Harninkontinenz – oft Folge von Prostatakrebs

Harninkontinenz kann eine Folge von Prostatakrebs bzw. dessen Therapie sein. Ist eine Behandlung des unwillkürlichen Urinverlusts nicht möglich, tragen Inkontinenzhilfen zur besseren Lebensqualität bei.

Prostatakrebs selbst, aber auch seine Behandlung durch eine Operation oder Strahlentherapie können zu vorübergehender oder dauerhafter Harninkontinenz führen. Obwohl der dabei auftretende unwillkürliche Urinverlust für die Betroffenen oft eine große Belastung darstellt, ist die Hemmschwelle, fachkundige Beratung bei einem Facharzt für Urologie oder einer Selbsthilfegruppe zu suchen, für viele nach wie vor sehr hoch.

Dabei kann Inkontinenz heute durch geeignete Therapien häufig gebessert oder sogar beseitigt werden. Doch auch andernfalls sind die Betroffenen ihrem Leid nicht hilflos ausgeliefert. Inkontinenzhilfen bieten eine hygienische Versorgungsmöglichkeit, die ein nahezu uneingeschränktes Leben ermöglicht. Zudem schützen sie vor Folgekrankheiten wie Hautreizungen, Rötungen und Infektionen.

Was sind Harninkontinenz-Hilfen?

Bei Harninkontinenz-Hilfen handelt es sich um harnaufsaugende oder harnauffangende Hilfsmittel wie Slipeinlagen, Pants, Windelhosen oder Kondom-Urinale. Die Auswahl der im Handel angebotenen Mittel ist groß. Die Betroffenen oder ihre Angehörigen sollten sich deshalb fachkundig beraten lassen, um die Harninkontinenz-Hilfe zu finden, die jeweils am besten geeignet ist. Sie sollte den Lebensalltag nicht einschränken, sondern unterstützen.

Eine wichtige Voraussetzung für ein freies, selbstbestimmtes Leben ist, dass die Betroffenen die Harninkontinenz-Hilfe selbstständig, ohne fremde Hilfe anwenden können. Weiterhin sollten die Mittel beim Tragen bequem und unauffällig sein, aber auch den ausgeschiedenen Urin schnell und sicher aufnehmen, sodass Geruchsbildung weitgehend vermieden wird. Um das zu gewährleisten, müssen die Mittel in ihrer Größe und Form zum einen dem Körperbau des Betroffenen und zum anderen der Ausscheidungsmenge und -häufigkeit angepasst sein.

Bei leichter bis mittelschwerer Inkontinenz: Einlagen

Bei leichter bis mittelschwerer Inkontinenz reichen oft schon Slipeinlagen und Vorlagen aus. Sie sind anatomisch geformt, wobei es unterschiedliche Formen für Männer und Frauen gibt, und können mit Klebestreifen an der Unterwäsche fixiert werden.

Ein elastischer Beinabschluss sorgt für bequemen Tragekomfort. Im Inneren bestehen die Ein- und Vorlagen aus Vlies mit einem geruchsbindenden Saugkern, nach außen haben sie eine undurchlässige Schicht. Im Handel sind verschiedene Größen und Saugstärken erhältlich.

Bei mittelschwerer bis schwerer Inkontinenz: Windelhosen

Bei mittelschwerer bis schwerer Inkontinenz reichen Ein- oder Vorlagen oft nicht aus. Windelhosen bieten dann besseren Nässeschutz. Sie bestehen aus Vlies und sind mit einer undurchlässigen Außenschicht versehen. Wiederverschließbare Klebestreifen ermöglichen den Betroffenen, nicht bei jedem Einnässen die Windelhose wechseln zu müssen, wenn dazu keine Notwendigkeit besteht.

Pants: Kombination aus Hose und Einlage

Eine gute Alternative zur herkömmlichen Windelhose sind Pants. Sie bestehen aus einer Kombination aus Hose und Einlage. Durch ihre textile Außenseite sehen sie praktisch aus wie eine normale Unterhose und lassen sich auch entsprechend an- und ausziehen. Pants sind je nach Saugstärke sowohl für leichte als auch für schwere Harninkontinenz geeignet.

Kondom-Urinale

Eine Alternative zu aufsaugenden Einlagen und Windeln stellen Kondom-Urinale dar. Sie sind besonders bei nächtlicher Inkontinenz gut geeignet. Kondom-Urinale bestehen aus Silikon oder Latex, wobei Betroffene mit einer Latex-Allergie möglichst ausschließlich Kondom-Urinale aus Silikon tragen sollten. Die Form ähnelt – wie der Name bereits sagt – einem Kondom mit einer Anschlussmöglichkeit für einen Schlauch.

Bei der Anwendung wird das Kondom-Urinal auf den Penis gerollt und mittels Hautkleber oder Haftstreifen befestigt. Auch selbstklebende Kondom-Urinale sind im Handel erhältlich. Über den Schlauch kann ein Beutel angeschlossen werden, in dem der Urin aufgefangen wird. Tagsüber werden ggf. Beinbeutel getragen, für die Nacht gibt es spezielle Bettbeutel.

Dauerkatheter

Zwar ist das Anlegen eines Dauerkatheters möglich, doch sollte dieser möglichst erst in Betracht gezogen werden, wenn die anderen Hilfsmittel nicht möglich sind. Denn die Gefahr von aufsteigenden Infektionen in die Harnblase und Nieren, die erhebliche Schäden nach sich ziehen können, ist groß. Oft lässt sich bereits nach wenigen Tagen eine Keimbesiedelung der Harnblase nachweisen.

Was zahlt die Kasse bei Harninkontinenz?

Harninkontinenz-Hilfen können ärztlich verordnet werden, sodass die gesetzliche Krankenkasse zahlt. Allerdings muss hinreichend begründet sein, dass der Einsatz medizinisch notwendig ist (etwa zur Vermeidung von Folgekrankheiten) und dem Betroffenen die Sicherung der Grundbedürfnisse ermöglicht (etwa die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben). Ein Einsatz zur Erleichterung hygienischer oder pflegerischer Maßnahmen reicht als Begründung für die Verordnung nicht aus. Darüber hinaus muss das verordnete Hilfsmittel in der Liste der von den Krankenkassen anerkannten Hilfsmittel aufgeführt sein.

Die gesetzliche Zuzahlung beträgt in der Regel zehn Prozent, wobei mindestens fünf und maximal zehn Euro vom Verbraucher getragen werden. Für die Erstattung der Beträge durch die Krankenkasse gibt es bundesweite Festbeträge. Sie legen die maximale Erstattungshöhe durch die Krankenversicherungen fest. Besteht eine Differenz zwischen Abgabepreis und Erstattungsbetrag, muss diese ggf. von dem Patienten bezahlt werden.

Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 08. April 2009
Quellen: Nach Informationen von Inkontinenz Selbsthilfe e.V., März 2009

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