Behandlung von Migräneanfällen

Die Therapie von Migräne

Die Therapie bei Migräne zielt zum Einen darauf ab, Migräne-Anfälle zu reduzieren. Dafür müssen Auslöser erkannt werden. Andererseits geht es darum, bei einer akuten Migräne die Symptome wirksam zu lindern.

Therapie bei Migräne heißt zweierlei: Den Kopfschmerz-Attacken vorbeugen und, wenn es zu einem Migräne-Anfall kommt, die Symptome effektiv zu lindern.

Migräne-Tagebuch deckt Auslöser auf

Um die Migräne-Anfälle reduzieren zu können, müssen Sie die Auslöser der Attacken kennen. Diesen kommen Sie am besten mit einem Migräne-Tagebuch auf die Spur. Hier halten Sie jeden Migräne-Anfall fest. Machen Sie sich nach dem Anfall Notizen zu Dauer und Intensität der Migräne-Episode, zu den weiteren Symptomen, die neben den Kopfschmerzen auftreten und zu den Begleitumständen, beispielsweise ob Sie etwas Besonderes gegessen haben oder Stress hatten. Welche Medikamente Sie einnehmen, welche Akutmaßnahmen Sie während des Migräne-Anfalls ergriffen haben und ob diese gewirkt haben, können Sie im Migräne-Tagebuch ebenfalls festhalten.

Auf diese Weise lernen Sie Ihre Auslöser für  Migräne-Anfälle kennen und können Sie entweder meiden, wenn dies möglich ist, oder sich auf eine bevorstehende Migräne-Attacke, etwa bei einem Wetterumschwung, vorbereiten. Das Migräne-Tagebuch gibt zudem Aufschluss darüber, welche Maßnahmen beziehungsweise Medikamente bei Ihnen anschlagen. Migräne-Tagebücher gibt es in gedruckter und elektronischer Form, zum Download und als APP für Ihr Smartphone.

Wer regelmäßig Sport treibt, hat seltener Migräne-Anfälle

Zu den nichtmedikamentösen Maßnahmen, mit denen Sie die Zahl der Migräne-Anfälle mindern können, gehört regelmäßiger Sport: Treiben Migränepatienten beispielsweise dreimal pro Woche leichten Ausdauersport, sinkt die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken um 20 bis 45 Prozent. Das belegen verschiedene neuere Studien. Dabei ist es gleich, ob gejoggt oder gewalkt wird, wichtig ist nur die regelmäßige Bewegung. Wissenschaftler führen die positiven Effekte von Ausdauersport auf den Migräne-Verlauf darauf zurück, dass bei Sport Stress abgebaut wird.

Der Entspannung und dem Stressabbau dienen daneben Verhaltenstherapien wie beispielsweise die Muskelentspannung nach Jacobson. Viele Migräne-Patienten haben auch gute Erfahrungen mit Yoga gemacht. Ein weiterer erfolgversprechender Ansatz zur Reduzierung von Migräne-Anfällen ist die Akupunktur. Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) beispielsweise nennt sie als Option. Allerdings ist die Akupunktur bei Migräne keine Kassenleistung und muss in der Regel selbst bezahlt werden.

Regelmäßige Mahlzeiten und Schlafgewohnheiten werden ebenfalls zur nichtmedikamentösen Migräne-Prophylaxe empfohlen.

Migräne-Prophylaxe mit Medikamenten

Reichen nichtmedikamentöse Ansätze zur Prävention von Migräne-Attacken nicht aus, können Medikamente weiterhelfen. Laut Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist eine medikamentöse Migräneprophylaxe angezeigt bei hohem Leidensdruck, beispielsweise durch

Als wirksam zur medikamentösen Prävention von Migräne-Attacken nennt die DGN Substanzen aus der Wirkstoffgruppe der Betablocker (Metoprolol, Propranolol, Bisoprolol), die sonst zur Blutdrucksenkung beziehungsweise bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden. Empfohlen sind auch der Calcium-Antagonist Flunarizin sowie die bei Epilepsie eingesetzten Substanzen Valproinsäure oder Topiramat.

Bei chronischer Migräne kann Botox helfen

Zur Behandlung nur bei chronischer Migräne – diese liegt vor, wenn die Migräne-Beschwerden an mehr als 15 Tagen im Monat über mindestens drei Monate aufgetreten sind – können zudem Injektionen mit Botulinumtoxin A, ( Botox)  eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen zur medikamentösen Migräne-Prophylaxe nicht gewirkt haben.

Eine weitere Option zur Prävention von Migräne-Attacken könnte die Behandlung mit dem Schlafhormon Melatonin sein: In einer brasilianischen Studie, die im Frühjahr 2013 vorgestellt worden war, konnte damit die Zahl der Migräne-Anfälle deutlich gesenkt werden.

Im Akutfall Ruhe und Dunkelheit

Zur nichtmedikamentösen Akutbehandlung bei Migräne gehört vor allem Ruhe in einem abgedunkelten Raum. Bei leichten bis mittelstarken Schmerzen kommen frei verkäufliche allgemeine Schmerzmittel in Frage. Als Mittel erster Wahl empfiehlt die Deutsche Kopfschmerz- und Migränegesellschaft (DKMG) hier besonders ein Kombinationspräparat in der Zusammensetzung 250 bis 265 mg Acetylsalicylsäure (ASS), 200 bis 265 mg Paracetamol und 50 bis 65 mg Koffein, wovon zwei Tabletten zu nehmen sind. Als weitere Mittel erster Wahl nennt die DKMG Ibuprofen (400 mg), Naratriptan (2,5 mg), Paracetamol (1 000 mg) und Phenazon (1 000 mg).

Triptane bei schwerer Migräne

Bei schweren Migräne-Attacken kann der Arzt Präparate aus der Wirkstoffgruppe der Triptane verschreiben. Sie wirken, indem sie die Eigenschaften des körpereigenen Botenstoffes Serotonin nachahmen, der die Weite der Blutgefäße reguliert. Triptane werden deshalb auch als Serotonin-Antagonisten bezeichnet. Es gibt sie als Tabletten, Zäpfchen, Nasensprays oder Spritzen zur Selbstinjektion. Nicht jedes Triptan wirkt bei den unterschiedlichen Migräneformen gleich gut. Auch ist die Zeitspanne, bis die Wirkung einsetzt, unterschiedlich lang und hängt mit von der Darreichungsform ab. So wirkt Sumatriptan, unter die Haut injiziert, mit zehn Minuten  bis zum Einsetzen der Wirkung am schnellsten.

Triptanbehandlung gleich zu Beginn des Migräne-Anfalls

Zwar kann mit eine Triptane-Behandlung jeder Zeit während eines Migräne-Anfalls begonnen werden. Triptane wirken jedoch umso besser, je früher sie nach Beginn der Migräne-Attacke angewendet werden.  Ob und welches Triptan wie oft im Einzelfall sinnvoll ist, sollte mit dem Facharzt geklärt werden. Denn eine zu häufige Anwendung kann erneute Kopfschmerzen auslösen.

Bei Schwangeren und Kindern ist in Bezug auf eine medikamentöse Therapie besondere Vorsicht geboten. Oft ist eine medikamentöse Therapie auch nicht nötig: Migräne-Anfälle bleiben in der Schwangerschaft in 80 Prozent der Fälle ganz aus oder treten abgeschwächt auf, und gerade bei jungen Kindern sind die Attacken meist sehr schnell wieder vorbei.

Schwangere und Kinder: Besser erst zum Arzt!

Triptane sind für Schwangere nicht zugelassen. Wenn ein Schmerzmittel eingesetzt werden soll, ist Paracetamol am geeignetsten. Bei Kindern rät die neurologische Fachgesellschaft DGN zu Ibuprofen (10 Milligramm pro Kilo Gewicht), Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr können auch mit Sumatriptan als Nasenspray behandelt werden. Bevor Schwangere oder Kinder Medikamente gegen Migräne nehmen, sollte zur Sicherheit ein Arzt konsultiert werden.

Autor: rs / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 02. September 2013
Quellen: Ärzte Zeitung, 26.06.2013, "Nadeln statt Arznei" / Ärzte Zeitung, 15.04.2013, "Schlafhormon zur Prophylaxe: Neue Optionen gegen Migräne" Leitlinien zur Therapie der Migräne, Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Stand September 2012 / Selbstmedikation bei Migräne und beim Kopfschmerz vom Spannungstyp, Evidenzbasierte Empfehlungen der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) und der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft (SKG), 2009

Neueste Fragen aus der Community
  • Migräne
    MRT Befund
    12.06.2014 | 16:40 Uhr von amy2

    Hallo, ich habe seit jahren Migräne mit Aura, alle 2 Jahre muss ich zum MRT wegen...  mehr...

  • Migräne
    MRT
    04.06.2014 | 13:48 Uhr von amy2

    Hallo, kann man bei einem MRT Schädel Durchblutungsstörungen im Gehirn erkennen?   Danke...  mehr...

Expertenrat

Sie haben eine Frage zum Thema Migräne? Im Expertenrat beantwortet ein Arzt Ihre Fragen.

mehr ...

Migränekliniken

Behandlung in Migränekliniken
Professionelle Hilfe

Nikolai Karheiding wurde in mehreren Reha-Kliniken behandelt, nicht jedoch in einer Schmerzklinik. Seine Migräne blieb: Er nahm von Jahr zu Jahr mehr Medikamente und meldete sich immer häufiger krank. Erst eine... mehr...

Migränekliniken: Wann zahlt die Kasse?
Professionelle Hilfe

Studien belegen: Kopfschmerzpatienten, die in einer Migräneklinik behandelt wurden, haben oft noch Jahre später bedeutend weniger Schmerzen. Viele Migränekranke setzen darum alle ihre Hoffnung in eine... mehr...

Migränekliniken: Therapieerfolge
Positive Umfrageergebnisse

Migränekliniken sind keine Kureinrichtungen, in denen Patienten und Ärzte einmal richtig ausspannen können: Die Patienten müssen ihr eigenes Verhalten beleuchten, genau Buch führen über Tagesablauf und... mehr...

Hören Sie zu - reden Sie mit

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Lifeline-Fan auf Facebook werden

Schwangerschaft und Kinder
  • Migräne bei Kindern erkennenKinder behandeln

    Bei der Behandlung von Migräne bei Kindern stehen an erster Stelle Ruhe, Entspan- nungsübungen und Hausmittel

  • Migräne in der Schwangerschaft behandelnIn der Schwangerschaft

    In 80 % der Fälle verschwinden die Attacken oder werden schwächer. Bestimmte Schmerzmittel sind erlaubt

Kopfschmerzen: Habe ich Migräne?

Ist es tatsächlich Migräne? Unser Selbsttest kann die Diagnose erleichtern

mehr lesen...
Weitere Behandlungsansätze
  • Mit Botox gegen Migräne?Botox gegen Migräne?

    Botulinumtoxin A wird auch bei chronischer Migräne eingesetzt – endgültige Studien- ergebnisse bleiben allerdings abzuwarten

  • Migräne therapieren mit HormonenEinsatz von Hormonen

    In manchen Fällen kann bei menstrueller Migräne der Einsatz von Hormonen sinnvoll sein

  • Hilfe bei Migräne: Sport, Entspannung & Co.Sport & Co.

    Patienten mit Migräne können auch von ergänzenden Behandlungsoptionen wie Sport profitieren

Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...