Vorsorge und Behandlung

Prostatakrebs und Blasenschwäche

Prostatakrebs und Inkontinenz
Auch bei Inkontinenz sollte man nicht weniger trinken.

Früher war sie meist ein Tabuthema, aber heute sollte eine Blasenschwäche – relativ häufige Folge einer Behandlung des Prostatakarzinoms – nicht mehr zur sozialen Isolierung des betroffenen Patienten führen. Sie bildet sich in den meisten Fällen mit der Zeit zurück, und auch in den anderen Fällen gibt es mittlerweile ausgezeichnete Behandlungsmöglichkeiten.

Blasenschwäche ist heute kein Tabu-Thema mehr. Nach einer Prostata-Operation, selten auch nach Strahlentherapie, kann es bei manchen Patienten auch zu ungewolltem Harnverlust kommen. Verständlich wird das sofort, wenn man weiß, dass der Verschluss der männlichen Harnröhre durch zwei Schließmuskeln bewerkstelligt wird, einen inneren und einen äußeren. Weil der innere Schließmuskel auf Höhe der Prostata liegt, geht er mit deren Entfernung zwangsläufig auch verloren.

Inkontinenz-Vorsorge: Beckenbodentraining ist hilfreich

Ist nur der innere Schließmuskel zerstört, so muss der äußere dessen Funktion mit übernehmen. Das ist vor allem eine Frage des Trainings und damit der Zeit. Zu Beginn kann es bei Druck auf die Blase, beispielsweise bei Lachen, Husten, Pressen oder Tragen schwerer Lasten, zu einem unwillkürlichen Harnabgang kommen. Diese Art von Blasenschwäche wird auch als Belastungs- oder Stressinkontinenz bezeichnet. Um den Verschlussmechanismus zu verbessern, empfiehlt sich die konsequente Anwendung von Beckenbodengymnastik: Die Muskulatur des Beckenbodens kann nämlich Drucksteigerungen im Becken gleichmäßig auf Blase und Harnröhre verteilen; ist sie zu schwach, so ist der Druck auf die Blase größer als der auf die Harnröhre, und es kommt zum Harnabgang. Die Anpassung kann zwischen sechs und zwölf Wochen dauern, bei Patienten, die vorher bereits an einer gutartigen Prostatavergrößerung gelitten haben, ist der Fortschritt langsamer.

Elektrostimulation der Schließmuskulatur

Unterstützen kann man die Beckenbodengymnastik im Übrigen durch Elektrostimulation; das dafür erforderliche Gerät kann der Arzt für begrenzte Zeit verschreiben. Solange keine vollständige Kontinenz erreicht ist, empfiehlt sich das Tragen von Vorlagen, die den Urin aufsaugen. Gute Vorlagen wirken außerdem antiseptisch und geruchshemmend und bieten damit hervorragende Sicherheit. Je nach Ausmaß des Urinverlusts sind sie in verschiedenen Größen erhältlich.

Bei mittelschwerer bis schwerer Blasenschwäche reichen Ein- oder Vorlagen oft nicht aus. Windelhosen bieten dann besseren Nässeschutz. Sie bestehen aus Vlies und sind mit einer undurchlässigen Außenschicht versehen. Wiederverschließbare Klebestreifen ermöglichen den Betroffenen, nicht bei jedem Einnässen die Windelhose wechseln zu müssen, wenn dazu keine Notwendigkeit besteht.

Eine gute Alternative zur herkömmlichen Windelhose sind Pants. Sie bestehen aus einer Kombination aus Hose und Einlage. Durch ihre textile Außenseite sehen sie praktisch aus wie eine normale Unterhose und lassen sich auch entsprechend an- und ausziehen. Pants sind je nach Saugstärke sowohl für leichte als auch für schwere Blasenschwäche geeignet.

Urinale und künstliche Schließmuskeln

Hatte sich der Tumor bis in den Bereich des äußeren Schließmuskels ausgedehnt, so kann dieser bei der Operation ebenfalls, zumindest teilweise, geschädigt werden. Wenn er nicht mehr funktionsfähig ist, kann mit natürlichen Mitteln keine Kontinenz erreicht werden. Neben dem Tragen von Urinalen, bei denen der Urin hygienisch und geruchsfrei in einem am Oberschenkel befestigten Behälter gesammelt wird, gibt es dann die Möglichkeit, einen künstlichen Schließmuskel einzupflanzen. Dieser besteht aus einer um die Harnröhre gelegten Manschette, die aus einem ebenfalls implantierten Flüssigkeitsreservoir mithilfe eines Pumpensystems nach Bedarf gefüllt (und damit verschlossen) oder geleert (und damit geöffnet) werden kann.

Wichtig bei der Behandlung von Inkontinenz: Flüssigkeitsaufnahme nicht einschränken

Eines sollte man bei Inkontinenz auf gar keinen Fall tun: die Flüssigkeitsaufnahme einschränken. Das führt nicht nur zur Austrocknung, die dem psychischen und körperlichen Wohlbefinden abträglich ist. Bei mangelnder Durchspülung drohen außerdem Infektionen der Harnwege, die die Blasenschwäche noch verschlimmern können.

Die Häufigkeit, mit der eine Blasenschwäche auftritt, hängt übrigens von der Erfahrung des Operateurs ab. Es empfiehlt sich also, dafür einen erfahrenen Urologen aufzusuchen, der diesen Eingriff routiniert durchführt.

Autor: Springer Medizin / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 12. Mai 2009

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