Liposuktion ist keine Diät

Fettabsaugen an Bauch, Po, Beinen: Kosten und Überblick

Im Kampf gegen Übergewicht scheint jedes Mittel recht. Warum sich mit Diäten und Sport quälen, wenn das Fettabsaugen verführerisch einfach klingt? Doch Experten warnen davor, die Liposuktion als Maßnahme zum Abnehmen zu verstehen. Wann die Fettabsaugung stattdessen sinnvoll ist und mit welchen Kosten man rechnen muss.

Frau kneift sich in die Seite
Fettabsaugen ist keine geeignete Maßnahme zum Abnehmen, sondern fungiert nur unterstützend.
(c) Stockbyte

Wer kennt das nicht: Ein Pölsterchen hier, eine Speckrolle da, und die Lieblingshose passte auch schon mal besser. Doch wie den Problemzonen zu Leibe rücken? Eine Umstellung auf gesunde Ernährung und regelmäßiger Sport sind die besten Maßnahmen. Doch das ist vielen zu anstrengend. Liposuktion klingt da schon besser. Nach dem Motto: absaugen statt abnehmen.

Fettabsaugen ist keine Diät

Experten warnen jedoch vor diesem Missverständnis: "Fettabsaugung ist keine Maßnahme, um abzunehmen", erklärt Gerhard Sattler, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V. (GÄCD). Der operative Eingriff sei in erster Linie sinnvoll zur Reduzierung der Fettzellen, die in diätresistenten Körpergebieten liegen, zum Beispiel an den sogenannten Reiterhosen bei Frauen oder am Bauch bei Männern.

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Nicht zu verwechseln sind bei der Liposuktion ästhetische und medizinische Überlegungen, betont Professor Patrick Verreet, Arzt für Allgemeinchirurgie. "Bei Übergewicht und Adipositas handelt es sich nicht um ein rein ästhetisches Problem. Zwar ist der Leidensdruck der Betroffenen wegen ihres Aussehens enorm, hinzu kommen aber auch handfeste medizinische Probleme, die das Abnehmen zwingend erforderlich machen", sagt Verreet. Die Liposuktion könne höchstens unterstützend sinnvoll sein. Das "muss individuell und sehr intensiv durch den Arzt zusammen mit dem Patienten geklärt werden."

Hilft Fettabsaugung gegen Cellulite oder Schwangerschaftsstreifen?

Am einfachsten kann eine Liposuktion an Bauch, Oberschenkeln, Hüfte, Innenseiten der Knie und am Kinn durchgeführt werden. An anderen Stellen ist der Eingriff komplizierter, etwa an Oberarmen, der Po-Umschlagfalte, am Knöchel oder an Rückenfalten. „Am Rücken ist es sehr schwer, Fettpolster abzutrainieren", sagt Sattler. Mittlerweile gebe es sanfte Liposuktions-Methoden, mit denen auch hier ein kosmetischer Erfolg erzielt werden könne.

Auch eine Reduktion von Cellulite kann durch Fettabsaugen erreicht werden: Die Verminderung des Fettgewebes hat eine straffende Wirkung. Die Narbenbildung im Rahmen des Eingriffs festigt das Bindegewebe zusätzlich.

Eine Fettabsaugung kann zudem das Erscheinungsbild von Schwangerschafts- oder Dehnungsstreifen, Einrisse der Hautstruktur und dadurch bedingte Narbenbildung bessern. Einen größeren Effekt haben jedoch gravierendere Eingriffe wie die Bauchdeckenplastik.

Was kostet das Fettabsaugen?

Die Kosten für eine Fettabsaugung liegen je nach Körperregion bei 1.500 bis 3.500 Euro und hängen von der Dauer des Eingriffs und dem Aufwand ab. Für eine Liposuktion am Hals ist mit 1.500 Euro zu rechnen, der aufwändigere Eingriff an Beinen oder Bauch kostet etwa 3.500 Euro. Matthias Gensior, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, steht günstigen Angeboten skeptisch gegenüber. "Bei Preisen von 1.500 Euro für eine Absaugung an den Beinen ist einfach Vorsicht geboten". Die Liposuktion sollte nur von qualifizierten Ärzten und nach verbindlichen Qualitätskriterien durchgeführt werden. Die Sicherheit und die Zufriedenheit mit dem Ergebnis sollte bei der Wahl des Arztes eindeutig im Vordergrund stehen, nicht der Preis.

Die Krankenkasse zahlt nicht

Die Kosten für das Fettabsaugen müssen die Patienten meist selber tragen. Viele Menschen leiden zwar sehr unter ihrem körperlichen Erscheinungsbild – oft ist es sogar Auslöser schwerer psychischer Probleme. Doch selbst wenn eine genetische Veranlagung für die Fettablagerung verantwortlich ist, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Eingriff nicht. Diese Entscheidung basiert auf einem Gutachten des medizinischen Dienstes der Krankenversicherung. Stellt der eigene Körper eine so große Belastung dar, dass schwere psychische Probleme auftreten, so ist man bei einem Psychiater oder Psychologen besser aufgehoben als bei einem Schönheitschirurgen. Nur wenn eine krankhafte Störung für das vermehrte Fettgewebe vorliegt, übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten.

Der richtige Facharzt für eine Liposuktion

Im besten Fall wendet man sich für eine Fettabsaugung an einen Facharzt für Dermatologie mit Spezialisierung auf Liposuktion. Infrage kommen außerdem Fachärzte für Chirurgie, Plastische Chirurgie sowie Gynäkologie mit gleichem Schwerpunkt. Der Begriff "Schönheitschirurg" ist dagegen nicht gesetzlich geschützt. "In Deutschland kann jeder Liposuktionen anbieten, der eine Approbation hat und einen entsprechenden Wochenendkurs absolviert", warnt Heinz-Herbert Homann, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

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Checkliste für die Wahl des Arztes

  • Fragen Sie den Arzt nach seiner Ausbildung und Erfahrung. Ist der Mediziner Mitglied in einem Fachverband, prüfen Sie dessen Qualitätsrichtlinien.

  • Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, warum Sie eine Fettabsaugung vornehmen lassen wollen.

  • Informieren Sie den Arzt über Erkrankungen, frühere Operationen und mögliche Unverträglichkeiten gegenüber Medikamenten. So lassen sich unvorhergesehene Komplikationen einschränken.

  • Lassen Sie sich Vorher-Nachher-Fotos von anderen Fällen zeigen, um die Qualität des Arztes einschätzen zu können.

  • Lassen Sie sich nicht von einem Arzt operieren, der Ihnen ein mulmiges Gefühl bereitet. Suchen Sie so lange, bis Sie einen gefunden haben, mit dem die Chemie stimmt.

  • Fragen Sie, ob die Liposuktion unter örtlicher Betäubung (Tumeszenzlokalanästhesie) vorgenommen wird. Experten halten sie für gefahrloser als einen Eingriff unter Vollnarkose. Bei Letzterer werden zum Beispiel häufiger innere Organe verletzt.

  • Bietet der Chirurg an, mehr als vier Liter Fett abzusaugen, seien Sie skeptisch. Vier Liter reines Fett gelten als gefahrloses Maximum. Ärzte, die sich nicht an diese Grenze halten, ziehen den Eingriff in die Länge und erhöhen das Risiko für den Patienten.

  • Während der Fettabsaugung sollte ein Anästhesist anwesend sein.

Welche Risiken birgt eine Fettabsaugung?

Bei der Liposuktion handelt es sich um eine aufwändige mehrstündige Operation mit entsprechenden Risiken. Zu den möglichen Komplikationen zählen Bauchwanddefekte, Blutvergiftungen, Durchbrüche von Darm und Gallenblase, Thrombosen und Lungenembolien. Im Extremfall kann der Eingriff mit der Kanüle sogar tödlich enden.

"Eine Fettabsaugung ist kein Bagatelleingriff, den man mal eben vornehmen lassen kann. Es ist für den Patienten nur dann risikoarm, wenn der behandelnde Arzt sich an bestimmte medizinische Regeln hält", gibt Sattler, Vorstandsmitglied der GÄCD, zu bedenken.

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Eine Untersuchung zeigte jedoch, dass die Liposuktion bei gesunden Patienten recht sicher ist. Ein Team von Wissenschaftlern der University of Texas Southwestern Medical Center of Dallas hat in einer umfassenden Studie den Effekt der Liposuktion auf die Funktion von beispielsweise Herz, Lunge und Leber während und direkt nach dem Eingriff untersucht. "Das Resultat lautet: Die Liposuktion ist sicher", sagt Jeffrey M. Kenkel, einer der Autoren der Studie. Die Funktion von Organen wie Lunge, Leber oder Herz wurde durch den Eingriff nicht ernstlich beeinflusst.

Kenkel gibt allerdings zu bedenken, dass nicht jeder Patient ein guter Kandidat für das Fettabsaugen ist. Wer sich einer Liposuktion unterziehen will, sollte generell gesund sein. Patienten, die unter Herz-Kreislauf-Problemen leiden oder einen hohen Blutdruck haben, kann eine Liposuktion aufgrund der damit verbundenen Risiken nicht empfohlen werden, so Kenkel.

Lokale Betäubung statt Vollnarkose bei Liposuktion

Für die Sicherheit des Patienten spielt nicht nur die Wahl des Arztes, sondern auch die Form der Narkose eine entscheidende Rolle. In den meisten Fällen wird die Fettabsaugung unter lokaler Betäubung, der sogenannten Tumeszenzlokalanästhesie, durchgeführt. Beim Vorgang des Fettabsaugens besteht grundsätzlich das Risiko, dass innere Organe durch die Absaugkanüle verletzt werden. "Dieses Risiko tendiert bei der Tumeszenzlokalanästhesie gegen null, weil der Patient bei Bewusstsein ist und sofort Rückmeldung an den behandelnden Arzt geben kann, denn solche operationsbedingten Verletzungen sind natürlich schmerzhaft", erklärt Sattler. Der eigentliche Eingriff dagegen ist schmerzfrei. Um Komplikationen zu verhindern, sollte er immer in Anwesenheit eines Anästhesisten erfolgen.

So läuft das Fettabsaugen ab

In Vorbereitung auf die Liposuktion sollten keine Präparate mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (zum Beispiel in Aspirin) eingenommen werden, weil sie die Blutgerinnung beeinflussen. Bei einem akuten Krankheitsgefühl sollte man die Fettabsaugung verschieben. Auch, wenn über das geplante Vorgehen Unklarheit herrscht oder man noch mit sich ringt, wird auf den Eingriff besser verzichtet.

Das Fettgewebe wird bei der Vibrationslipolyse, dem Standardverfahren bei der Fettabsaugung, zuerst aufgeweicht und betäubt. Dazu wird die Tumeszenzflüssigkeit, eine Mischung aus Kochsalzlösung und einem örtlich wirkenden Betäubungsmittel, injiziert. Anschließend wird eine Absaugkanüle unter die Hautoberfläche eingeführt und durch ein druckluftgetriebenes Handstück in Schwingung versetzt. Das Fettgewebe wird dadurch aus dem Bindegewebsnetz herausgeschleudert.

Die Menge des abgesaugten Fetts sollte maximal 4,5 Liter pro Eingriff betragen. Bei größeren Volumina steigt das Risiko nicht kalkulierbar an. Unter besten Voraussetzungen können 70 Prozent des Fettgewebes und der Fettzellen abgesaugt werden. Falls mehr erforderlich ist, sind zwei oder drei Sitzungen sinnvoll (siehe unten).

Nach der Fettabsaugung: Wie schnell ist das Ergebnis sichtbar?

Eine Kontrolle beim behandelnden Arzt findet üblicherweise ein bis zwei Wochen nach dem Fettabsaugen statt. Doch die ersten Ergebnisse sieht man schon zwei Tage nach dem Eingriff. Nach circa drei bis vier Tagen beginnt das behandelte Areal dann anzuschwellen. Das Maximum der Schwellung ist nach vier Wochen verschwunden, aber das Endergebnis liegt erst nach zwölf bis 18 Monaten vor. Bis dahin schrumpft das Gewebe weiter und die Haut legt sich an.

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In der frühen Phase nach einer Fettabsaugung können durchaus noch kleine Hämatome und Unregelmäßigkeiten vorhanden sein. Diese Veränderungen gehören zum Heilungsverlauf, sollten jedoch nach wenigen Wochen verschwunden sein. Fördern lässt sich dies durch Massage oder Lymphdrainage. Ob es nach dem Eingriff zu Unregelmäßigkeiten und Dellen kommt, hängt im Wesentlichen vom Gewebezustand und der Straffheit der Hautoberfläche ab. Bei dünnerer Haut sind feine Unregelmäßigkeiten üblich, die jedoch nach längerer Abheilungszeit auch verschwinden können.

Die Schwellungen nach einer großen Fettabsaugung halten etwa drei bis vier Wochen an. In seltenen Fällen können Schwellungen infolge einer Lymphabflussstörung auch länger bestehen bleiben. Die Rückbildung der Schwellungen nach dem Fettabsaugen am Bauch wird durch das konsequente Tragen eines Mieders beschleunigt. Dieses sollte nicht quetschen, ein milder Druck ist völlig ausreichend.

Benutzen Sie für die Pflege eine leicht fettende Creme. Hierdurch werden Hautschrumpfungsprozess und Narbenheilung unterstützt. Zusätzlich können Narbenreduktionspflaster sinnvoll sein. Abhängig vom Fall und der angewandten Methode sollte mindestens vier Wochen nach der Fettabsaugung eine Überwärmung aufgrund möglicher Verbreitung von Keimen in der Wunde vermieden werden.

Nach ein bis zwei Tagen kann man wieder arbeiten, sofern es sich um eine sitzende Tätigkeit handelt. Sobald keine Beschwerden mehr auftreten, darf man auch wieder Sport treiben.

Sollte man die Fettabsaugung wiederholen?

Bei normalem Wundheilungsverlauf ist eine mehrfache Fettabsaugung ohne Weiteres möglich. Es gibt hier die 70-Prozent-Regel, die besagt, dass bei einer schonenden Absaugung zirka 70 Prozent des bestehenden Fettgewebes entfernt wird. Behandelt man nach einem Jahr das gleiche Areal wieder, werden von den verbliebenen Stammfettzellen wiederum 70 Prozent beseitigt.

Nach einem weiteren Jahr kann man die Haut ein drittes Mal schrumpfen, sodass nach drei Sitzungen im Rahmen der 70-Prozent-Regel insgesamt etwa 97 Prozent des Fettgewebes entfernt ist.

Unzufrieden mit dem Ergebnis?

Abgesaugtes Fettgewebe wächst nicht mehr nach, die Liposuktion kann also nicht rückgängig gemacht werden. Wenn eine verunglückte Operation Verwachsungen herbeiführt, dann bilden sich diese Narben unter der Haut nicht zurück. Somit kommt dem Ersteingriff eine sehr hohe Bedeutung zu und wiederholte Eingriffe können alte bestehende Narbenverziehungen nicht mehr lösen.

Sollte das Ergebnis sechs Monate nach der Fettabsaugung unbefriedigend sein, besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt. Dieser kann eine weitere Behandlung vornehmen, für die Sie aber nichts zahlen müssen, wenn die Kritik berechtigt ist. Wenn keine Einigung mit dem Operateur erzielt wird, sollten Sie eine Zweitmeinung einholen. Dazu sollten Sie allerdings alle OP-Berichte und alle vor den jeweiligen Operationen angefertigten Bilder besorgen – Sie haben einen Anspruch auf diese Unterlagen! Außerdem können Sie sich mit Ihrem Fall auch an die Gutachterkommission der GÄCD wenden.

Da der Schrumpfungsprozess nach einer Fettabsaugung bis zu sechs Monate dauern kann, sollte mit einer Folge-OP mindestens so lange gewartet werden.

 

Bitte beachten Sie: Die hier erteilten Auskünfte sind lediglich als rechtlich unverbindliche Information zu verstehen. Den persönlichen Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt können sie nicht ersetzen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 22. Juli 2016
Durch: sist
Quellen: Heinz-Herbert Homann, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie; Matthias Gensior, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie; Professor Patrick Verreet, Arzt für Allgemeinchirurgie; Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland (GÄCD); Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC); Gerhard Sattler/Boris Sommer: Liposuktion – Fettabsaugung. Wege zu einem schönen Körper; Mednova Fachverlag; Presseinformationen der Rosenparkklinik in Darmstadt; Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz; Ärzte-Zeitung

Fettabsaugen - Liposuktion

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