Behandlung bei Erkrankungen des Nervensystems

Mit Tuberkulose-Impfstoff gegen Multiple Sklerose

Im Kampf gegen Multiple Sklerose (MS) zeichnen sich einige neue Therapieoptionen ab. Eine davon ist die Verabreichung des Bacillus Calmette-Guérin (BCG), eines abgeschwächten Tuberkulose-Erregers, der früher zur Tuberkulose-Impfung eingesetzt wurde. In einer kleinen Pilotstudie ließen sich damit MS-Erkrankungen verhindern.

Mit Tuberlulose-Impfstoff gegen Multiple Sklerose
Eine Spritze, die vor Multipler Sklerose schützt? Noch ist diese Therapieform nicht ausgereift, aber vielversprechend.
(c) Stockphoto

Multiple Sklerose bereits im Keim ersticken - diese Option scheint ein neues Therapieverfahren zu eröffnen, das sich zumindest in einer kleinen Pilotstudie mit 73 Patienten, die unter dem klinisch isolierten Syndrom (KIS) litten, als erfolgreich erwiesen hat. Mit KIS werden schubweise auftretende vorübergehende Funktionsstörungen bezeichnet wie beispielsweise Missempfindugen in den Gliedmaßen, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen. KIS ist häufig ein Vorbote der Multiplen Sklerose; in 50 Prozent der Fälle erkranken Patienten mit KIS innerhalb von zwei Jahren an Multipler Sklerose.

Tuberkulose-Impfstoff nach ersten Funktionsstörungen verabreicht

Für die Pilotstudie, über die das Medizinerblatt Ärztezeitung berichtete, hatten Wissenschaftler der Universität Rom um Studienleiter Giovanni Ristori 33 der 73 KIS-Patienten den Wirkstoff Bacille Calmette-Guérin (BCG) injiziert. Dabei handelt es sich um den abgeschwächten Stamm eines Erregers der Tuberkulose (TBC), der in Deutschland lange Zeit als Tuberkulose-Impfstoff eingesetzt wurde. Die anderen 40 Studienteilnehmer erhielten Statt dem Tuberkulose-Impfstoff ein Placebo.

Weniger Nervenschädigungen bei Geimpften

Nach sechs Monaten erhielten alle Studienteilnehmer eine Basistherapie mit einem Beta-Interferon zur Immunprophylaxe für ein Jahr, anschließend wurden sie nach den Vorstellungen ihrer jeweiligen Neurologen weiterbehandelt. Über einen Studienzeitraum von fünf Jahren hinweg beobachteten die Wissenschaftler, wie sich der Zustand der Probanden entwickelte. Das erste positive Ergebnis verzeichneten die Forscher bereits sechs Monate nach der Behandlung mit dem Tuberkulose-Impfstoff: Bei Patienten, denen das BCG gespritzt worden war, wurde im Schnitt drei Schädigungen des Nervensystems festgestelt, bei der Placebogruppe waren es mit durchschnittlich fast sieben mehr als doppelt so viele Läsionen.

Doppelt so viele MS-Diagnosen in Placebo-Gruppe

Zudem hat die Tuberkulose-Impfung offenbar einige KIS-Patienten vor der Multiplen Sklerose bewahrt. Während bis Ende des Beobachtungszeitraums 19 (58 Prozent) der 33 Geimpften keine Schübe mehr erlitten hatten und somit keine Multiple Sklerose bei ihnen diagnostiziert worden war, traf dies nur auf halb so viele Studienteilnehmer zu, die das Placebo erhalten hatten: Nur zwölf (40 Prozent) von 40 waren beschwerdefrei und ohne MS-Diagnose geblieben.

Neuer Therapieansatz noch nicht einsatzbereit

Trotz des positiven Ergebnisses warnen die Autoren der Studie jedoch davor, jetzt schon KIS-Patienten mit BCG zu behandeln. Denn noch seien Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens nicht ausreichend überprüft. Allerdings sehen die Wissenschaftler in der Verabreichung des Tuberkulose-Impfstoffes einen interessanten neuen Therapieansatz.

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Letzte Aktualisierung: 19. Dezember 2013
Quellen: Ärztezeitung online, Ausgabe vom 10.12.2013: Tuberkulose-Impfstoff schützt vor Multipler Sklerose Kann eine Tuberkulose-Impfung auch vor Multiple Sklerose schützen?- Information der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband vom 06.12.2012

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