Schwerhörigkeit
Schwerhörigkeit

Implantate: bei ausgeprägter Schwerhörigkeit

Bei manchen Schwerhörigen reduziert sich das Hörvermögen im Laufe des Lebens so sehr, dass ein Hörgerät nicht mehr ausreicht. Diese Patienten müssen heute glücklicherweise nicht mehr mühevoll das Lippenlesen lernen. Seit Mitte der 80er-Jahre setzen Ärzte in Deutschland bei hochgradiger Schwerhörigkeit oft sogenannte Cochlea- Implantate(CI) ein, um dem Patienten weiterhin das Hören zu ermöglichen.

Seit Mitte der 80er-Jahre setzen Ärzte in Deutschland bei hochgradiger Schwerhörigkeit oft sogenannte Cochlea- Implantate (CI) ein, um dem Patienten weiterhin das Hören zu ermöglichen.

Diese Geräte, die aus dem Implantat selbst, einem Sprachprozessor und einem Mikrofon bestehen, helfen auch bei völliger Gehörlosigkeit – etwa infolge einer zerebralen Erkrankung wie zum Beispiel Hirnhautentzündung, eines Schädelbruches, Infektionen wie Mumps und Masern, einer chronischen Mittelohrentzündung oder toxischen Schäden, wie durch das Antibiotikum Streptomycin. Das Cochlea-Implantat wird im Rahmen einer Routineoperation in Vollnarkose eingesetzt. Allerdings sind diese Implantate nur sinnvoll, wenn lediglich die Funktion der Schnecke (Cochlea) beeinträchtigt ist. Der Hörnerv muss intakt und funktionsfähig sein.

Hörtraining nach CI-Operation

Diese Hörprothesen ermöglichen dem Patienten, sich weiterhin sicher in der Gesellschaft zu bewegen. Doch sind sie mit dem natürlichen Hören oder gängigen Hörgeräten nicht zu vergleichen: Umweltgeräusche, Stimmen und Musik klingen für CI-Träger ganz anders, weshalb ein Hörtraining wichtig ist. "Die Patienten berichten, dass es sich metallisch und nach Mickey-Maus-Stimme anhört", sagt Silvia Zichner, Sprechwissenschaftlerin am Cochlear Implant Centrum in Berlin.

CI-Träger müssen Geräusche neu „erlernen“

Die Verfremdung der akustischen Welt ist so ausgeprägt, dass frische CI-Träger lernen müssen, die Geräusche neu zuzuordnen. Dabei brauchen sie in jedem Fall ein Hörtraining beim Therapeuten, zum Beispiel einer Logopädin oder eines Audiotherapeuten. "Hinzu kommt, dass die neue Geräuschwelt auch leicht deprimiert. Das wird jeder nachvollziehen können, der nach einem Flug noch einige Stunden gedämpft gehört hat: Er hat das Gefühl, außerhalb von allem zu stehen. Ähnlich ist das Hörerlebnis für CI-Träger: Sie fühlen sich in der ersten Zeit von ihrer Umwelt isoliert", meint Zichner.

Die Logopädin oder Sprechwissenschaftlerin wird mit dem CI-Träger ein Hörtraining absolvieren: Sie wird ihm zum Beispiel verschiedene Alltagsgeräusche und Klänge von Musikinstrumenten vorspielen, die er zuordnen muss. Außerdem übt der Patient Sprechlaute zu erkennen. "Es ist für die Patienten jedoch anfangs schwierig, einzelne Laute zu erkennen. Darum beginnen wir mit ganzen Sätzen und gehen dann zu Wörtern über. Erst dann trainieren wir einzelne Vokale und Konsonanten", sagt Zichner. Am besten ist es, Begriffe zu wählen, die für den Alltag des Patienten von Bedeutung sind.

Hörtraining kann offenbar Verzerrungen bei Tinnitus rückgängig machen

Ein Hörtraining kann nicht nur für CI-Träger, sondern auch bei Tinnitus sinnvoll sein, meint Prof. Thomas Elbert von der Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Verhaltensneurologie an der Universität Konstanz. Bei dieser Erkrankung kommt es zur Überaktivität begrenzter Gebiete im Hörzentrum in der Großhirnrinde (auditorischen Cortex). Je ausgeprägter die Hyperaktivität ist, desto intensiver nimmt der Patient den Tinnitus wahr. Ein Hörtraining kann die Hyperaktivität sehr wahrscheinlich rückgängig machen.

Autor: Springer Medizin, aktualisiert durch: DVGE Verlag für Gesundheit und Ernährung, Stand:04.01.2012
Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2012

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