Behandlungsarten
Chemotherapie bei Prostatakrebs
Eine Chemotherapie wirkt nicht so gut bei Prostatakrebs wie bei andere Krebsarten. Seit kurzer Zeit machen jedoch neue Substanzen diese Therapieform im fortgeschrittenen Stadium zu einer wirksamen Waffe, die Schmerzen lindern und das Leben verlängern kann.
Eine Chemotherapie bei Prostatakrebszielt darauf ab, Krebsgeschwulste zu verkleinern oder zu zerstören. Dazu werden sogenannte Zytostatika eingesetzt, die Krebszellen auf ganz unterschiedliche Weise angreifen und vernichten können. Sie verhindern beispielsweise die Zellteilung oder hemmen bestimmte Wachstumsvorgänge in den entarteten Zellen. Hierbei wird die Eigenschaft von Tumorzellen genutzt, dass diese sich viel häufiger teilen als normales Gewebe und damit besonders empfindlich für therapeutische Interventionen sind. Bei Prostatakrebs handelt es sich meistens jedoch um langsam wachsende Tumoren, bei denen andere Behandlungsstrategien wie Operation und Bestrahlung bessere Aussichten auf eine Heilung bieten als eine Chemotherapie.
Hoffnung für Patienten mit hormonresistentem Prostatakrebs
Bei der Behandlung im fortgeschrittenen, nicht mehr heilbaren Stadium – wenn es darum geht, Patienten ein möglichst langes Überleben bei guter Lebensqualität zu ermöglichen – gewinnt die Chemotherapie bei Prostatakrebs dank neuer, wirksamerer Substanzen jedoch einen immer größeren Stellenwert. Zu diesen neuen Medikamenten gehören unter anderem die sogenannten Taxane. Dabei handelt es sich um Zytostatika, die Mitte der neunziger Jahre in die Krebstherapie eingeführt wurden. Die Wirkstoffe wurden zuerst in Rinden oder Nadeln von Eiben gefunden, werden mittlerweile aber zum Teil halbsynthetisch hergestellt. Sie kommen momentan vor allem beim sogenannten hormonrefraktären bzw. hormonresistenten Prostatakrebs zum Einsatz. In diesem Stadium steigt der PSA-Wert trotz einer Androgenblockade, der Krebs schreite also trotz einer Hormonentzugstherapie weiter fort. Bei diesen Patienten führten Taxane in Studien zu einem eindeutigen Überlebensvorteil und einer Schmerzlinderung. Sie haben daher den bisherigen chemotherapeutischen Standard Mitoxantron plus Prednison abgelöst. Die Therapie wird in der Regel gut vertragen, sodass die Therapie in den meisten Fällen ambulant durchgeführt werden kann.
Neue Substanzen und Kombinationstherapien werden erprobt
Estramustin steht als weiteres Chemotherapeutikum beim fortgeschrittenen Prostatakrebs zur Verfügung. Es besteht aus einem Östrogenanteil und einem zytotoxischen, also zellabtötenden Anteil. Mittlerweile hat sich neben der alleinigen Estramustintherapie auch die Kombination von Estramustin mit einem Taxan beim hormonrefraktären Prostatakrebs bewährt. Derzeit werden in klinischen Prüfungen weitere Kombinationstherapien getestet, bei denen Taxane zum Beispiel mit Angiogenese-Hemmern (unterbinden die Blutzufuhr des Tumors) zusammen verabreicht werden. Sie scheinen noch besser zu wirken und gleichzeitig auch die Nebenwirkungsrate der Taxane zu senken. Damit ließe sich dann die Dauer der Therapie hinauszögern und der Krebs länger in Schach halten. Experten untersuchen weiterhin, ob es bei bestimmten Patienten sinnvoll wäre, schon früher als bisher mit einer Chemotherapie zu beginnen. Bei Hochrisikopatienten und Patienten mit steigendem PSA-Wert nach lokaler Therapie (PSA-Rezidiv) wird daher in klinischen Studien ein adjuvanter Einsatz der Chemotherapie untersucht. Das bedeutet, dass die Zytostatika nicht erst zum Einsatz kommen, wenn alle anderen Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind, sondern dass sie bereits zusammen mit einer Hormonentzugstherapie angewendet werden. Forschungsziel für die Zukunft wird es sein, die Effektivität einer Chemotherapie weiter zu verbessern, sie verträglicher zu machen und den besten Zeitpunkt für ihre Anwendung zu finden.
Chemotherapie bei Prostatakrebs – Chancen und Risiken gut abwägen
Trotz aller ermutigenden Ergebnisse müssen die Chancen und Risiken einer Chemotherapie bei Prostatakrebs immer individuell mit dem behandelnden Arzt abgewogen werden. Bei der Entscheidung dafür oder dagegen spielen auch der Allgemeinzustand und mögliche Begleiterkrankungen eine wichtige Rolle. Ob die Teilnahme an einer Studie sinnvoll ist, sollte ebenfalls zur Sprache kommen. Je nach Situation gibt es Alternativen zur Chemotherapie. Plagen den Patienten vor allem Knochenmetastasen, bieten sich eventuell auch die alleinige oder zusätzliche gezielte Bestrahlung und die Behandlung mit Bisphosphonaten an. Sie senken die Bruchgefahr der Knochen und mindern Knochenschmerzen. Ebenso sollte in jedem Fall eine Schmerztherapie begonnen werden, unabhängig davon, ob sich der Patient für eine Chemotherapie oder eine andere Therapie entscheidet.
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