Stadium bestimmt Behandlung

Prostatakrebs-Stadien und ihre Behandlungsoptionen

Prostatakrebs-Stadien und ihre Behandlungsoptionen
Bei sehr alten Patienten bietet sich die "Watchful waiting"-Strategie an.
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Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs. Dementsprechend gibt es verschiedene Behandlungsoptionen, die sich nach dem jeweiligen Stadium des Prostatakrebses richten. Hier erhalten Sie eine umfangreiche Übersicht über die unterschiedlichen Stadien und ihre Behandlungsmöglichkeiten.

Der Arzt hat die Diagnose Prostatakrebs gestellt, nun muss die weitere Behandlung festgelegt werden. Welche Therapie infrage kommt, hängt im Wesentlichen vom Stadium und der Aggressivität des Tumors ab. Zudem spielen das Alter und die allgemeine Verfassung des Patienten eine Rolle.

Prostatakrebs: Stadium T1a

In diesem frühen Stadium von Prostatakrebs ist der Tumor noch sehr klein. Ist sein Gewebe gut bis mäßig differenziert, ähneln also die Krebszellen den Zellen des Ausgangsgewebes noch relativ stark, kann eine geringe Aggressivität des Tumors angenommen werden. Die Erkrankung schreitet in der Regel nur langsam voran.

  • Watchful waiting

Die Erfahrungen zeigen, dass eine Therapie insbesondere bei sehr alten Patienten nicht notwendig ist – sie würde nur zu unnötigen Nebenwirkungen führen und dadurch die Lebensqualität beeinträchtigen, ohne lebensverlängernd zu wirken. Aus diesem Grund bietet sich bei älteren Patienten die sogenannte „Watchful waiting“-Strategie, die „aktive Überwachung“ oder abwartende Strategie, an. Die Betroffenen gehen in regelmäßigen Abständen zur Untersuchung, dazu gehören Messungen des PSA-Wertes, Tastuntersuchungen der Prostata und eventuell die Entnahme von Gewebeproben aus der Prostata. Beginnt der Tumor zu wachsen, wird eine Behandlung begonnen.

  • Prostata Operation

Bei jungen Patienten, die noch eine hohe Lebenserwartung haben, besteht die Möglichkeit, besonders dann, wenn der Tumor wenig differenziert ist und zu aggressivem Wachstum neigt, die Prostata per Operation zu entfernen.

Prostatakrebs: Stadien T1b-T2b

Hierbei sind die Tumore zwar weiter ausgedehnt, aber noch auf die Prostata begrenzt.

  • Watchful waiting

Auch hier empfiehlt sich das Watchful waiting, also die aktive Überwachung bei alten Patienten, deren Lebenserwartung auf weniger als zehn Jahre geschätzt wird – vorausgesetzt, der Tumor verursacht keine Symptome und ist gut bis mäßig differenziert, also wenig aggressiv. Diese Strategie bietet sich außerdem bei Patienten an, die die Konsequenzen einer Operation oder Strahlentherapie ablehnen.

  • Prostata-Operation

Für Patienten, die mehr als zehn Jahre Lebenserwartung haben, ist die operative Entfernung der Prostata die Standardtherapie.

  • Strahlentherapie

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist in diesem Stadium die Strahlentherapie. Sie kommt vor allem bei Patienten infrage, denen beispielsweise aus medizinischen Gründen keine Operation zugemutet werden kann. Auch bei Patienten mit aggressivem Tumor und einer Lebenserwartung von fünf bis zehn Jahren, deren Allgemeinzustand etwa aufgrund weiterer Erkrankung nur mäßig ist, bietet sich die Bestrahlung an. Oft wird in diesen Fällen eine Kombination aus Hormon- und Strahlentherapie durchgeführt.

  • Hormontherapie

Eine Hormontherapie kann bei Patienten erfolgen, die unter Beschwerden leiden und bei denen aufgrund ihres Allgemeinbefindens eine Operation oder eine Strahlentherapie nicht möglich ist.

  • Kombinationstherapie

Bei schlecht differenzierten, also aggressiven Tumoren, die nicht operiert werden sollen, besteht die Möglichkeit, eine Bestrahlung mit einer zwei- bis dreijährigen Hormontherapie zu kombinieren.

Prostatakrebs: Stadien T3-T4

In diesen Stadien hat sich der Tumor bereits über die Prostata hinaus ausgebreitet und das umliegende Gewebe (T3) oder weiter entfernt liegende Organe (T4) erfasst.

  • Watchful waiting

Watchful waiting empfiehlt sich bei Patienten, die eine Lebenserwartung von weniger als zehn Jahren haben und deren Tumor gut bis mäßig differenziert ist – vorausgesetzt, sie haben keine Beschwerden.

  • Strahlentherapie

Die Strahlentherapie wird in der Regel bei Patienten mit einem Tumor im Stadium T3 von Prostatakrebs durchgeführt, deren Lebenserwartung größer als fünf bis zehn Jahre ist. Mitunter kommt auch eine Kombination mit einer Hormontherapie infrage.

  • Hormontherapie

Eine Hormontherapie kann bei Patienten durchgeführt werden, die Symptome aufweisen und einen hohen PSA-Wert haben. Selbst bei Patienten, die zusätzlich unter anderen schweren Erkrankungen leiden, hat sich die Hormontherapie gegenüber der aktiven Überwachung als bessere Option herausgestellt.

  • Kombinationstherapie

Eine Kombination aus Strahlen- und Hormontherapie scheint die Überlebensaussichten der Patienten mit Tumoren im Stadium T3 zu verbessern und wird deshalb als Alternative zur alleinigen Bestrahlung empfohlen.

  • Prostata-Operation

Bei jüngeren Patienten, bei denen die Tumorausdehnung noch relativ begrenzt ist und die einen niedrigen PSA-Wert aufweisen, kann eine Entfernung der Prostata per Operation erwogen werden.

Therapie beim Krankheitsrückfall

  • Nach Operation

Entwickelt sich trotz Entfernung der Prostata an der operierten Stelle der Tumor erneut (Rezidiv), kann eine Bestrahlung dieser Region erfolgen. Bei Patienten, bei denen eine größere Ausbreitung des Tumors vermutet wird, empfiehlt sich die aktive Überwachung und im Falle eines Voranschreitens der Erkrankung eine Hormontherapie.

  • Nach Strahlentherapie

In einzelnen Fällen wird bei einem Rezidiv nach Strahlentherapie eine operative Entfernung der Prostata angeboten. Bei einer solchen Salvage-Prostatektomie, d.h. die Prostataentfernung nach Bestrahlung, kann es allerdings vermehrt zu Komplikationen wie starken Blutungen kommen, da das Gewebe durch die vorangegangene Bestrahlung meist vernarbt ist. Deshalb wird den meisten Patienten eine aktive Überwachung und im Falle eines Voranschreitens der Erkrankung eine Hormontherapie empfohlen.

  • Wenn der Tumor nicht auf eine Hormontherapie reagiert

Fortgeschrittene Tumoren, die nicht auf eine Hormontherapie ansprechen, können mit einer Chemotherapie behandelt werden. Zur Behandlung von Tumorabsiedelungen in den Knochen, sogenannten Knochenmetastasen, können bestimmte Wirkstoffe, die sogenannten Bisphosphonate, eingesetzt werden. Auch eine Bestrahlung von Knochenmetastasen ist möglich. Durch Prostata Krebs bedingte Schmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln wirksam bekämpfen.

Autor: Kathrin Sommer / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 17. Juni 2009
Quellen: Nach Informationen von „Guidelines on Prostate Cancer“ der European Association of Urology (Eur Urol 2001;40(2):97-101; Eur Urol 2005;48(4):546-551; Eur Urol 2008;53(1):68-80)

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