Bisphosphonat-Therapie: Zahnimplantate auch für Risikopatienten?
Patienten mit Rheuma haben aufgrund ihrer Erkrankung und ggf. auch aufgrund ihrer Therapie (z.B. mit Kortison) ein erhöhtes Osteoporose-Risiko. Eine Behandlung mit Bisphosphonaten kann den Knochenschwund bremsen. Sie birgt jedoch in seltenen Fällen das Risiko von Nekrosen des Kieferknochens. Patienten sollten daher auf eine gute Mundhygiene achten. Bei Zahnbehandlungen können zudem spezielle Techniken sinnvoll sein.
Werden Patienten wegen Knochenmetastasen oder Osteoporose mit Bisphosphonaten behandelt, kann in seltenen Fällen eine Nekrose des Kieferknochens auftreten. Darunter versteht man einen Untergang von Knochengewebe. Eine Komplikation die oft schwer zu behandeln ist und schlecht heilt.
Bei einem Teil der Betroffenen waren die Nekrosen während einer Bisphosphonat-Therapie in Verbindung mit zahnärztlichen oder kieferchirurgischen Eingriffen aufgetreten. Zu weiteren Faktoren, die bei der Entstehung eine Rolle spielen können, gehören entzündliche Zahnfleischerkrankungen, eine schlechte Mundhygiene und die Behandlung mit anderen Medikamenten. Nach Angaben von Experten auf dem 20. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie in München, gibt es zu dieser Problematik jedoch noch zu wenig gesichertes Wissen.
Wie sie fortführen, scheint das Risiko vor allem bei Patienten erhöht zu sein, die wegen einer Tumorerkrankung über längere Zeit höhere Dosen Bisphosphonate intravenös erhalten.
Aufgrund fehlender Studien gäbe es im Augenblick noch keine ausreichend überprüften Leitlinien für die zahnärztliche Versorgung dieser Patienten, erklärt Prof. Dr. Knut A. Grötz von der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie der Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. Bis dahin, so Grötz, müssten Zahnarzt und Patient vor allem bei einer geplanten Versorgung mit Implantaten das individuelle Risiko, so gut es geht, abschätzen.
"Bei Tumorpatienten muss das Risikoprofil sehr genau bestimmt werden", betont Grötz. Dazu gehört vor allem die Erhebung der Medikation, anderer Erkrankungen und der Mundhygiene. Osteoporose-Patienten hingegen, die - anders als Tumorpatienten - Bisphosphonate in geringeren Dosen in Form von Tabletten einnehmen, sind seltener betroffen: So registrierten die Experten unter den - weltweit - Millionen Osteoporose-Patienten mit Bisphosphonat-Therapie bis heute weniger als 50 Fälle einer Kieferknochen-Nekrose.
Grötz beurteilt deshalb die Situation bei Osteoporose-Kranken deutlich weniger kritisch als bei den Tumorpatienten. Wenn keine anderen Erkrankungen - wie etwa ein Diabetes - vorliegen und die Mundhygiene stimmt, sieht er vertretbare Voraussetzungen für eine Implantation.
Doch auch in diesen Fällen müssen laut Grötz spezielle OP-Techniken eingesetzt werden. So darf die Wunde beispielsweise nicht offen heilen, sondern muss mit Schleimhaut gedeckt werden. Darüber hinaus rät er, vor Beginn der Bisphosphonat-Therapie zu einer zahnmedizinischen Prophylaxe: Die Patienten sollten klinisch und röntgenologisch untersucht und entzündliche Prozesse an der Mundschleimhaut und im Kieferbereich behandelt werden. Zudem sollte der Zahnarzt den Sitz von Prothesen kontrollieren, damit keine Druckstellen entstehen.
