Knochenschwund in der zweiten Lebenshälfte

Osteoporose – ein häufiges Altersleiden

Die Osteoporose ist eine unterschätze Krankheit. Mehr Frauen erkranken an einer Osteoporose als an Brustkrebs und etwa ebenso viel wie an der koronaren Herzkrankheit. Aber auch Männer sind mit zunehmendem Alter gefährdet.

Die Osteoporose ist eine Knochenerkrankung, die das ganze Skelett betrifft. Sie tritt vor allem in der zweiten Lebenshälfte auf und ist durch eine erniedrigte Knochenmasse und Veränderungen des Knochengewebes charakterisiert. Diese Veränderungen haben zur Folge, dass die Knochen instabiler werden und zu Brüchen neigen. Knochenbrüche, z. B. der Wirbelkörper, treten dann schon bei alltäglichen Belastungen oder „einfachen“ Stürzen auf. Osteoporosebedingte Brüche zählen zu den häufigsten Ursachen für einen Verlust an Selbständigkeit und Lebensqualität im Alter.

Häufigkeit der Osteoporose

Der mit der zweiten Lebenshälfte einhergehende Knochenschwund, fachsprachlich als primäre Osteoporose bezeichnet, ist häufiger als die meisten vermuten. Für Deutschland geht man von sieben Millionen Betroffenen aus. Wie aus Umfragen bekannt ist, sieht sich die überwiegende Mehrheit der Älteren aber nicht als gefährdet an - eine Fehleinschätzung. Laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts (2009) liegt schon in der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen bei 4,5 % die Diagnose Osteoporose vor. In der Gruppe der über 75-Jährigen ist schon fast ein Drittel von dem Knochenschwund betroffen.

Dabei sind Frauen insbesondere ab der Menopause deutlich häufiger betroffen als Männer, da es bei älteren Frauen durch die sinkenden Östrogenspiegel zu einem vermehrten Knochenabbau kommt. Dieser Prozess scheint sich insbesondere im Bereich des Hüftgelenks zwischen dem 60sten und 70sten Lebensjahr noch zu beschleunigen. Das Osteoporose-Risiko nimmt dann exponentiell zu. Knochenschwund betrifft allerdings nicht nur Frauen, wie viele vermuten. Auch beim starken Geschlecht steigt die Osteoporose-Rate altersabhängig an, allerdings auf niedrigerem Niveau. Mit 50 Jahren haben etwa zwei von 100 Männern eine Osteoporose; mit 85 Jahren ist jeder Fünfte betroffen.

Konsequenz Knochenbruch

Noch dramatischer sind die Zahlen für osteoporosebedingte Knochenbrüche (Frakturen). Für Frauen nach der Menopause beträgt das Risiko, bis zu ihrem Lebensende eine solche Fraktur zu erleiden, gut 40 Prozent. Bei jeder zweiten Frau und jedem dritten Mann mit Osteoporose führt die Knochenkrankheit im Laufe ihres Lebens zu einer Fraktur, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt.

Am Beispiel der Wirbelkörperfraktur, der häufigsten Fraktur, die im Zusammenhang mit Osteoporose auftritt, lässt sich gut darstellen, wie dramatisch die Erkrankung das Risiko für einen Knochenbruch erhöht: Eine knochengesunde Frau mit 70 hat ein Risiko von 17 Prozent, in den folgenden zehn Jahren eine Wirbelkörperfraktur zu erleiden. Hat sie eine Osteoporose, steigt das Risiko auf 26 Prozent. Hat sie bereits eine Wirbelkörperfraktur erlitten, beträgt das Risiko 56 Prozent. Zusätzliche Risikofaktoren wie z. B. das Rauchen führen zu einem weiteren Anstieg des Risikos.

Auf die Bevölkerung bezogen gibt es Zahlen für Europa aus dem Jahr 2000: Zusammengenommen gingen 2,7 Millionen Frakturen von Männern und Frauen auf das Konto einer Osteoporose. Wenn man bedenkt, dass die Patienten nicht nur akut im Krankenhaus versorgt werden müssen sondern im Anschluss häufig pflegebedürftig sind, werden die Folgen, die ein Osteoporose-bedingter Knochenbrauch im Alter haben kann, deutlich. Schließlich können diese, insbesondere wenn der Schenkelhals betroffen ist, Mobilität und Selbständigkeit des Patienten sehr stark beeinträchtigen. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können alltägliche Verrichtungen unmöglich machen, sodass Betroffene auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Mit mehreren Wirbelkörperfrakturen kann schon das Bewegen eines Staubsaugers extrem schmerzhaft sein.

Osteoporose durch Medikamente?

Patienten, die wegen einer entzündlichen Erkrankung über längere Zeit Kortison in einer mittleren bis hohen Dosis nehmen müssen, haben ein erhöhtes Risiko, an Osteoporose zu erkranken. In diesen Fällen sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, wie langfristig positiv auf die Knochengesundheit eingewirkt werden kann.

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Autor: Dr. Wiebke Kathmann, aktualisiert durch: DVGE Verlag für Gesundheit und Ernährung (TS), 20.01.2012
Letzte Aktualisierung: 31. Januar 2011
Quellen: Quelle: Johnell O. et al. An estimate of the worldwide prevalence and disability associated with osteoporotic fractures. Osteoporosis International 2006; 17: 1726-1733. Kanis J.A. et al.: Requirements of DXA for the management of osteoporosis in Europe. Osteoporosis International 2005; 16: 220-238 Kanis J.A. et al. European guidance for the diagnosis and management of osteoporosis in postmenopausal women. Osteoporosis International 2008; 19: 399-428. International Osteoporosis Foundation (IOF): Bericht zum Weltosteoporosetag 2010. Angaben des Robert-Koch-Instituts, www.rki.de.

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