Häufiges Leiden von Sportlern und Musikern

Tennisarm / Tennisellenbogen

Epicondylitis radialis humeri: Wie es zu der Reizung kommt und wie man sie behandelt

tennisarm frau rückhand
Beim Tennisarm kommt es durch eine Sehnenreizung am Ellenbogen zu Schmerzen und starken Bewegungseinschränkungen. Klassischer Auslöser ist die Rückhand beim Tennis, aber auch das Spielen bestimmter Musikinstrumente kommt als Ursache für den Tennisarm infrage.
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Er quält nicht nur Stars auf dem Tennisplatz, sondern Handwerker, andere Sportler und sogar Musiker – der Tennisarm. Das Leiden ist heilbar, wenn es schnell behandelt wird.

Die jubelnde Beckerfaust nach dem Sieg, die krachende Vorhand von Steffi Graf sind zwar Vergangenheit. Trotzdem ist der weiße Sport beliebt. Doch beim Blick auf den Court fällt immer häufiger auf, dass Spielerinnen und Spieler eine Bandage um den Ellenbogen tragen. Untrügliches Zeichen für ein neues Massenleiden: den Tennisarm.

Der Tennisarm, auch Tennisellenbogen genannt, ist eine schmerzhafte Sehnenreizung am Ellbogen. Mediziner bezeichnen sie als Epicondylitis radialis humeri. Ein ganz ähnliches Krankheitsbild ist der Golferarm (auch Golferellenbogen, lat.: Epicondylitis ulnaris humeri). Beim Tennisarm sind die Sehnenansätze der Streckmuskulatur des Handgelenks und der Finger gereizt, beim Golferarm die der Beugemuskulatur.

Anders als der Name vermuten lässt, treten beide Krankheitsbilder zum großen Teil bei Menschen auf, die noch nie einen Tennis- oder Golfschläger in der Hand hatten. Handwerker, Heimwerker und Musiker sind ebenso betroffen wie Hausfrauen und -männer nach dem Frühjahrsputz oder Leute, die nach jahrelanger Sport-Abstinenz mit aller Gewalt im Fitnessstudio wieder zu Kräften kommen wollen.

Ursache für Tennisarm ist Überlastung und Sehnenreizung

Ursache für die Entzündung des Ellenbogens ist meistens eine Überlastung der Muskulatur des Unterarms. Diese ist mit allen Sehnen an einem kleinen knöchernen Fortsatz an der Außenseite des Ellenbogens verwachsen. Beim Schlag auf den Ball überträgt sich die ganze Kraft der Muskeln, die das Gelenk strecken, auf diesen kleinen Knochenfortsatz. Durch ständige wiederholte Bewegungen kommt es zu einer Überlastung und Entzündung der Knochenhaut, des Fortsatzes und der Sehnen.

Tennisarm: Woher kommt der schmerzende Ellenbogen?

Solche Bewegungen können zum Beispiel sein:

  • permanentes festes Zupacken und Festhalten von Gegenständen mit der Hand (Tennisschläger, aber auch Pinsel, Schraubendreher, Gartenschere)

  • Tätigkeiten, bei denen das Handgelenk oft gebeugt und gestreckt werden muss (Streichen mit dem Pinsel, Geige spielen, Golfabschlag, Hanteltraining)

  • Ungewohnte Arbeiten, die nicht oft durchgeführt werden, wie Umzugskisten schleppen, Gartenarbeit, Heben und Tragen von schwerem Gepäck

Symptome des Tennisarms: Starker Druckschmerz am Sehnenansatz

Im Bereich des Ellenbogens ist ein starker, brennender Druckschmerz zu spüren. Beim Tennisarm befindet sich dieser Schmerzpunkt auf der Daumenseite des Unterarms, dort, wo die Sehnen der Unterarm-Streckmuskulatur am Ellenbogengelenk angewachsen sind. Im Unterschied dazu spürt man beim Golfer-Arm die Schmerzen auf der Seite des kleinen Fingers. Die Schmerzen gehen dabei vom Ellenbogen aus, können jedoch bis in die Hand und die Finger austrahlen.

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Anfangs treten die Symptome nur bei Belastung beziehungsweise bei der Ausführung bestimmter Bewegungen auf und verschwinden tags darauf von alleine wieder. Später können die Schmerzen auch in Ruhestellung zu spüren sein – viele gewohnte Bewegungen der Hände werden zur Qual. Das kann das Öffnen einer Flasche sein, das Halten eines Werkzeugs, das Anziehen oder das Auswringen der Wäsche.

Bisweilen wird die Hand so schwach, dass sogar das Halten einer Kaffeetasse unmöglich wird und das Händeschütteln nur unter Schmerzen möglich ist. Häufig ist in diesem Zustand die Bewegung des Ellenbogengelenks eingeschränkt. Dies ist jedoch nicht funktionell bedingt, sondern rührt von der Schonhaltung des betroffenen Arms her.

Diagnose bei Tennisarm: So wird untersucht

Der Tennisarm oder Tennisellenbogen ist eine der häufigsten orthopädischen Diagnosen. In der Regel reicht dem Arzt schon die Beschreibung der Beschwerden sowie eine Untersuchung des Armes aus, um die Diagnose zu stellen.

Verschiedene Provokationstests unterstützen die Diagnose Tennisarm oder Golferarm. Dazu muss der Patient zum Beispiel die Faust oder ausgestreckte Hand gegen Druck nach oben oder unten im Handgelenk strecken oder beugen. Beim "Stuhltest" wird der Patient aufgefordert, mit ausgestrecktem Arm einen Stuhl an seiner Lehne zu fassen und hochzuheben. Bei einem Tennis- oder Golferarm kann mit diesen Widerstandstests der typische Schmerz ausgelöst werden.

Auch andere Erkrankungen können zu Schmerzen im Ellenbogen führen oder bis in die Unterarmmuskulatur ausstrahlen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • degenerative Gelenkveränderungen wie Arthrose
  • Veränderungen oder Blockierungen an der Halswirbelsäule
  • Nervenquetschungen
  • entzündliche Prozesse am Ellenbogengelenk sowie, wenn auch selten,
  • Tumore

Für eine differenzierte Diagnose und den Ausschluss anderer Krankheitsbilder sind deshalb unter Umständen auch Röntgenaufnahmen, eine CT- oder MRT-Untersuchung und ein Laborbefund des Blutes nötig.

Behandlung: So wird der Tennisarm therapiert

Ein Tennisarm ist zwar schmerzhaft, aber zumindest in der akuten Varianten harmlos. Meist reicht Schonung und Ruhigstellung. Sportliche Aktivitäten und handwerkliche Arbeiten sollten bis zur Schmerzfreiheit zunächst eingestellt werden. Zur Unterstützung werden heute oft Kinesio-Tapes oder eine spezielle Bandage, die Epicondylitisbandage, eingesetzt.

Ellenbogen bandagiert
Eine Bandage kann beim Tennisarm für Entlastung der Sehnen sorgen.
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Im akuten Stadium des Tennisarms kommen Kältebehandlungen zum Einsatz, im chronischen Stadium Wärme. Zusätzlich können manuelle Therapien (Querfriktion) und spezielle Dehnungsübungen die gereizten Sehnenansätze entlasten. Ultraschall und hydroelektrische Bäder sind ebenfalls gängige Behandlungsmethoden.

Begleitend können in der akuten Phase Akupunktur und den Heilungsprozess unterstützen und die Schmerzen lindern.

Medikamentöse Therapie hilft gegen Tennisarm-Symptome

Schmerzlindernd werden heute vor allem entzündungshemmende Mittel lokal in einem Salbenverband angewandt. Örtliche Injektionen mit Cortison und anschließende Ruhigstellung waren früher bei Tennisarm/Tennisellenbogen das Mittel der Wahl. Da die Steroidgaben jedoch das Sehnengewebe strukturell schädigen können, sollen diese nach den ärztlichen Leitlinien nicht mehr als zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Studien ergaben auch effektive Therapiemöglichkeiten mit Hyaluronsäure-Gel und Botox. Bei Letzterer wird das Nervengift Botulinumtoxin in die Streckmuskulatur des Unterarms injiziert und bewirkt so eine Ruhigstellung durch Lähmung der Muskeln. Nebenwirkung: Der Mittelfinger ist nach dieser Behandlung bis zu mehrere Monate gelähmt. Diese Methode kommt deshalb nur bei großem Leidensdruck infrage.

Meist ist ein Tennisarm auch ohne OP heilbar

Bei Dauerbeschwerden muss im Einzelfall auch operiert werden. Dabei wird der betroffene Sehnenansatz vom Ellenbogenknochen getrennt, im Einzelfall auch Nerven für die Schmerzweiterleitung "stillgelegt". Die Operation sollte jedoch nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden und wenn alle anderen Maßnahmen vorher versagt haben. Meist ist sie nicht nötig, denn ein Tennisarm ist in den überwiegenden Fällen nach zwölf Monaten ausgeheilt.

Tennisarm: Wie man vorbeugen kann

Der Tennisarm ist weit verbreitet – lässt sich jedoch verhindern. So sollten dauernde Fehl- und Überbelastungen vermieden werden. Hand- und Heimwerker können durch die Wahl geeigneter Werkzeuge (Akkuschrauber und ergonomische Handwerkzeuge) der Sehnenreizung am Ellenbogen vorbeugen.

Wenn daheim größere ungewohnte Arbeiten beim Renovieren, im garten oder beim Hausputz anstehen, ist es ratsam, sich nicht zu übernehmen. Dosieren Sie die Arbeit, lassen Sie sich helfen und machen Sie regelmäßige Pausen, damit sich der Körper erholen kann.

Training für die Unterarme

Eine gut trainierte Muskulatur schützt vor Verletzungen und  Erkrankungen. Beim Tennisarm sind das vor allem Muskeln und Sehnen der Unterarme. Diese kann man gut daheim – und sogar auf dem Sofa – mit einem Gummiball, -ring oder speziellen Handtrainiern kräftigen. Das empfiehlt sich vor allem für Menschen, die im Alltag ansonsten mit den Händen nur leicht zupacken müssen. Regelmäßige Dehnübungen helfen auch "Schreibtischtätern" dass die Unterarmsehnen nicht verkürzen und zu Schmerzen führen.

Tipps für Sportler und Musiker gegen den Tennisarm

Wenn Techniken im Sport oder das Spielen eines Instruments nicht richtig ausgeführt werden, kann dies zu Verletzungen und Schmerzen führen. Der Tennisarm ist ein gutes Beispiel. Wer neu in eine Sportart einsteigt oder ein Instrument erlernt, sollte die wichtigsten Grundtechniken und korrekte Körperhaltung deshalb von der Pike auf lernen – unter kundiger Anleitung! Besonders "gefährdete" Sportarten und Musikinstrumente sind:

  • Tennis
  • Squash
  • Badminton
  • Golf
  • Gewichtheben
  • Hanteltraining
  • Speerwerfen
  • Streichinstrumente (Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass)
  • Schlagzeug, Trommeln, Pauken
  • Gitarre

Vor und nach dem Training oder dem Üben sollten zudem auch die Muskelgruppen am Arm gut gedehnt werden. Das schützt vor der Überlastung der Sehnenansätze.

Prophylaktisch können Sportler in Training und Wettkampfphasen spezielle Bandagen oder Tapeverbände anlegen. Tennis- oder Squashspieler sollten gegebenenfalls eine Schlägerbespannung mit besserer Dämpfung benutzen.

Tennisarm: Woher kommt der schmerzende Ellenbogen?

Autor:
Letzte Aktualisierung: 27. Mai 2015
Quellen: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie: Epicondylopathia radialis humeri, Stand 09/2011; The American Journal of Sports Medicine; Comparative Effectiveness of Injection Therapies in Lateral Epicondylitis, 09/ 2012

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