Schwangerschaft sorgfältig planen
Kinderwunsch: Rheuma kein Hindernis
Dank der Fortschritte in der medikamentösen Therapie können Patientinnen mit rheumatoider Arthritis heute ebenso häufig Mutter werden wie gesunde Frauen.
Dank der Fortschritte in der medikamentösen Therapie können Patientinnen mit rheumatoider Arthritis heute ebenso häufig Mutter werden wie gesunde Frauen. Viele der betroffenen Patientinnen haben verständlicherweise dennoch Bedenken: Welche Gefahr besteht für das Kind und welchen Einfluss wird die Schwangerschaft auf die Erkrankung haben? Zwei renommierte Expertinnen geben einen Überblick über den aktuellen Wissensstand.
Wie Frau Prof. Dr. Erika Gromnica-Ihle, die eine Rheumapraxis in Berlin führt, und ihre Kollegin Frau Prof. Dr. Monika Østensen vom Inselspital Bern, Schweiz, in einem Übersichtsartikel erläutern, ist die Fruchtbarkeit bei Patientinnen mit rheumatoider Arthritis (RA) nicht wesentlich beeinflusst. Es dauert allerdings länger, bis sie schwanger werden: So ergab eine Studie, dass Frauen mit RA in 42 Prozent der Fälle ein Jahr und länger ungeschützten Verkehr ausüben mussten, um schwanger zu werden. Bei Frauen ohne RA traf dies nur auf 30 Prozent der Paare zu.
Für Frauen mit Kinderwunsch ist natürlich die Frage von Interesse, wie sich die Krankheit während der Schwangerschaft entwickeln wird. Dies wurde in zahlreichen Studien untersucht: Zwei qualitativ hochwertige Untersuchungen ergaben einen positiven Einfluss der Schwangerschaft auf die Krankheitsaktivität. In der erste Studie waren 95 Schwangere mit RA im letzten Schwangerschaftsdrittel und bis sechs Monate nach der Entbindung beobachtet worden. Die Autoren wiesen zwar auf die große Variabilität der Krankheitsverläufe während der Schwangerschaft hin, doch immerhin bei 16 Prozent der Patientinnen bildeten sich die Symptome vollständig zurück. In der zweiten Studie stellte sich bei sieben von insgesamt neun Schwangeren mit RA eine deutliche Reduktion der Krankheitsaktivität ein.
Nach Angaben von Gromnica-Ihle und Østensen beginnt der Rückgang der RA-Aktivität bei den meisten Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel. Diese Tendenz kann im Verlauf der Schwangerschaft noch weiter zunehmen. Nach der Entbindung ist dann allerdings bei 90 Prozent der Frauen mit einem erneuten Krankheitsschub zu rechnen. Weiterhin unklar ist, ob - neben anderen Faktoren - auch das Stillen mit dieser Beobachtung in einem Zusammenhang steht. Angesichts des aktuellen Kenntnisstandes raten Gromnica-Ihle und Østensen den Frauen vom Stillen dennoch nicht ab - es sei denn, eine notwendige medikamentöse Behandlung spricht dagegen.
Ob eine Schwangerschaft sich auch auf die extraartikulären (gelenkfernen) Symptome der RA auswirkt, wurde bislang noch nicht untersucht. Die genauen Mechanismen, die zum Nachlassen der Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft führen, sind derzeit ebenfalls noch weitgehend unbekannt. Vermutlich werden jedoch spezielle Immunzellen und entzündliche Faktoren herunterreguliert, die bei der rheumatoiden Arthritis eine wichtige Rolle spielen. Auch die Veränderungen der Geschlechtshormone und Kortikosteroide könnten von Bedeutung sein.
Die kindliche Entwicklung läuft laut Gromnica-Ihle und Østensen ungestört, das Risiko kindlicher Missbildungen ist nicht erhöht. In einer großen Untersuchung aus Großbritannien war zwar das Geburtsgewicht von Kindern erniedrigt, deren Mütter während der Schwangerschaft eine aktive RA hatten. Wiesen die RA-Patientinnen in dieser Zeit hingegen eine geringe Krankheitsaktivität auf, ließ sich beim Geburtsgewicht kein Unterschied zu Kindern von gesunden Müttern finden.
Wie die beiden Expertinnen hervorheben, kommt es bei Schwangerschaften von Rheumatikerinnen jedoch häufiger zu Gestosen (Stoffwechselstörung in der Schwangerschaft), Frühgeburten und Schnittentbindungen. Um drohende Komplikationen bei Mutter und Kind rechtzeitig abwehren zu können, ist deshalb immer auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen und Geburtshelfern notwendig.
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