Eingriff gegen schütteres Haar

Haartransplantation: Volles Haar statt Glatze

Jürgen Klopp hat's getan, viele Fußballer wie Wayne Rooney oder Christoph Metzelder: Wenn Männer sich nicht damit abfinden wollen, dass das Haupthaar lichter wird, hilft oft nur noch eine Haartransplantation. Auch Frauen können sich Haare verpflanzen lassen. Wie läuft der kostspielige Eingriff an der Haarpracht ab? Welche Risiken gibt es, welche Ergebnisse sind zu erwarten. Alle Informationen in unserem Ratgeber.

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Bei Männern lichtet sich oft schon ab dem 30. Lebensjahr das Haar. Eine Eigenhaartransplantation kann bei Geheimratsecken und einer fliehenden Stirn eine Option sein.
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Bei einer Haartransplantation werden haarlose oder stark ausgedünnte Stellen am Kopf mit eigenen Haarwurzeln aufgefüllt. Diese werden in der Regel vom Hinterkopf gewonnen, Haare eines anderen Spenders sind dagegen nicht geeignet, der Körper würde sie abstoßen. Deshalb heißt das Verfahren auch Eigenhaartransplantation.

Wenn er professionell durchgeführt wurde, ist der kosmetische Eingriff nach der Heilungsphase nicht zu sehen. Das transplantierte Haar wächst völlig natürlich nach und kann genauso frisiert und gestylt werden wie vorher. Außerdem verfügt die Kopfhaut nun wieder über einen natürlichen Sonnenschutz.

Wann eine Haartransplantation möglich ist

Die Verpflanzung von eigenen Haaren ist grundsätzlich immer dann möglich und sinnvoll, wenn noch genügend eigenes, gesundes Haar am Hinterkopf als Spenderhaar vorhanden ist.  Denn Haarwurzeln vom Hinterkopf und dem Nackenbereich sind unempfindlich gegenüber hormonellen Einflüssen, die zu Haarausfall bei Männern führen und daher häufig nicht von Glatzenbildung betroffen.

  • Geheimratsecken und Glatzenbildung: Haare vom Hinterkopf können an die kahlen Stellen transplantiert werden. Jedoch ist das Haar in der Folge nicht mehr ganz so dicht wie das natürliche Haar, denn man kann die neuen Haarwurzeln nicht so dicht pflanzen, wie es ursprünglich der Fall war. Es gäbe dann Durchblutungsprobleme und nichts würde anwachsen.

  • Narben: Auch auf Narben wachsen mit 94-prozentiger Sicherheit Eigenhaar-Wurzeltransplantate an.

  • kreisrunder Haarausfall: Unter der Voraussetzung, dass sich der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) nicht mehr verändert, kann man eine Haartransplantation durchführen.

  • Selbst Augenbrauen, Bart oder Schambehaarung können mit einer Haartransplantation aufgefüllt werden. Dabei ist zu jedoch zu bedenken, dass die transplantierten Haarwurzel nach der Verpflanzung genauso kontinuierlich und lang wachsen wie sie das am Hinterkopf tun würden. Die so verdichteten Augenbrauen oder der Bart müssen lebenslang kurz geschnitten werden. Es besteht auch die Möglichkeit, Haarwurzeln von anderen Körperstellen zu verpflanzen. Um die optische Wirkung der Augenbrauen zu verbessern (dichteres Aussehen), kann man sich allerdings von einem sehr guten Permanent-Make-up-Profi (meistens Kosmetikerinnen) den Bereich abdunkeln lassen.

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Haarausfall kann auch durch Medikamente oder Erkrankungen der inneren Organe hervorgerufen werden. Bevor in diesen Fällen eine Haartransplantation in Erwägung gezogen wird, sollten zunächst mit dem Hausarzt oder einem Spezialisten die Ursachen abgeklärt und wenn möglich behandelt werden. Ob und in welchem Umfang anschließend eine Eigenhaartransplantation in Frage kommt, kann mit einem Haarchirurgen geklärt werden.

Vorbereitung auf die Eigenhaartransplantation: Arztauswahl und Patientengespräch

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Vorbereitung zur Haarverpflanzung: Der Haarchirurg markiert die künftige Haarlinie.
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Eine Eigenhaartransplantation darf in Deutschland im Prinzip von jedem Arzt durchgeführt werden. Es gibt weder eine spezielle Facharztausbildung, noch eine staatlich anerkannte Weiterbildung dafür. Bei der Wahl des Spezialisten, denen man sein Haupt anvertraut, sollte man sich von dessen Erfahrungen auf diesem Gebiet sowie die des medizinischen Assistenzpersonals verlassen. Auch die technische Ausstattung ist für das spätere Endergebnis ein wesentlicher Faktor.

Der Verband der Haarchirurgen und die Gesellschaft für ästhetische Chirurgie Deutschland e.V empfehlen in ihren Leitlinien, dass der behandelnde Arzt

  • über eine Facharztausbildung in einem operativen Fach (zum Beispiel allgemeine Chirurgie, ästhetische Chirurgie, Dermatologie, HNO) verfügen soll,

  • speziell in der Haartransplantation ausgebildet sein und das auch nachweisen können soll: Die Verbände plädieren für ein mehrstufiges Model aus Einführungskursen, Aufbaukursen, Trainings und OP-Workshops sowie Hospitationen bei langjährig praktizierenden Spezialisten.

Einer Haartransplantation sollte ein Beratungsgespräch vorausgehen. Dabei sollte die Art des Haarausfalls diagnostiziert werden, eine ausführliche Anamnese mit Vorerkrankungen gehört ebenso dazu. Wichtig sind hierbei vor allem Hautkrankheiten, Allergien, Blutgerinnungsstörungen oder Erkrankungen der Leber sowie eingenommene Medikamente.

In diesem Aufklärungsgespräch sollte der Arzt mit dem Patienten die verschiedenen Möglichkeiten und Erfolgsaussichten der Haartransplantation bezüglich Haardichte, bedeckter Fläche, späterer Haarlinie und möglicher Komplikationen sowie die letztendlichen Kosten besprechen. Sinnvoll ist zudem eine Dokumentation mittels Fotos oder Schemazeichnungen vor und nach der Operation.

Vor der Behandlung müssen möglicherweise bestimmte Medikamente abgesetzt werden. Die Haare lässt man möglichst lang wachsen, damit die Operationsgebiete damit überdeckt werden können.

Verschiedene Methoden zur Eigenhaarverpflanzung

Früher wurden die Spenderhaare häufig mit der Stanztechnik gewonnen. Dazu wurden mehrere Millimeter große Hautteile am Hinterkopf ausgestanzt und an die kahlen Stellen verpflanzt. Diese Methode ist jedoch veraltet. Heute werden für die Entnahme der Haare im Wesentlichen zwei Methoden angewandt – die Streifenentnahme und die Einzelhaar-Entnahme.

Streifenentnahme (FUT-Technik)

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Bei der FUT- oder Streifentechnik werden die Haarwurzeln von einem Streifen am Hinterkopf gewonnen.
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Die Haartransplantation per Streifenentnahme heißt auch FUT-Technik (Follicular Units Transplantation). Dazu entnimmt der Arzt am Hinterkopf des Patienten einen schmalen Hautstreifen inklusive Haare und Haarwurzeln. Dabei bleibt am Hinterkopf ein schmaler Narbenstreifen, nach der Operation deckt sich das übrige Haar über die Entnahmestelle und es ist nichts sichtbar.

Der entnommene Hautstreifen wird unter dem Mikroskop aufbereitet und in einzelne Einheiten, sogenannte Grafts, zerteilt. Diese Grafts sind natürliche Gruppierungen der Haare. Diese wachsen nämlich nicht einzeln, sondern meist in kleinen Inseln von zwei bis fünf Haaren. Die gewonnenen Grafts werden dann an die vorbereiteten kahlen Stellen verpflanzt.

Die FUT-Technik bei richtiger Ausführung sehr effektiv, weil man damit in einer Behandlung bis über 2.000 Transplantate verpflanzen kann.

FUE- beziehungsweise FUI-Technik

Bei der FUE-Technik (Follicle Unit Extraction) werden für die Haartransplantation an mehreren Stellen am Hinterkopf einzelne Haarwurzeln entnommen. Es verbleiben viele kleine punktförmige Einstichstellen, die auf den ganzen Hinterkopf verteilt sind. Diese müssen – im Gegensatz zum Hautschnitt bei der FUT-Technik – nicht vernäht werden, die Narben sind später wegen ihrer Feinheit nicht zu sehen.

Bei der FUI-Technik müssen die Haare am Hinterkopf kurz rasiert werden und man kann die Entnahmestelle meist so lange sehen, bis die Haare nachgewachsen sind.

Die Entnahme einzelner Grafts ist nicht bei allen Patienten möglich. Man kann in einer Behandlung bis zu 400 Grafts verpflanzen, das bedeutet, dass meist mehrere Behandlungen nötig sind. Diese werden so mitunter doppelt so teuer wie die Streifenentnahme.

Wie viele Haarwurzeln müssen für die Haartransplantation entnommen werden?

Die Haardichte und damit die Größe des zu entnehmenden Streifens oder die Menge der einzelnen Einheiten für die Haartransplantation ist bei jedem Menschen verschieden und richtet sich nach der Haardichte. Nach einer speziellen Haardichtemessung (Trichodensitometrie) können genaue Aussagen gemacht werden.

Genauso verhält es sich mit der Empfängerfläche. Man kann zwar heute 1.000 Transplantate auf einer Fläche von 35 bis 50 Quadratzentimeter unterbringen. Das Ergebnis ist ein sehr natürliches und dichtes Haarbild, nur selten ist eine Verdichtungsbehandlung nötig. Wenn man allerdings nur 1.000 Transplantate zur Verfügung hat, dann müssen die Haarwurzeln entsprechend dünner verteilt werden, so dass auch eine Fläche von beispielsweise 60 bis 80 Quadratzentimetern noch ausreichend gut mit Haaren bedeckt ist.

Kann eine Eigenhaartransplantation mehrmals durchgeführt werden?

Es lassen sich etwa 50 Prozent aller Haarwurzeln vom Hinterkopf in mehreren Behandlungen entfernen, ohne dass es optisch auffällt. Mehrere Haartransplantationen sind erforderlich, wenn der Haarausfall fortschreitet oder eine höhere Haardichte in bereits behandelten Gebieten gewünscht wird.

So läuft die Haarverpflanzung ab

Der Eingriff wird ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt, Schmerzen sind kaum zu spüren. Oft bekommt der Patient eine leichte Beruhigungstablette. Bevor die Transplantate gesetzt werden, wird das Gebiet der Kopfhaut, auf das die Haare transplantiert werden, zuerst mit einer Lösung aus einem Lokalanästhetikum unterspritzt. Dadurch schwillt die Haut an und dies erleichtert die Arbeit. Insgesamt muss mit einer Behandlungszeit zwischen zwei und acht Stunden gerechnet werden, je nach Größe der zu behandelnden Fläche.

Zunächst entnimmt der Arzt die Haarwurzeln. Bei der Streifenmethode wird die Entnahmestelle vernäht. Es verbleibt eine feine strichförmige Narbe, die vom Haupthaar überdeckt wird.

Für die nachfolgende Verpflanzung müssen die Haarwurzeln präpariert werden. Dazu werden diese in die erwähnten Grafts zerteilt und dann in feine Hautkanälchen an den haarlosen Stellen transplantiert. Zur Rekonstruktion von Haaransatz und Geheimratsecken kann der Haarchirurg auch Einzelhaare entnehmen. Dahinter werden dann Zweier- und Dreier-Haargruppen transplantiert. Somit wird ein natürliches Aussehen erreicht.

Nebenwirkungen und Komplikationen der Haarverpflanzung

Der Eingriff erfolgt in den oberen drei bis fünf Millimetern der Haut. Alle Risiken sind erfahrungsgemäß vorübergehender Natur.

Bei falscher OP-Technik oder zu tiefen Arbeiten können in seltenen Fällen stärkere Blutungen auftreten. Bei sehr dichter Transplantation und lang andauernden Eingriffen steigt das Risiko, dass die Transplantate nicht richtig anwachsen.

Da die Kopfhaut gut durchblutet ist, hält sich das Infektionsrisiko in Grenzen. Zusätzlich können Antibiotika gegeben werden. Nach der Operation bildet sich für sieben bis zwölf Tage eine Kruste, außerdem sind Schwellungen im Stirnbereich für drei bis fünf Tage möglich. Im Wundbereich kann ein Taubheitsgefühl auftreten. Die normale Kopfhautsensibilität kehrt nach zwei bis vier Wochen zurück, selten dauert es länger.

Was sollten Patienten nach der Eigenhaartransplantation beachten?

Nach der Verpflanzung der Haare kann man die Klinik noch am selben Tag wieder verlassen. Ratsam ist es, eine ausreichend große Kopfbedeckung, am besten eine Baseball-Kappe zum Eingriff mitzubringen.

Eine Kontrolle am Tag nach der Behandlung ist möglich. Bei der Streifenentnahme werden die Fäden am Hinterkopf nach zwei Wochen beim Hausarzt oder Hautarzt oder beim behandelnden Arzt gezogen. Eine Kontrolle des Haarwachstums anhand einer Fotodokumentation wird nach sechs Monaten empfohlen.

Körperliche Schonung in den ersten Tagen nach der Haartransplantation ist gut für die Heilung. Die Haare sollten erst ab dem dritten Tag nach der Operation wieder gewaschen werden. Leichter Sport ist nach einer Woche, Leistungssport und intensive körperliche Betätigung nach zwei Wochen erlaubt. Sauna und intensive Sonnenbäder sind für vier Wochen tabu. Baden (Salzwasser oder Hallenbad) ist nach einer Woche wieder möglich.

Nach der Haartransplantation ist der Patient nach ein bis zwei Wochen wieder gesellschaftsfähig. In der Übergangszeit kann man sich mit Kopfbedeckungen behelfen.

Eingepflanzte Haare fallen aus – und wachsen wieder nach

Die eingepflanzten Haare werden zunächst wieder ausfallen – das ist eine ganz normale Reaktion der Haarfollikel auf die Operation. Das Haarwachstum beginnt nach der Regeneration der Haarwurzeln etwa ab der achten Woche nach dem Eingriff. Ab dann kann mit einer ganz natürlichen Wuchsgeschwindigkeit von etwa einem Zentimeter pro Monat gerechnet werden. Zunächst wachsen die neuen Haare dünn, später dicker nach. Mit dem Endergebnis einer vollen Haarpracht kann etwa nach zwölf bis 18 Monaten gerechnet werden.

Was kostet eine Haartransplantation?

Die Kosten für eine Haartransplantation fallen sehr unterschiedlich aus, abhängig von

  • der Größe des haarlosen Areals, welches bepflanzt werden soll,
  • der angewandten Technik und
  • der gewünschten Haardichte.

Berechnet werden die Kosten meist pro Graft. Bei einer Fläche von drei mal zwei Zentimetern kommt man auf etwa 1.000 bis 1.500 Euro, je nach Anzahl der benötigten Transplantate.

Die Kosten für eine umfangreichere Haartransplantation liegen etwa zwischen 3.000 und 9.000 Euro. Die Streifenentnahme ist dabei die günstigere Variante. Die FUE-Methode ist zeitaufwändiger – und damit meist um einiges teurer.

Die Eigenhaartransplantation ist ein rein kosmetischer Eingriff. Die Kosten dafür werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Nur in seltenen Einzelfällen springt die Kasse ein, zum Beispiel, wenn Teile des Kopfhaares durch einen Unfall, eine Verbrennung oder eine Operationsnarbe verloren gegangen sind und gute Gründe gegen eine Perücke sprechen.

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Letzte Aktualisierung: 26. April 2017
Quellen: Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V.: Leitlinien zur Haartransplantation; http://www.gacd.de/haartransplantation.php, Abruf am 24.04.2017

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