Von leichter Hörstörung bis zur Taubheit

Schwerhörigkeit hat viele Gesichter

Was hinter Hörproblemen stecken kann

Schwerhörigkeit hat viele Formen und Ursachen. Häufig sind Altersschwerhörigkeit und Lärmschäden, die auch gemeinsam mit Tinnitus auftreten können.

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Schwerhörigkeit ist weit verbreitet: Etwa ein Fünftel der Deutschen leidet daran.
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Schwerhörigkeit, in der medizinischen Fachsprache Hypakusis, ist ein Oberbegriff für unterschiedliche Grade der Beeinträchtigung des Hörvermögens, angefangen von kaum wahrgenommenen Hörstörungen bis hin zur Gehörlosigkeit.

Hörprobleme sind verbreitet: Schätzungen zufolge leiden in Deutschland 19 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren an einer behandlungsbedürftigen Schwerhörigkeit. Grundlage dieser Schätzung ist eine 2001 veröffentlichte repräsentative Hörscreening-Untersuchung in elf Allgemeinarztpraxen, an der rund 2.000 Personnen teilnahmen.

Schwerhörigkeit kommt oft mit dem Alter

Tatsächlich dürften inzwischen aber deutlich mehr Menschen betroffen sein - einerseits durch die demografische Entwicklung, denn die altersbedingte Schwerhörigkeit gehört zu den häufigsten Formen. Rund 37 Prozent der 61- bis 70-Jährigen sind schwerhörig, in der Altersgruppe der 71- bis 80-Jährigen sogar 60 Prozent, wobei Männer stärker betroffen sind als Frauen.

Aber auch junge Menschen sind zunehmend schwerhörig, was dem veränderten Freizeitverhalten (zum Beispiel Veranstaltungsbesuche mit hoher Geräuschbelastung, laute Musik über Kopfhörer) geschuldet ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Schwerhörigkeit zu den sechs häufigsten, die Lebensqualität am meisten beeinträchtigenden Erkrankungen in den Industrieländern. Denn eine Hörbehinderung hat weitreichende Folgen für Alltag und geistige Gesundheit.

Verschiedene Grade und Formen der Schwerhörigkeit

Gemäß einer Einteilung der WHO von 2001 werden vier Grade der Schwerhörigkeit mit geringgradiger, mittelgradiger, und hochgradiger Schwerhörigkeit sowie Hörreste oder Taubheit unterteilt. Unterschieden werden Formen der Schwerhörigkeit auch danach, auf welcher Ebene des Hörorgans sie ihre Ursache haben, und zwar in

  • Schallleitungsstörungen (äußeres Ohr, Mittelohr),
  • Schallempfindungsstörungen (Colchea/Hörschnecke  im Innenohr) und
  • Schallverarbeitungsstörungen (Hörnerv und Gehirn).

Mittelohrentzündung häufige Ursache

Hinter den unterschiedlichen Formen der Schwerhörigkeit steckt eine Vielzahl möglicher Ursachen. Bei Kindern kann Schwerhörigkeit beispielsweise vererbt sein, durch eine Erkrankung der Mutter in der Schwangerschaft entstehen oder durch eine Infektion, beispielsweise eine Mittelohrentzündung, ausgelöst werden.

Auch bei Erwachsenen gehören chronische Entzündungen des Mittelohres zu den häufigsten Ursachen von Schwerhörigkeit in Form einer Schallleitungsstörung. Die Otosklerose, eine Erkrankung des Knochens, der das Innenohr umgibt und die Frauen doppelt so häufig betrifft wie Männer, kann ebenfalls eine Schallleitungsstörung verursachen.

Eine Schallempfindungsstörung durch Schädigungen im Innenohr kann genetisch bedingt sein, aber ihre Ursache beispielsweise auch in Infektionskrankheiten wie Mumps, Masern oder Meningitis haben. Sie können daneben ähnliche Ursachen wie Tinnitus haben, beispielsweise Knalltraumen. Das erklärt, warum Schwerhörigkeit und Tinnitus häufig gemeinsam auftreten.

Lärm-Schwerhörigkeit häufigste anerkannte Berufskrankheit

Auch permanent hoher Lärmbelastung ausgesetzt zu sein, etwa im Beruf, kann zu einer Schallempfindungsstörung führen. Die durch Lärm verursachte Schwerhörigkeit ist die häufigste anerkannte Berufskrankheit.

Das Nachlassen der Hörfähigkeit im Alter ist ebenfalls meist auf eine Schallempfindungsstörung zurückzuführen. Zu den weiteren möglichen Auslösern dieser Form der Schwerhörigkeit zählen Verletzungen wie ein Schädel-Basisbruch und Vergiftungserscheinungen durch Alkohol oder Medikamente, aber auch der berufsbedingte Umgang mit toxischen Stoffen.

Die Schallverarbeitungsstörungen werden je nachdem, ob der Hörnerv oder die Hörbahn und Hörrinde im Gehirn betroffen ist, in neurale und zentrale Schwerhörigkeit unterteilt. Ursachen können beispielsweise Verletzungen oder Tumoren sein.

Frühe Diagnose der Schwerhörigkeit wichtig

Ganz gleich, welche Form der Hörstörung vorliegt: Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um zugrunde liegende Erkrankungen bekämpfen zu können und Beeinträchtigungen durch die Schwerhörigkeit, etwa durch Hörgeräte, entgegenzuwirken. Hörtests (objektive Audiometrie oder subjektive Audiometrie) geben dem Arzt dabei erste Hinweise, ob und welche Form beziehungsweise welcher Grad einer Schwerhörigkeit vorliegt.

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