Begleitende Therapie

Die Mistel in der komplementären Krebstherapie

mistel krebs
Mistellektine sollen die körpereigene Abwehr stärken.
2009 by Lynnette Peizer, All Rights Reserved

Schon in der Antike wurde die Mistel als Heilpflanze verwendet. Eingang in die "erweiterte Heilkunst der Anthroposophischen Bewegung" fand sie im letzten Jahrhundert durch Rudolf Steiner. Die Mistel wird daher in erster Linie im Rahmen einer anthroposophischen Krebstherapie eingesetzt. Schulmediziner und Krebsexperten stehen der Misteltherapie skeptisch gegenüber.

Wichtig: Die Heilpflanze kann eine konventionelle Krebstherapie sinnvoll ergänzen, nie aber ersetzen!

Wirkung der Misteltherapie nicht zweifelsfrei bewiesen

Zwar konnten Wissenschaftler eine gewisse Immunwirkung der Mistel in Zellkulturen nachweisen. Vor allem die sogenannten Lektine, Inhaltsstoffe der Mistel, stießen auf ihr Interesse. Aber die bislang vorgelegten Therapiestudien über eine Wirksamkeit der Mistelpräparate beim Menschen halten den strengen Anforderungen an Arzneimittelstudien nicht stand.

Krebs natürlich bekämpfen: Die besten alternativen Therapien

Wichtig für die Wirkung sind nicht nur die Inhaltsstoffe der Mistel, sondern auch die Art der Zubereitung. Die Wirkstoffe heißen Viscotoxine und wirken hemmend auf die Zellvermehrung sowie Mistellektine, die das Immunsystem anregen.

Einsatzgebiete, Wirkstoffe und Darreichungsformen

Die Mistel stärkt die körpereigene Abwehr und findet neben der begleitenden Krebstherapie Anwendung in der Rheumabehandlung, in der Rekonvaleszenz nach schweren Infektionskrankheiten, zur Stärkung des geschwächten Herzmuskels, in der Behandlung des Bluthochdrucks, zur Behandlung der Fallsucht und epileptischer Zustände, als Salbe für eitrige Geschwüre und zur Stillung von Blutflüssen.

Als Tee, in der Homöopathie (Viscum album) und als Hausmittel bekannt ist die Mistel aber vor allem in der biologischen/komplementären Krebstherapie verbreitet. Eine Behandlung wird ganz persönlich angepasst. Dabei sind die Art der Erkrankung und die Persönlichkeit des Patienten von Bedeutung.

Anthroposophische Ärzte achten darauf, auf welcher Wirtspflanze die Mistel wächst. Es wird ein spezielles Injektionsprogramm aufgestellt, das im Wechsel mit Anwendung über Wochen und folgender Pause stattfindet. Die Mistelpräparate werden in unterschiedlicher Potenz (Stärke) angeboten.

So werden Mistelpräparate bei Krebs verabreicht

Derzeit sind verschiedene Mistelpräparate im Handel. Die von den Produzenten genannten Einsatzgebiete sind nicht für jedes Präparat gleich. Sie reichen von Normalisierung der Immunabwehr über Verbesserung der Lebensqualität bis hin zur unspezifischen Reiztherapie. Einige Anbieter geben eine krebshemmende Wirkung an, andere betonen vor allem eine Besserung des Allgemeinzustands und der Lebensqualität.

Abhängig vom einzelnen Präparat werden die Mistelextrakte unter die Haut gespritzt, über einen Tropf (Infusion) oder direkt in das Krebsgeschwür verabreicht.

Heilpflanzen können schulmedizinische Krebstherapie nur unterstützen

Auch die Nebenwirkungen können von Präparat zu Präparat unterschiedlich sein. So kommt es nach Angaben der Hersteller möglicherweise zu unerwünschten Ereignissen wie Rötungen an der Einstichstelle, allergische Reaktionen oder Lymphknotenschwellungen. Daneben gibt es auch aus Sicht der Produzenten verschiedene Kontraindikationen (Gegenanzeigen) für ihr jeweiliges Mittel. Dazu zählen Infektionen, Fieber oder auch bestimmte Schilddrüsenerkrankungen.

In erster Linie kommen Mistelextrakte als begleitende Therapie zum Einsatz, betonen auch die Unterstützer einer solchen Behandlungsform. Etablierte Therapien wie Operation, Chemo-, Bestrahlungs- oder Antihormon-Therapie kann sie nicht ersetzen.

Kasse zahlt in der Regel nicht für Misteltherapie

Patienten wird empfohlen, sich vor Beginn einer solchen Therapie mit dem behandelnden Arzt zu beraten und auch die Kostenübernahme durch die jeweilige Krankenkasse oder -versicherung zu klären. Denn Mistelpräparate dürfen seit einigen Jahren nur noch zur Palliativbehandlung bei Krebs per Kassenrezept verordnet werden, im Endstadium der Erkrankung also, wenn keine Chance mehr auf Heilung besteht.

Als begleitende (komplementäre) Krebstherapie, um beispielsweise die Nebenwirkungen einer Strahlen- oder Chemotherapie zu mindern und die Ausbreitung der Krebserkrankung zu unterbinden, sind Mistelpräparate seit 2011 keine Kassenleistung mehr.

Zwar ist die Misteltherapie arzneimittelrechtlich weiterhin auch für die begleitende Behandlung bei Krebs zugelassen, muss dann aber vom Patienten selbst bezahlt werden. Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr (GfBK) weist aber darauf hin, dass Kassen in allen Phasen einer Krebserkrankung die Kosten der Misteltherapie auf Antrag übernehmen können.

Auch der Dachverband Anthroposophische Medizin Deutschland (DAMiD) rät Patienten, die Kostenübernahme für eine adjuvante Misteltherapie bei ihrer Krankenkasse zu beantragen. Zeige sich die Kasse stur, gebe es in Deutschland ja glücklicherweise das Recht, die Kasse zu wechseln, so die Einschätzung des DAMiD.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 02. Dezember 2015
Durch: sw

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