

Barrett-Ösophagus und Speiseröhrenkrebs

Viele Patienten mit Sodbrennen fürchten einen Barrett-Ösophagus zu entwickeln. Verursacht wird er durch den Magensaft, der die Schleimhaut der Speiseröhre reizt. Durch die Reizung werden Teile des Schleimhautgewebes umgewandelt. Diese Gewebe- und Zellveränderungen der Speiseröhre sind eine Vorstufe für den Speiseröhrenkrebs  (Ösophaguskarzinom).

Bei zehn bis 20 Prozent aller Patienten mit Refluxkrankheit wird das für die Speiseröhre charakteristische flache Epithelgewebe (Plattenepithel) teilweise durch würfelförmiges Zylinderepithel ersetzt, mit dem auch der Magen auskleidet ist. Mediziner bezeichnen eine Speiseröhre, in der sich das Gewebe auf diese Art verändert, als Barrett-Ösophagus. Es ist wichtig, einen Barrett-Ösophagus früh zu erkennen. Trotzdem besteht kein Anlass zur Panik:  Nur in einem Prozent der Fälle entwickelt sich wirklich ein Speiseröhrenkrebs.

Ein bestehendes Barrett-Ösophagus sollte regelmäßig kontrolliert werden. Ist der Aufbau der Schleimhautzellen bereits gestört, erhöht sich das Risiko für ein Karzinom zusätzlich. Weitere Risikofaktoren für Speiseröhrenkrebs sind verstärkter Nikotin- und Alkoholkonsum sowie eine erhöhte Aufnahme von Nitrosaminen mit der Nahrung. Nitrosamine sind in vor allem in gepökeltem Fleisch enthalten.

Schädigung von Mundhöhle und Zähnen

Der saure Magensaft setzt auch der Mundhöhle und den Zähnen zu. Patienten mit chronischen Magenproblemen sollten gezielt vorbeugen, um Schäden am Zahnschmelz, Reizungen des Zahnfleisches und Mundgeruch zu verhindern.

Normalerweise herrscht in der Mundhöhle ein neutraler pH-Wert von sieben. Sinkt der pH-Wert durch eine Übersäuerung des Speichels dauerhaft, kann das Zahnfleisch gereizt und mit leichten Entzündungen reagieren. Am schlimmsten jedoch wirkt sich das saure Milieu auf den Zahnschmelz aus: Aus der Schmelzschicht werden zunehmend Mineralien "ausgewaschen" Der Zahnschmelz kann mechanischen Einflüssen nicht mehr richtig standhalten und wird beim Essen oder Putzen immer weiter abgenutzt.

Die Erosion des Zahnschmelzes schreitet immer dann fort, wenn der pH-Wert in der Mundhöhle unter 5,5 fällt. Da die Magensäure, die beim Sodbrennen zurückfließt, einen pH-Wert von zwei hat, begünstigt der Reflux das Auswaschen des Zahnschmelzes.

Die Langzeitfolgen von solchen Erosionen können gravierend sein: Karies, Zahnwanderungen, Fehlstellungen und das Absenken des Bisses. Das Schlimme an den Schmelzschäden aber ist: Sie sind irreversibel. Der abgetragene Zahnschmelz ist für immer verloren. Vor einer weiteren Zerstörung kann der Zahn oft nur durch eine Überkronung geschützt werden.

Um Folgeschäden zu verhindern, sollten Sodbrennen-Patienten auf ihre Mundpflege besonders achten:

  • Regelmäßig fluoridhaltige und säurebindende Mundspüllösungen benutzen.
  • Einmal in der Woche ein Fluorid-Gel auftragen.
  • Keine aufhellenden Zahnpasten verwenden. Sie greifen den Schmelz zusätzlich an.
  • Säurehaltige Lebensmittel meiden, wie Fruchtsäfte, Cola, kohlensäurehaltige und alkoholische Getränke, Obst und Vitamin-C-Tabletten. Nach ihrem Genuss nicht sofort die Zähne putzen, da der Schmelz dann besonders angreifbar ist.
  • Regelmäßig medizinische Kaugummis essen, die zur Regulierung des pH-Wertes beitragen, und den Mund häufig mit Wasser ausspülen.
  • Viele neutralisierende Nahrungsmitteln zu sich nehmen, wie Getränke mit hohem Kalziumgehalt, beispielsweise Milch.
  • Säurehaltiges Essen mit Getränken neutralisieren
  • Regelmäßig mit starkem, lauwarmem Kamillentee gurgeln, um Zahnfleischreizungen vorzubeugen.

Eine sorgfältige Zahn- und Mundpflege hilft auch, den bei Sodbrennen häufig aufztretenden Mundgeruch zu bekämpfen.

Asthma als Folge von Sodbrennen

In den letzten Jahren haben verschiedenen Untersuchungen festgestellt, das chronisches Sodbrennen oder eine Reflux-Erkrankung Asthma nach sich ziehen kann.

Eine Erklärung liegt wahrscheinlich darin, dass der zurückfließende Magensaft den Vagusnerv (10. Hirnnerv) reizt. Über Verschaltungen im Gehirn ruft dies eine Verengung der Bronchien hervor. Dies löst bei den Patienten Asthma aus – eine Atemwegserkrankung, die durch eine plötzliche Verengung der Bronchien gekennzeichnet ist.

Zudem können beim Verschlucken kleinster Mengen saurer Magensaft in die Atemwege gelangen. Ein Schutzmechanismus in den Bronchien bewirkt, dass sie sich daraufhin zusammenziehen.

Es ist aber auch ein umgekehrter Zusammenhang zwischen den beiden Krankheiten möglich: Das heißt, Asthma könnte auch Reflux hervorrufen. In einer französischen Untersuchung erhielten Testpersonen ein Medikament, das ein Zusammenziehen der Bronchien hervorruft. Hatten die Testpersonen Asthma, führte das Medikament auch zu einem verstärkten Rückfluss von Magensaft. Gesunde Testpersonen zeigten keinen oder nur einen geringen Rückfluss von Magensaft. Auf welchem Weg Asthma zu verstärktem Reflux führen kann, ist jedoch unbekannt.

Nächtliche Asthma-Anfälle können ein Hinweis auf einen Reflux sein. Denn durch die liegende Position kann es zu verstärktem Rückfluss von Magensaft kommen. Viele Betroffene beobachten auch, dass sich ihre Asthma-Beschwerden immer dann verstärken, wenn sie unter Sodbrennen leiden.

Auch wenn sich keine anderen auslösenden Komponenten für Asthma finden – etwa Pollen –, kann ein Reflux dahinter stehen. Auffällig ist das besonders dann, wenn Asthma erst im Erwachsenenalter auftritt oder der Patient unter Fettleibigkeit leidet.

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Letzte Aktualisierung: 12. Januar 2017
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