MS-Therapieansatz entwickelt

Fortschritt im Kampf gegen Multiple Sklerose

Neue Behandlungsmethode hemmt nur krankmachende Immunreaktionen

Hoffnung für MS-Patienten: Ein Forscherteam der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) hat ein neues Therapieverfahren für Multiple Sklerose entwickelt. Neun Menschen mit der unheilbaren Autoimmunerkrankung testeten die Behandlung bereits.

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Bei Multipler Sklerose richten sich körpereigene T-Zellen gegen die Myelinscheide der Nervenzellen. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung.

Die klinische Phase-I-Studie war klein. Doch sie macht den etwa 130.000 MS-Patienten in Deutschland Hoffnung. „Die Therapie wurde von allen Patienten gut vertragen, und es traten keine Sicherheitsbedenken auf", erklärt Roland Martin, der bei der Entwicklung des neuen Verfahrens federführend war. Er gründete das UKE-Institut für Neuroimmunologie und arbeitet inzwischen am Universitätsspital in Zürich. Die Studienergebnisse seines Teams wurden in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ publiziert.

Bisherige MS-Therapien attackieren das Immunsystem unspezifisch

Der neue Ansatz gegen Multiple Sklerose soll krankheitsrelevante Immunreaktionen früh abschalten – und zwar nur diese. Denn die momentan zugelassenen MS-Therapien beeinflussen das Immunsystem unspezifisch, sie richten sich also auch gegen gesunde Teile des Immunsystems. Im Fall von MS lösen aber nur die sogenannten T-Zellen die Krankheitsschübe aus. Sie greifen aus bisher unbekannter Ursache körpereigenes Gewebe an.

Zerstörte Eiweißmoleküle in den Nervenzellen zurückgewinnen

„Ziel des neuen Verfahrens ist es, nur jene T-Zellen zu beeinflussen, die gegen entscheidende Zielstrukturen im Gehirn und Rückenmark von MS-Patienten gerichtet sind", sagt Martin. Bei diesen Zielstrukturen handelt es sich um bestimmte Eiweißmoleküle (Peptide) in der Isolierschicht der Nerven, dem sogenannten Myelin.

Genau diese Peptide werden in dem neu entwickelten Therapieansatz mit Blutzellen der MS-Patienten verbunden und dem Patienten zurückgegeben. Um dieses individuelle Zellprodukt herzustellen, erarbeiteten die UKE-Forscher zusätzlich einen speziellen Produktionsprozess.

Entmarkung führt zu MS-Symptomen wie Lähmung und Sprechstörungen

Geplant ist nun eine Phase-II-Studie, um die Wirksamkeit der neuen Behandlung auf den Krankheitsverlauf von MS-Patienten zu untersuchen. Sollte sich der Nutzen der Therapie bestätigen, gilt das Verfahren als vielversprechender Ansatz nicht nur in der Behandlung von Multipler Sklerose und anderen Autoimmunerkrankungen, sondern auch in der Transplantationsmedizin sowie gegen allergische Erkrankungen.

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Geh-, Sprech- und Sehstörungen sind Symptome der Multiplen Sklerose.

Multiple Sklerose ist eine chronische, entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. In der weißen Substanz von Hirn und Rückenmark entstehen entzündliche Entmarkungsherde. MS ist nicht heilbar und kann schubweise oder schleichend verlaufen. Nach und nach wird dabei die Markschicht (Myelinscheide) der Nervenzellen zerstört. Die Folgen reichen von Sehstörungen, Unempfindlichkeit und Lähmungen bis hin zu Schwindel, Fatigue, Sprech- und Schluckstörungen.  Trotz enormer Forschungsanstrengungen ist nicht genau bekannt, wieso es zu Multipler Sklerose kommt.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Juni 2013
Quellen: UKE-Mitteilung zum neuen Therapieansatz bei MS: http://www.uke.de/medien/index_91975.php?id=-1_-1_-1&as_link=http%3A//www.uke.de/medien/index_91975.php

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