Neue Therapie gegen schweres Rheuma

Rheuma: Neustart fürs Immunsystem

Menschen mit entzündlichem Rheuma müssen meist ihr Leben lang Medikamente nehmen. Heilung gibt es bislang keine. Zudem spricht etwa jeder dritte Rheumatiker nicht auf herkömmliche Therapien an. Deshalb beschreiten Berliner Forscher jetzt neue Wege: Mit einer Kombination aus Chemo- und Stammzelltherapie gelang es ihnen, Rheuma zu heilen.

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Mit einer Chemo- und anschließenden Stammzelltherapie lässt sich das Immunsystem von Rheumapatienten neu starten.
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Den neuen Therapieansatz gegen Rheuma erhielten in Deutschland schon gut 130 Patienten mit der Autoimmunerkrankung, in Europa wurde an mehr als 1500 Menschen eine Stammzelltransplantation durchgeführt. Bei bis zu zwei Drittel verbesserten sich die Rheumasymptome langfristig, die meisten waren besser behandelbar als vor der Transplantation. Vorgestellt wurden die Ergebnisse auf dem 41. Fachkongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).

Im Mittelpunkt steht bei dieser Therapieform die Neuprogrammierung des immunologischen Gedächtnisses. Bisherige Rheumamedikamente unterdrücken die fehlgeleitete Immunabwehr, die sich gegen den eigenen Körper wendet. In 30 Prozent der Fälle gelinge das nicht zufriedenstellend, wie Professor Falk Hiepe von der DGRh sagt. Die Ursache dafür sind langlebige Gedächtnisplasmazellen, die im Knochenmark eine Überlebensnische gefunden haben. Von dort aus produzieren sie ständig Autoantikörper nach, die den eigenen Körper attackieren.

Reboot für das Immunsystem der Rheumapatienten

„Mit einer hochdosierten Chemotherapie können wir diese Gedächtnisplasmazellen eliminieren“, sagt Hiepe, der als Oberarzt an der Berliner Charité arbeitet. Dabei wird das gesamte Gedächtnis der Immunzellen gelöscht. Der Patient ist als Nebenwirkung jedoch Infektionen hilflos ausgeliefert. Deshalb kombinieren Forscher die Behandlung mit einer Stammzelltherapie, die das Immunsystem neu aufbaut. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich nach Ausschaltung des fehlerhaften immunologischen Gedächtnisses ein gesundes Immunsystem entwickeln kann“, sagt der Experte. Die Patienten benötigten dann keine weitere Therapie gegen Rheuma.

Wegen der hohen Infektionsgefahr ist die neue Methode Rheumatikern vorbehalten, bei denen herkömmliche Therapien nicht wirken. Alternativ zu einer Chemotherapie testen Forscher bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eine Behandlung mit dem für Knochenmarkkrebs zugelassenen Wirkstoff Bortezomib. Allerdings zerstört dieser nur etwa 50 Prozent der Gedächtnisplasmazellen, die sich nach Absetzen des Medikaments rasch erneuern. Das Team um Hiepe sucht deshalb nach weiteren Wegen, die Plasmazellen effizient, aber zugleich selektiv zu zerstören.

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Letzte Aktualisierung: 23. September 2013
Quellen: Mitteilung vom Kongress der DGRh: http://dgrh-kongress.de/fileadmin/media/kongress/2013/20130902_Pressemitteilung_Stammzellentherapie.pdf

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