Rückenschmerzen, Migräne & Co.

Chronische Schmerzen weit verbreitet

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Rückenschmerzen zählen zu den häufigen chronischen Schmerzformen.

Chronische Schmerzen sind in Deutschland weit verbreitet. Egal ob Rückenschmerzen oder auch Migräne - fest steht: der chronische Schmerz bedeutet meist eine enorme Einbuße an Lebensqualität. Umso wichtiger ist eine gezielte Behandlung, die die Schmerzspirale unterbricht.

Etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Angaben der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. unter chronischen oder immer wiederkehrenden Schmerzen - das ist immerhin ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung. Bei sechs bis acht Millionen sind die Schmerzen so ausgeprägt, dass ihr Leben dadurch stark beeinträchtigt ist. Etwa einer von zehn Betroffenen - also ein bis zwei Millionen - hat sogar so genannte "problematische" Schmerzzustände. Bei ihnen ist der Schmerz, unabhängig von seinem eigentlichen Auslöser, zu einer eigenständigen Erkrankung geworden.

Wie entstehen chronische Schmerzen?

Die biologischen Ursachen, die dem akuten Schmerz, aber auch seiner Chronifizierung zu Grunde liegen, sind inzwischen dank großer Fortschritte in der Grundlagenforschung gut bekannt. In all unseren Geweben und Organen befinden sich Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren), die normalerweise inaktiv sind, aber auf Verletzungen, Druck, Hitze oder chemische Reize reagieren. Als dünne, weit verzweigte Endigungen von langen Nervenzellen leiten sie ihre warnenden Impulse bis hin zum Rückenmark.

Hier werden die Impulse auf andere Nervenzellen umgeschaltet. So gelangen sie ins Gehirn und damit ins Bewusstsein. Generell gilt: Je stärker der Reiz, desto mehr Nozizeptoren werden gereizt, desto größer der Schmerz. Der Körper reagiert auf die Impulse vielfältig. Der Blutdruck steigt und Hormone werden ausgeschüttet. Außerdem schickt das Gehirn seinerseits Signale ins Rückenmark zurück, um die Schmerzen zu dämpfen - es aktiviert das körpereigene Opiat-System, die Endorphine.

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All dies ermöglicht beispielsweise in Gefahrensituationen trotz Verletzungen die Flucht. Nach einiger Zeit lässt die körpereigene Schmerzkontrolle allerdings nach, der akute Schmerz fordert den Körper auf, sich zu schonen.

Dauerhafte Schmerzen brennen sich ein

Halten diese Schmerzreize über längere Zeit an, beispielsweise weil die ursächliche Erkrankung nicht heilt oder der Schmerz nicht rechtzeitig und ausreichend behandelt wurde, stellt sich der Körper auf fatale Weise hierauf ein: Es kommt auf molekularer Ebene in allen Bereichen des Schmerzsystems zu sehr komplexen Veränderungen, die letztendlich dazu führen, dass ein Schmerzgedächtnis und eine Überempfindlichkeit entsteht. Dieser Prozess kann so weit gehen, dass sich der Schmerz völlig verselbstständigt und bestehen bleibt, selbst wenn die eigentliche Ursache verschwunden ist.

Bei der Chronifizierung spielen viele Faktoren eine Rolle

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Neben diesen physiologischen Vorgängen spielen bei dem Chronifizierungsprozess jedoch auch genetische, psychische, somatische, soziale und so genannte iatrogene Faktoren eine Rolle.

Die genetische Veranlagung hat beispielsweise einen Einfluss darauf, wie ausgeprägt die körpereigene Schmerzhemmung ist. Außerdem verzahnt das Gehirn durch komplexe Reaktionen den Schmerzimpuls der Nerven mit individuellen Gefühlen, Einstellungen, Erfahrungen, Vorstellungen und Denkweisen. Dementsprechend ist das Risiko einer Chronifizierung von Schmerzen beispielsweise größer, wenn Menschen auf ihn mit Depressivität und Hilflosigkeit reagieren bzw. aus Angst schmerzhafte Bewegungen unterlassen.

Ein typischer somatischer Risikofaktoren war darüber hinaus früher die körperliche Schwerstarbeit. Heute hingegen wirkt sich häufiger die ständige Unterforderung von Muskeln und Knochen durch eine bewegungsarme Lebensweise negativ aus.

Zu den sozialen Faktoren gehört beispielsweise sozialer Stress. Aber auch eine positiv empfundene, vermehrte Zuwendung durch Familienmitglieder kann dazu beitragen, dass die Ursache dieser Aufmerksamkeit - die Schmerzen - bestehen bleibt. Bei den iatrogenen Faktoren handelt es sich schließlich um falsche Empfehlungen von Ärzten: Wenn diese zum Beispiel unangemessene Operationen durchführen, Schmerzen nur unzureichend kontrollieren, den Patienten dauerhaft zur Bettruhe und schonendem Verhalten auffordern oder bei ihm eine passive Rolle im Genesungsprozess unterstützen.

Chronische Schmerzen: Vom Rücken- bis zum Kopfschmerz

Prof. Dr. med. Manfred Zimmermann vom Neuroscience and Pain Research Institute in Heidelberg nennt folgende Schmerzsyndrome, für die eine derartige multifaktorielle Chronifizierung als Ursache inzwischen bekannt ist: Rückenschmerzen, Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) und Kopfschmerzen. Beim Kopfschmerz lassen sich nach seinen Angaben sogar bereits im Kindesalter entscheidende Schritte einleiten, die zu einer Vermeidung der Chronifizierung beitragen können.

Chronische Schmerzen haben vielfältige Folgen

Die Folgen der Schmerzen sind sowohl für den Betroffenen als auch für die Gesellschaft enorm. Denn chronische Schmerzen führen zu teilweise erheblichen Behinderungen, die nicht nur individuelles Leiden auslösen und die Lebensqualität einschränken, sondern einen Einfluss auf viele Bereiche des Lebens haben. So sind die Schmerzen beispielsweise nach Angaben von Prof. Dr. med. Manfred Zimmermann, Neuroscience and Pain Research Institute, Heidelberg, in allen Industrienationen der wichtigste Grund für Fehlzeiten am Arbeitsplatz, Krankschreibungen und Frühberentungen.

Überträgt man eine Studie aus den USA auf deutsche Verhältnisse, so ergeben sich laut Zimmermann pro Jahr mindestens 220 Millionen Tage, an denen auf Grund von Schmerzen nicht gearbeitet wird. Die Kosten allein für die bezahlten Vergütungsleistungen beziffern sich auf 20 Milliarden Euro jährlich. Hinzu kommen die Kosten der Rententräger für die schätzungsweise 630.000 Frührentner, die wegen Schmerzerkrankungen (vor allem unspezifischen Rückenleiden und einer speziellen Form des Rheumatismus, der Fibromyalgie) nicht mehr arbeiten können: Sie belaufen sich auf etwa acht Milliarden Euro jährlich. Schließlich liegen die Ausgaben für die ambulante und stationäre Behandlung der Betroffenen bei jährlich etwa zehn Milliarden Euro.

Gezielte und frühzeitige Schmerzbehandlung

Werden Schmerzen nicht schnell und ausreichend gelindert, trägt dies zum Beginn bzw. zum weiteren Fortschreiten eines Chronifizierungsprozesses bei. Und je weiter dieser Prozess fortschreitet, desto schwerer wird eine erfolgreiche Therapie.

Da bei der Chronifizierung der Schmerzen so viele Faktoren eine Rolle spielen, müssen nach heutiger Erkenntnis auch bei ihrer Behandlung sehr unterschiedliche, auf die Erkrankung und den Patienten abgestimmte Methoden zum Einsatz kommen Schmerzbehandlung. Hierzu gehören neben einer angemessenen Medikamentöse Schmerztherapie auch Möglichkeiten der nicht-medikamentöse Schmerztherapie Maßnahmen wie Akupunktur , TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation), Biofeedback oder progressive Muskelentspannung. Darüber hinaus kann auch mit Maßnahmen aus dem Bereich der und der  Psychotherapie bei Schmerzen viel erreicht werden.

Die richtige Anlaufstelle bei Schmerzen

In Deutschland stehen laut der Deutschen Schmerzliga inzwischen etwa 500 Schwerpunktpraxen, Schmerzambulanzen und spezielle Abteilungen an Kliniken zur Verfügung, die moderne Behandlungsprogramme anbieten. Wer dennoch unsicher ist, kann sich als erste Anlaufstelle auch immer an den eigenen Hausarzt wenden und um eine entsprechende Überweisung an einen Experten bitten.

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 09. Oktober 2014
Quellen: Zimmermann M: Der Chronische Schmerz - Epidemiologie und Versorgung in Deutschland. Orthopäde 2004;33:508-14.

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