Risikofaktor Zuckerkrankheit

Problematisch: Nagelpilz bei Diabetikern

Generell unterliegen Diabetiker einem höheren Risiko, an Nagelpilz zu erkranken. Infektionen wie Nagel- oder Hautpilze heilen dadurch schlechter, schädigen die Haut und ebnen so den Weg für Infektionen.

Fußmassage
Gerade Diabetiker haben Mühe, Nagelpilz zu bekämpfen.
(c) Stockbyte

Ein Grund dafür ist, dass Diabetiker häufig ein geschwächtes Immunsystem besitzen, das die Erreger schlechter bekämpfen kann. Zum anderen kann ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel zu Durchblutungsstörungen sowie Schäden am Nervensystem (diabetische Polyneuropathie) führen.

Diabetiker spüren kaum Schmerzen

Erschwerend kommt hinzu, dass "trockene Haut" eine Begleiterscheinung einer Diabetes ist. Durch die Verminderung der Schweißsekretion verliert die Haut an den Füßen an Geschmeidigkeit und wird spröde und rissig. Risse in der Haut begünstigen ein leichtes Eindringen der Erreger und machen damit eine Infektion überhaupt erst möglich. Da Diabetiker oft zusätzlich schmerzunempfindlicher sind, spüren sie mögliche Beeinträchtigungen durch den Pilzbefall oft gar nicht und neigen somit ohnehin zur einer Bagatellisierung der Symptome.

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    Nagelpilz kann jeder bekommen, jedoch häufen sich Pilzerkrankungen der Nägel bei Diabetikern. Sind Sie gefährdet?

Am häufigsten treten Verwechslungen auf, wenn Betroffene primär an Fußpilz vom Typ "Mokassin-Tinea" leiden. Befallen ist typischerweise ein Hautareal, das dem entspricht, welches von einem speziellen amerikanischen Schuh, dem Mokassin, bedeckt wird. Weil diese Krankheit generell einen eher gering entzündlichen Charakter aufweist, wird sie besonders oft als "trockene Füße" gedeutet. Die Auslöser der "Mokassin-Tinea", so genannte Dermatophyten, können auch die Nägel befallen und Nagelpilz auslösen.

Nagelpilzinfektion: Besondere Vorsicht bei diabetischem Fußsyndrom

Die größte Gefahr stellt eine Nagelpilzinfektion dar, wenn gleichzeitig ein so genanntes diabetisches Fußsyndrom vorliegt. Davon spricht man bei einem Krankheitsbild des Fußes, das sich in einem gleichzeitigen Auftreten einer diabetischen Nervenschädigung (Polyneuropathie) mit Durchblutungsstörungen und Infektionen darstellt.

Die Nervenschädigung bewirkt, dass das Schmerzempfinden am Fuß ausgeschaltet oder vermindert ist und führt zu einem Ausfall der Schweißsekretion. Die Haut wird rissig, Druckstellen und Schwielen treten auf, zum Teil kommt es zu Fußverformungen. Durchblutungsstörungen verzögern die Wundheilung und können bis hin zum Absterben von Gewebeteilen (zu sogenannten Nekrosen) führen.

Die Infektionen können sowohl obere Gewebeschichten als auch Gelenke und Knochen betreffen. Eine Nagelpilzinfektion kann ein bereits vorliegendes diabetisches Fußsyndrom drastisch verschlimmern. Tiefer gehende und schwerwiegendere Infektionen können die Folge sein und unter Umständen zur Amputation des betroffenen Fußes führen. Das Risiko einer Fußamputation ist beim Diabetiker 50-mal höher als beim Stoffwechselgesunden.

Erste Anzeichen für Nagelpilz

Diabetiker sollten deshalb ganz besonders auf eine gute Fußhygiene achten und frühzeitig auf Anzeichen von Pilzinfektionen achten.  Das sind:

  • glanzlose Nägel
  • Nägel werden trocken und spröde
  • lokale Verfärbungen am Nagel
  • bei Fußpilz: juckende und gerötete Hautareale, vor allem aber nicht nur in den zehenzwischenräumen

Anfangs zeigen sich diese Symptome stark örtlich begrenzt. Bleibt die Infektion unbehandelt, breitet sich der Pilz immer weiter im Nagel aus. Im Verlauf der Infektion verdickt sich die Nagelplatte an den betroffenen Stellen, wird brüchig und kann den gesamten Nagel irreversibel zerstören.

Wie Diabetiker Nagelpilz vorbeugen

Eine Nagelpilz-Infektion ist oftmals Wegbereiter gefährlicher bakterieller Sekundärinfektionen. Es gilt, den Nagelpilz schnell zu bekämpfen, da Pilze zunächst leichter in die Haut eindringen können als Bakterien. Ist die Haut erst einmal geschädigt, haben auch Bakterien ein leichtes Spiel. Besonders unter den gegebenen Umständen einer geschwächten Immunabwehr bei Diabetes kann eine Nagelpilz-Infektion eine ganze Infektionswelle auslösen.

Nagelpilz und auch Fußpilz sollten  deshalb bei Diabetikern so schnell es geht bekämpft werden, beziehungsweise gar keine Möglichkeit zur Entstehung gegeben werden.

Mit folgenden Empfehlungen können Diabetiker Nagelpilzinfektionen vorbeugen:

  • Blutzucker im Blick: Das "A und O" einer guten Prophylaxe ist eine konsequente und gute Blutzuckereinstellung. Sie trägt zu einer guten Durchblutung bei und erhöht die Abwehrfähigkeit gegenüber Infektionen.
  • Fuß-Check: Besonders die Füße sollten Sie täglich und regelmäßig kontrollieren. Sind Blasen, Druckstellen, Rötungen, Hühneraugen vorhanden? Sind die Füße gut durchblutet oder fühlen sie sich kalt an? Ist die Haut trocken und weist einen leichten weißlichen Belag auf, zum Beispiel im Bereich der Sohlen? Bei Vorliegen von Symptomen ist ärztlicher Rat einzuholen und eine entsprechende Therapie einzuleiten.
  • Füße richtig pflegen: Zur täglichen Fußhygiene werden milde, rückfettende Seifen empfohlen. Fußbäder sollten am besten bei einer Temperatur von 37 bis 38 Grad Celsius und nicht länger als 3 bis 5 Minuten durchgeführt werden, damit das Gewebe nicht aufweicht. Füße und besonders Zehenzwischenräume sind gut abzutrocknen.
  • Bei trockener Haut sollten die betroffenen Extremitäten zusätzlich eingefettet werden. Dazu sind Emulsionen oder Pflegeschäume zu verwenden, die feuchtigkeitsspendend sind und Harnstoff enthalten, kein Babyöl oder Zinkpasten.
  • Nagelmaniküre: Scheren bitte nur zum Schneiden der Nägel verwenden! Messer, Rasierklingen und andere scharfe Hilfsmittel sind bei der Nagel- und Fußpflege zu vermeiden, denn sie bergen eine große Verletzungsgefahr. Verletzungen der Haut erhöhen das Infektionsrisiko. Aus diesem Grund sollten auch ätzende Substanzen wie Hühneraugenpflaster nicht verwendet werden.
  • Diabetiker können Nagelpilz vorbeugen, indem sie bequemes und nicht zu enges Schuhwerk tragen. Eine gute Belüftung der Füße muss gegeben sein, Schwitzen oder Druckstellen fördern das Entstehen von Fußpilz. In öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmhallen, Saunen oder Turnhallen sind die Füße in jedem Fall durch geeignetes Schuhwerk zu schützen. Sport- und Badesachen sollten möglichst in die Kochwäsche.
  • Wenn ein Taubheitsgefühl der Füße vorliegt, sollten Betroffene niemals barfuß oder in Strümpfen laufen. Bei Bettlägerigkeit sind die Füße zu polstern, damit keine Druckstellen entstehen.
  • Liegen Verletzungen vor, sind die betroffenen Stellen zu desinfizieren und mit sterilen Mullbinden zu verbinden. Fußbäder sollten unterlassen werden.

Professionelle Hilfe vom Podologen gegen Nagelpilz

Fachkundige Hilfe bei der regelmäßigen Pflege der Füße und Nägel bekommen Diabetiker vom Podologen. Diese medizinisch ausgebildeten Fußpfleger können – im Gegensatz zu kosmetischen Fußpflegern – nicht nur die Füße von Diabetikern vorbeugend pflegen. Erkennt auch rechtzeitig Veränderungen an Haut und Nägeln. Aufgrund der speziellen Ausbildung ist ein Podologe zum Beispiel in der Lage, Warzen fachgerecht zu entfernen oder Hilfsmittel zur Druckentlastung (Orthesen) anzufertigen. Oft arbeitet der Podologe mit dem Arzt zusammen und kann feststellen, wenn bei Veränderungen, Wunden, Rötungen, Schwellungen und Eiterungen ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Nagelpilz vorbeugen? So gehts!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Februar 2016
Quellen: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/013-002.htm ; P. Mayser et al: Mykosen bei Diabetikern. Therapie und Prophylaxe

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