Bösartiger Tumor der männlichen Vorsteherdrüse

Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Prostatakarzinom

Unter dem Begriff Prostatakrebs (Prostatakarzinom) versteht man einen bösartigen Tumor der Prostata, der männlichen Vorsteherdrüse. Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Männern.

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Die Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes und umgibt den Anfangsteil der männlichen Harnröhre. Sie ist für die Bildung eines Sekrets zuständig, das zusammen mit den Spermien bei einem Samenerguss abgegeben wird. Da sich die Prostata vor dem Enddarm befindet, kann sie vom Arzt im Rahmen einer rektalen Untersuchung mit dem Finger abgetastet und untersucht werden.

Häufigkeit von Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes überhaupt. Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkrankten 2010 in Deutschland etwa 65.800 Männer neu an einem Prostatakarzinom, rund 12.600 starben an dem bösartigen Tumor.

Die Erkrankungszahl ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Zurückführen lässt sich dies unter anderem auf eine intensive Prostatakrebs-Früherkennung. Das bedeutet, dass nicht unbedingt die Zahl der Erkrankungen angestiegen ist, sondern dass nur die Zahl der diagnostizierten Fälle zugenommen hat. Dafür spricht auch, dass die Zahl der Todesfälle durch Prostatatumoren im selben Zeitraum sank.

Das Risiko für Prostatakrebs wächst mit dem Alter beständig an. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren, vor dem 50. Lebensjahr kommt es nur selten zu einem Prostatakarzinom.

Entstehung von Tumoren der Prostata

Prostatatumoren (medizinisch korrekt Prostatakarzinome) entstehen durch unkontrollierte Teilung von Zellen der Prostata vor allem in den hinteren Teilen des Organs: Rund 90 Prozent der Tumoren werden auf der dem Enddarm zugewandten Seite diagnostiziert. Prostatakrebsgeschwüre wachsen langsam und bereiten, solange sie noch klein sind, kaum Beschwerden.

Die Ursachen, warum Prostatakrebs entsteht, sind noch nicht alle erforscht. Fest steht, dass es eine genetische Prädisposition gibt. In manchen Familien tritt Prostatakrebs also gehäuft auf. Daneben gibt es jedoch auch Einflüsse durch Umwelt und Ernährung. So gibt es etwa bei Asiaten so gut wie keinen Prostatakrebs. Wandern sie in eine westliche Industrienation aus, liegt ihr Risiko für Prostatakrebs bereits in der nächsten Generation so hoch wie bei den westlichen Männern.

Manche Prostatakarzinome wachsen schnell

Ein Teil der Prostatakarzinome wächst allerdings aus Gründen, die man noch nicht genau versteht, schneller. Wenn der Tumor so groß geworden ist, dass er zum Beispiel Druck auf die Harnröhre ausübt, kommt es zu Symptomen wie Blasenentleerungsstörungen. In vielen Fällen hat der Tumor zu diesem Zeitpunkt schon die Grenzen der Prostata überschritten – der Mediziner spricht von einer lokal fortgeschrittenen Erkrankung – und kann dann nicht mehr komplett operativ entfernt werden.

Prostatatumoren bilden Ableger im Knochen

Außerdem neigen Prostatatumoren dazu, bereits früh Metastasen vor allem in Knochen der Lendenwirbelsäule und des Beckens abzusiedeln. Diese Knochenmetastasen können zu sehr ernsten Komplikationen wie zum Beispiel Wirbelbrüchen führen. Sowohl der Tumor als auch die Metastasen sprechen aber meist sehr gut auf Strahlen- und/oder Hormontherapie an. Knochenmetastasen des Prostatakarzinoms und die durch sie bedingten Skelettkomplikationen lassen sich durch neuentwickelte Medikamente in vielen Fällen gut behandeln und oft sogar heilen.

Prostatakrebs: Prognose und Heilungschancen

Die Heilungschancen für Prostatakrebs sind insgesamt so gut wie noch nie. Das liegt vor allem daran, dass der Krebs meist schon früh entdeckt wird. Je nach Stadium, Aggressivität und Vorliegen von Metastasen können die Ärzte eine Prognose und Risikoabschätzung geben. Besonders groß ist die Chance auf Heilung bei einem kleinen Tumor, der noch nicht gestreut hat. Operation und anschließende Chemotherapie führen dazu, dass der Krebs für den Rest des Lebens verschwindet. Doch auch wenn es sich um einen aggressiveren Tumor handelt und bereits Metastasen vorhanden sind, liegt die Überlebensdauer häufig bei über zehn Jahren oder mehr.

Prostatakrebs im Alter noch operieren?

Tatsache ist, dass mit steigendem Lebensalter das Risiko für Prostatakrebs zunimmt. Untersuchungen an älteren, verstorbenen Männern zeigen, dass bis zu 60 Prozent einen unentdeckten Prostatakrebs hatten, der keinerlei Beschwerden verursachte. Diese Tatsache führte dazu, dass Prostatakrebs früher bei einem alten Mann nur selten operiert und stattdessen nur beobachtet wurde.

Heute ist die Medizin dazu übergegangen, sicherheitshalber in den meisten Fällen trotzdem zu operieren. Dabei kommt es darauf an, ob Beschwerden vorliegen und wie sich der PSA-Wert verhält. Steigt er kontinuierlich an, spricht das für die Operation. Bleibt der PSA-Wert konstant, müssen die Ärzte abwägen. Doch auch im höheren Alter ist die Therapie von Prostatakrebs heute schonend und die Heilungschancen stehen gut.

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Autor: Dipl. Biol. Tanja Rojewski / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 27. April 2015
Durch:
Quellen: Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Langversion 3.0, 2014, AWMF Registernummer: 034/022 OL, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Leitlinien.7.0.html (Zugriff am: 21.10.2014) Online-Informationen der Deutschen Krebshilfe: http://www.krebshilfe.de (Stand: November 2013) Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg: www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 11/2013) Blauer Ratgeber "Prostatakrebs" herausgegeben von der Deutschen Krebshilfe, Stand 7/2011 Krebs in Deutschland 2009/2010. Gemeinsame Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., 9. Ausgabe, Dezember 2013

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