Welche Ernährung ist richtig für mein Kind?
Erkrankt ein Kind an entzündlichem Rheuma, erhalten Eltern häufig eine Vielzahl von Ernährungstipps aus der Umgebung. Was hilft und was nicht? Eine Kinderrheumatologin gibt Antworten.
Der Sinn oder Unsinn solcher Diäten ist bislang allerdings oft nur in der Anwendung bei Erwachsenen untersucht worden und auch dort manchmal wenig aussagekräftig. Entsprechend schlecht ist die wissenschaftliche Erkenntnislage, zumal Kinder alleine aufgrund ihres Körperwachstums einen von Erwachsenen verschiedenen Nährstoffbedarf haben. Zudem sind viele Kinder mit einer juvenilen idiopathischen Arthritis auf Grund ihrer Erkrankung eher mangel- oder unterernährt. Laut Frau Dr. Verena Miller vom Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie in Garmisch-Partenkirchen sind deshalb Fastenkuren bei Kindern und Jugendlichen - anders als bei manchem Erwachsenen - nicht angezeigt.
An Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis, von Apothekern, Heilpraktikern oder aus der Familie mangelt es oft nicht. Nach einer Untersuchung australischer Wissenschaftler erhalten etwa 40 Prozent aller Kinder mit entzündlichem Rheuma spezielle Diäten oder Nahrungsergänzungsmittel - oftmals ohne dass die behandelnden Ärzte etwas von diesen Maßnahmen erfahren.
Bei Kindern mit entzündlichem Rheuma (juvenile idiopathische Arthritis), die zeitgleich an Untergewicht und Magen-Darm-Beschwerden leiden, empfiehlt Miller darüber hinaus, auf eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) zu untersuchen, weil diese Störung bei Kindern mit Rheuma im Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung gehäuft vorkommt. Gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit und den rheumatischen Beschwerden, sollten auch diese untersucht werden. Miller geht jedoch davon aus, dass von dieser Kombination nur seltene Einzelfälle betroffen sind.
Zur allgemeinen Ernährung empfiehlt Miller eine optimierte Mischkost wie für gesunde Kinder, die jedoch vor allem fettreiche Fleischmahlzeiten etwas reduziert und den Fischkonsum etwas erhöht. Auch die Zubereitung der Speisen mit Raps-, Lein-, Weizenkeim- und Sojaöl sei ratsam. Denn Fleisch - vor allem wenn es fettreich ist - enthält viel Arachidonsäure, die entzündliche Prozesse im Körper fördert. Fisch ist hingegen reich an Eicosapentaensäure und die genannten Öle an Alpha-Linolensäure - zwei Omega-3-Fettsäuren, die als Gegenspieler von Arachidonsäure gelten und daher die entzündlichen Prozesse eher unterdrücken. Nach Angaben von Miller sollten die Kinder pro Woche maximal zwei bis drei Mahlzeiten mit fettarmem Fleisch erhalten. Fettreduzierte Milchprodukte können hingegen reichlich konsumiert werden, auch 2-3 Eier pro Woche sind erlaubt. Darüber hinaus empfiehlt sie zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Alternativ ist die Einnahme von Fischöl möglich. Diese Nahrungsergänzung sollte mit etwa 13-20 mg/kg Körpergewicht Eicosapentaensäure am Tag beginnen.
Außerdem sollte laut Miller auf die ausreichende Zufuhr von Kalzium (fettarme Milchprodukte, grünes Gemüse, angereicherte Fruchtsäfte oder Mineralwässer), Vitamin D (Aufenthalt im Freien) geachtet bzw. bei nachweisbarem Mangel ggf. entsprechend ergänzt werden.
Bei und Antioxidantien wie Vitamin E und Selen empfiehlt sie hingegen keine spezifische Nahrungsergänzung. Hier gebe es bislang zu wenig belastbare Studien die einen Nutzen tatsächlich nachweisen. Sie rät aber dazu, auf eine entsprechende Zufuhr mit der Ernährung zu achten. Auch bei Vitamin C, Zink und sekundären Pflanzenstoffen hält Miller eine zusätzliche Supplementierung nicht für erforderlich.
