Am Anfang merken Betroffene nichts

Symptome der Osteoporose

Bei einer Osteoporose beginnen die Knochen still und heimlich sich aufzulösen. Nach und nach nimmt die Stabilität der Knochen ab, ohne dass es Betroffene merken. Ab etwa 30 Prozent Knochenverlust können Schmerzen eintreten und Knochenbrüche drohen.

rückenschmerzen_126430565.jpg
Auch Rückenschmerzen können Symptom einer Osteoporose sein.
Getty Images/Zoonar RF

Die meisten Menschen in der zweiten Lebenshälfte wägen sich in trügerischer Sicherheit. Da es in der Regel erst bei fortgeschrittener Osteoporose zu Beschwerden kommt, ist das Thema Knochengesundheit auch im höheren Alter kaum präsent - bis ein Knochenbruch durch eine harmlose Alltagsbewegung oder einen einfachen Sturz ein Symptom der schleichenden Krankheit offenbart. Häufig ist zunächst ein Wirbelkörper betroffen, die Fraktur macht sich dann durch akute Rückenschmerzen bemerkbar. Die zugrunde liegende Osteoporose bleibt dennoch oft unerkannt, weil der Rückenschmerz einer anderen Ursache, beispielsweise einer Verspannung oder Bandscheibenproblemen, zugeordnet wird.

Ab einem Alter von 50 Jahren sollte deshalb immer auch an eine Osteoporose gedacht werden, wenn plötzlich einsetzende, heftige Rückenschmerzen auftreten sollten - insbesondere dann, wenn Ursachen und Risikofaktoren der Osteoporose ßßvorliegen. Ein Rippenbruch bei einer stürmischen Umarmung oder durch einen Hustenanfall sollte in jedem Fall einen umgehenden Arztbesuch zur diagnostischen Abklärung nach sich ziehen.

Rückenschmerzen als Kardinalsymptom

Der osteoporosetypische Rückenschmerz tritt plötzlich auf und ist heftig. Nach einigen Wochen klingt er von allein ab und kann ganz verschwinden. Anders im Stadium der fortgeschrittenen Osteoporose. Dann entwickelt sich der Rückenschmerz aufgrund der statischen Veränderungen der Wirbelsäule nach mehreren Wirbelkörperfrakturen häufig zum dauerhaften Symptom. Diese Veränderungen beeinträchtigen nicht nur den knöchernen Apparat, sondern führen über den Größenverlust und die Wirbelsäulenkrümmung auch zu schmerzhaften Verspannungen der Muskeln und Sehnen.

Eine andere Rückenschmerzqualität wird durch rasch aufeinander folgende Wirbelkörperfakturen bei schnell fortschreitendem Knochenschwund (Mediziner nennen das „high-turnover-Osteoporose“) ausgelöst. Hier kann es zu Einblutungen kommen, die einen intensiven Knochenschmerz durch Dehnung der Knochenhaut auslösen. Schmerzen können zudem auftreten, wenn sich benachbarte Dornfortsätze von Wirbeln berühren, nachdem die Wirbelkörper als Folge eines oder mehrerer Brüche „einsinken“ und an Höhe abnehmen. Dies wird als Baastrup-Syndrom bezeichnet.

Mehr über Rückenschmerzen durch Osteoporose lesen.

Risiko für Knochenbrüche steigt

Ob die Veränderungen des Knochengewebes zu Brüchen führen, hängt nicht nur von der Krafteinwirkung und der Knochenmasse ab. Zu den Risikofaktoren für Knochenbrüche gehört insbesondere das Lebensalter. Nach einer Faustregel verdoppelt sich das Bruchrisiko mit jedem Lebensjahrzehnt. Daher sollte bei Frauen ab 70 und bei Männern ab 80 Jahren eine ärztliche Untersuchung und Beratung im Hinblick auf die Osteoporose erfolgen. Darüber hinaus können aber auch zahlreiche weitere Faktoren (zum Beispiel bereits eingetretene Wirbelkörperfrakturen, bestimmte Medikamente, Stürze, Nikotinkonsum, Kalzium- bzw. Vitamin-D-Mangel und Untergewicht) zu einem Anstieg des Frakturrisikos führen.

Körpergröße nimmt ab durch Osteoporose

Durch Einbrüche von Wirbelkörpern, meist der horizontal verlaufenden Deckplatten des Wirbels, nimmt die Körpergröße ab. Vergleichbares geschieht auch durch Abnutzung der Bandscheiben. Hat die Körpergröße aber im Vergleich zu der im Pass eingetragenen Größe zu Beginn des Erwachsenenalters um mehr als vier Zentimeter abgenommen, ist dies in den allermeisten Fällen ein Hinweis auf eine Osteoporose.

Verkrümmung der Wirbelsäule oder: „Witwenbuckel“

Durch die Bildung von sogenannten Keilwirbeln kommt im weiteren Verlauf zum Verlust an Körpergröße oft eine Verkrümmung der Wirbelsäule (Kyphose) hinzu. Es entsteht ein sogenannter „Witwenbuckel“ als äußerlich sichtbares Symptom der fortgeschrittenen Osteoporose. Das Pendant zum nach hinten gewölbten Rücken ist ein nach vorne gewölbtes Bäuchlein in Folge der verkürzten Wirbelsäule. Die untersten Rippen nähern sich dem Beckenkamm an. Diese Veränderungen schränken nicht nur die Lebensqualität stark ein, sondern behindern auch die Atmung und Funktion der inneren Organe. Ein weiteres äußerlich sichtbares Zeichen einer fortgeschrittenen Osteoporose und des resultierenden Größenverlustes ist das sogenannte Tannenbaumphänomen. Es ist am entkleideten Oberkörper des Patienten zu sehen, wenn man ihn von hinten betrachtet. Es zeichnen sich Hautfalten ab, die wie die Zweige eines Tannenbaums von der Wirbelsäule nach links und rechts zu den Flanken verlaufen. Sie entstehen, weil die Haut nicht einschrumpft, wenn die Körpergröße abnimmt.

Autor: Dr. Wiebke Kathmann / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 02. Oktober 2013
Quellen: Baenkler, H-W., u.a.: Kurzlehrbuch innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2007 Häussler B., Gothe H., Mangiapane S., Glaeske G., Pientka L., Felsenberg, D.: Versorgung von Osteoporose-Patienten in Deutschland. Ergebnisse der BoneEVA-Studie. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 103, Heft 39, S. A2542- A2548, (29.9.2006) Herold, G.: Innere Medizin, Eigenverlag, Köln 2008 Online-Informationen des Kuratorium Knochengesundheit e.V.: http://www.osteoporose.org (Stand April 2008) Leitlinie des Dachverbandes der Deutschsprachigen Osteologischen Fachgesellschaften zur Osteologie. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Frauen ab der Menopause, bei Männern ab dem 60. Lebensjahr. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 034/003

Neueste Fragen aus der Community
  • Osteoporose/Knochenschwund
    Was kann man noch tun ?
    28.03.2014 | 12:04 Uhr von A.Heitz

    Hallo, Meine Mutter leider unter Knochenschwund und COPD. SIe ist fast 60 jahre alt  und...  mehr...

  • Osteoporose/Knochenschwund
    Alternative Medikamente
    19.02.2014 | 10:35 Uhr von TBGuelde

    Phototoxikologie Hallo ( mal in Stichworten) 88 Jahre alt. Arthrose , Herzinsuffiziens, ...  mehr...

  • Osteoporose/Knochenschwund
    Phototoxikologie
    19.02.2014 | 10:17 Uhr von TBGuelde

    Hallo ( mal in Stichworten) 88 Jahre alt. Arthrose, Herzinsuffiziens, Blutdruck 170 - 80...  mehr...

Hören Sie zu - reden Sie mit

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Weiterführende Artikel
Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...