Biologics gegen Rheuma

Abatacept in der Rheuma-Therapie

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Close-up of doctor talking to mature patient
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Bei dem Biologic Abatacept handelt es sich um einen sogenannten selektiven Kostimulations-Blocker. Der Wirkstoff schwächt die Aktivierung von T-Lymphozyten und hemmt dadurch u. a. die zur Zerstörung von Gelenken führenden Entzündungsvorgänge bei der rheumatoiden Arthritis.

Abatacept ist ein Eiweiß, das mittels moderner biotechnologischer Methoden aus Eierstockzellen des Chinesischen Hamsters gewonnen wird. Es wird als Infusion in Kombination mit Methotrexat verabreicht, wenn verschiedene andere Medikamente, einschließlich mindestens eines Tumornekrosefaktor-Hemmers, nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden.

Wirkweise von Abatacept

T-Lymphozyten spielen bei der Steuerung von zellulären und humoralen Abwehrvorgängen des Immunsystems eine wichtige Rolle. Zur vollständigen Aktivierung dieser Zellen ist neben der Erkennung von Antigenen ein zweites sogenanntes kostimulierendes Signal notwendig. Abatacept hemmt die Auslösung dieses Signals und beeinflusst auf diesem Weg die Funktion des Abwehrsystems. Nach Gabe von Abatacept kommt es deshalb u. a. zu einer verminderten Ausschüttung von an Entzündungen beteiligten Botenstoffen (Zytokine) wie Tumornekrosefaktor-Alpha (TNF-alpha), Interferon-Gamma (INF-gamma) und Interleukin-2 (IL-2).

In Studien führte Abatacept bei Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis, die zuvor auf eine intensive antirheumatische Therapie nicht ausreichend angesprochen hatten, zu einem deutlichen Rückgang typischer Beschwerden wie Druckschmerzhaftigkeit und Schwellungen von Gelenken. Neben einer verbesserten körperliche Beweglichkeit und Vitalität kam es langfristig auch zu einer Besserung von Schlafstörungen und schweren Erschöpfungszuständen (Fatigue). Röntgenuntersuchungen zeigten, dass das Fortschreiten bestehender Gelenkschäden aufgehalten werden konnte.

Einsatzbereich von Abatacept

Seit Mitte 2007 darf Abatacept in Kombination mit Methotrexat deshalb bei Erwachsenen mit mäßiger bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis eingesetzt werden, die zuvor nur unzureichend auf andere krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs), einschließlich mindestens eines TNF-Blockers, ansprachen oder diese nicht vertrugen.

Abatacept wird als Infusion über eine Vene verabreicht. Nach der ersten Anwendung wird die Gabe in der Regel nach zwei und vier Wochen wiederholt, anschließend alle vier Wochen. Die Behandlung sollte von einem Facharzt für Rheumatologie durchgeführt werden.

Bei Kindern und Jugendlichen wird die Anwendung von Abatacept derzeit nicht empfohlen, da noch keine ausreichenden Erfahrungswerte zu Wirksamkeit und eventuellen Nebenwirkungen vorliegen.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen der Behandlung sind Kopfschmerzen und Übelkeit. Außerdem kann Abatacept die Immunabwehr gegen Krankheitserreger schwächen. So wurden in Studien, verglichen mit einem Scheinmedikament (Placebo), etwas häufiger Infektionen insbesondere der Harn- und Atemwege beobachtet. Bei Patienten, die an einer aktiven Infektion leiden, sollte deshalb erst dann eine Abatacept-Therapie eingeleitet werden, wenn die Infektion ausreichend behandelt worden ist. Als ungünstig erwies sich die Kombination von Abatacept mit TNF-Blockern. Hier kam es deutlich häufiger zu Infektionen, weshalb die gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen wird.

Patienten, die an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung leiden (COPD), haben laut einer Studie möglicherweise insgesamt ein höheres Risiko für das Auftreten von unerwünschten Arzneimittelreaktionen. Bei ihnen ist deshalb eine besonders sorgfältige Kontrolle von Wirkung und Verträglichkeit sinnvoll.

Ob Abatacept aufgrund seiner Wirkung auf das Immunsystem auch die Entstehung von Krebserkrankungen begünstigt, kann derzeit nicht abschließend beurteilt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Zur Zeit liegen keine ausreichenden Daten für die Wirkung von Abatacept bei Schwangeren vor. Eine Anwendung während der Schwangerschaft ist deshalb nicht erlaubt. Frauen im gebärfähigen Alter sollten im Behandlungszeitraum und bis zu 14 Wochen nach der letzten Dosis zuverlässige Verhütungsmethoden anwenden. Da nicht bekannt ist, ob der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, wird Frauen während der Therapiezeit und bis zu 14 Wochen nach der letzten Dosis vom Stillen abgeraten.

Impfungen

Impfungen mit Lebendimpfstoffen dürfen nicht gleichzeitig mit Abatacept oder innerhalb von drei Monaten nach dessen Absetzen durchgeführt werden. Es ist nicht hinreichend bekannt, wie sich Impfungen bei Patienten auswirken, die mit Abatacept behandelt werden. Umgekehrt können Arzneimittel, die wie Abatacept das Immunsystem beeinflussen, die Wirksamkeit von Impfungen herabsetzen.

Autor: Springer Medizin
Veröffentlicht am: 06. Februar 2012
Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2012
Quellen: Kremer, J. et al.: Efficacy and Safety of the Selective Co-stimulation Modulator Abatacept with Methotrexate for Treating Rheumatoid Arthritis: 1-year Clinical and Radiographic Results from the Phase III AIM (Abatacept in Inadequate responders to Methotrexate) sowie Genovese, M. et al.: Efficacy and Safety of Abatacept (CTLA4Ig), a Selective Co-stimulation Modulator, in Rheumatoid Arthritis Patients Not Responding Adequately to Anti-TNF-a Therapy: Results of the Phase III ATTAIN (Abatacept Trial in Treatment of Anti-TNF Inadequate responders). Präsentation anlässlich der Jahrestagung des American College of Rheumatology 2004; Rieger, HJ. et al.: Zur Sicherheit von Abatacept bei Patienten mit aktiver Rheumatoider Arthritis und unzureichendem Ansprechen auf eine anti-TNF-Therapie: Ergebnisse der ARRIVE Studie sowie Schwarz, A. et al.: Abatacept reduziert über den Zeitraum von 2 Jahren Fatigue, Schmerz und Schlafstörungen bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis: Ergebnisse der Studien AIM und ATTAIN. Präsentation auf dem 35. Kongress der DGRh und 21. Jahrestagung der ARO 2007; Fachinformation Abatacept, Stand Mai 2007

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