Bedarf an Antirheumatika steigt

Rauchen für Rheuma-Patienten besonders schädlich

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Die Gelenkdestruktion durch Rheuma scheint das Rauchen zu verstärken.
(c) Stockbyte

Nichtrauchen lohnt sich! Denn Raucher mit rheumatoider Arthritis haben offenbar einen höheren Bedarf an Basistherapeutika und Biologics als ihre nichtrauchenden Mitpatienten.

Eine aktuelle Studie des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums in Berlin bestätigt nun erneut bereits vorliegende Untersuchungsergebnisse, nach denen Rauchen für Rheuma-Patienten besonders schädlich ist. Die Arbeitsgruppe um Frau Professor Zink untersuchte zusammen mit Mitarbeitern des evangelischen Fachkrankenhauses Ratingen bei rund 900 Patienten mit einer frühen rheumatoiden Arthritis (RA) den Einfluss des Zigarettenkonsums insbesondere auf die Krankheitsaktivität, den Bedarf an Medikamenten und die röntgenologisch erkennbaren Gelenkschäden.

Bei immerhin der Hälfte aller Teilnehmer handelte es sich um "echte" Nichtraucher, also um Menschen, die in ihrem bisherigen Leben zu keinem Zeitpunkt geraucht hatten. 23 Prozent hatten in der Vergangenheit geraucht und das Rauchen mittlerweile eingestellt, 27 Prozent waren aktive Raucher. Bei den aktiven Rauchern ließen sich mit 71 Prozent bedeutend häufiger Rheumafaktoren (RF) im Blut nachweisen als bei Patienten, die in der Vergangenheit (66 Prozent) oder niemals (53 Prozent) geraucht hatten.

Allerdings zeigten weder RF-positive noch RF-negative Raucher eine höhere Krankheitsaktivität (gemessen anhand des DAS-28) oder eine ausgeprägtere Gelenkzerstörung im Röntgenbild als dies bei Nichtrauchern oder ehemaligen Rauchern der Fall war.

Innerhalb des Studienzeitraums von drei Jahren benötigten Raucher jedoch bedeutend mehr klassische Basistherapeutika (DMARDs) oder Biologics. Zudem bestand bei ihnen ein erhöhter Bedarf an DMARD-Kombinationstherapien. Dennoch erzielten Nichtraucher und Menschen, die höchstens 20 Jahre täglich 20 Zigaretten konsumiert hatten, mit einer doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit eine Besserung ihrer Erkrankung nach den ACR-20 Kriterien (s. Glossar) als stärkere Raucher.

Der erhöhte Gebrauch von DMARDs könnte nach Ansicht der Studienautoren deshalb darauf hinweisen, dass Rauchen die Stärke der krankheitskontrollierenden Antirheumatika abschwächt und/oder die Kontrolle einer erhöhten Krankheitsaktivität notwendig ist. Da das Risiko unerwünschter Ereignisse mit der Menge der eingesetzten Arzneimittel ansteigt, sehen sie hierin einen zusätzlichen Grund, warum RA-Patienten auf das Rauchen verzichten sollten.

Glossar

Besserung nach ACR-20 Kriterien: Bezeichnet eine Minderung von RA-typischen Krankheitsbeschwerden um 20 Prozent anhand einer vom "American College of Rheumathology" entwickelten Mess-Skala. Erfasst werden

  • die Zahl der druckschmerzhaften Gelenke und
  • die Zahl der geschwollenen Gelenke
  • Schmerzeinschätzung des Patienten
  • Subjektive Einschätzung der allgemeinen Krankheitsaktivität durch den Patienten
  • Einschätzung der allgemeinen Krankheitsaktivität durch den Arzt
  • Subjektive Einschätzung der physischen Funktionen durch den Patienten
  • Untersuchung der "Akute-Phase-Parameter" wie Blutsenkungsgeschwindigkeit und C-reaktives Protein (als Maß für die Entzündungsaktivität)

Autor: Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 21. Oktober 2010
Quellen: Westhoff, G. et al.: Rheumatoid arthritis patients who smoke have a higher need for DMARDs and feel worse, but they do not have more joint damage than non-smokers of the same serological group. Rheumatology 2008, 47:849-54.

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