Früherkennung Krebs

Was wird bei familiärer Vorbelastung empfohlen?

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Erblich vorbelastet: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Untersuchungen zur Früherkennung.
Getty Images/Hemera

Etwa jeder zwanzigste Krebs geht auf vererbbare Veränderungen in den Genen zurück. Personen mit einer familiären Vorbelastung werden besondere Maßnahmen zur Früherkennung bestimmter Krebserkrankungen empfohlen.

Die meisten Krebserkrankungen treten sporadisch auf, sind also nicht durch familiäre Vorbelastung. Nur etwa fünf Prozent, das heißt  jede zwanzigste beruht auf einer vererbbaren Neigung. In diesem Fall sind innerhalb einer Familie meist mehrere Angehörige von Krebs betroffen.

Was sind erbliche Tumorsyndrome?

Ein erbliches Tumorsyndrom, einfacher: eine familiäre Vorbelastung, liegt vor, wenn aufgrund von Veränderungen in den Erbanlagen ein erhöhtes Risiko für bestimmten Krebs besteht und diese bereits im jüngeren Lebensalter auftreten. Dabei liegt in der Regel eine Veränderung in einem bestimmten Gen vor. Meist handelt es sich um Gene, die eine Funktion in der Kontrolle des Zellzyklus oder bei der Reparatur von Erbgut-Schäden (DNA-Schäden) innehaben. Die Genveränderung betrifft alle Körperzellen, weshalb sich verschiedene Tumorarten entwickeln können und das bereits im jüngeren Lebensalter.

Die Wahrscheinlichkeit für Krebs ist unterschiedlich hoch

Bei den verschiedenen erblichen Tumorsyndromen treten charakteristische Tumoren mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit auf. So bildet sich beim Vorliegen der Anlagen für die sogenannte familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) das Krankheitsbild praktisch immer aus: Die Betroffenen leiden an unzähligen gutartigen Schleimhautpolypen im Dickdarm, die sich unbehandelt zu Krebs entwickeln. Beim Darmkrebs mit familiärer Vorbelastung ohne Polyposis, genannt hereditäres (erbliches) nonpolypöses Kolonkarzinom (HNPCC, Lynch-Syndrom), hingegen liegt die Wahrscheinlichkeit für Krebs des Dickdarmss bei 80 Prozent und für Gebärmutterkörperkrebs bei 40 Prozent, für weitere Krebsarten (zum Beispiel Magen- und Dünndarmkrebs) ist sie geringer. Bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs aufgrund von Veränderungen in den sogenannten Brustkrebsgenen BRCA1 und 2 kommt es in 60 bis 80 Prozent der Fälle zu Brustkrebs und in 30 bis 40 Prozent zu Eierstockkrebs.

Die familiäre Vorbelastung kann festgestellt werden

Wird bei einem Krebspatienten eine familiäre Vorbelastung als Ursache für das Krebsleiden festgestellt, können seine Verwandten gezielt darauf untersucht werden, ob sie auch Träger dieser Erbveränderungen mit einem erhöhten Risiko für Krebs sind. Besonders gefährdet sind in der Regel die Geschwister und Kinder des Krebspatienten. Wird die Genveränderung bei einem Verwandten ausgeschlossen, hat dieser kein erhöhtes Krebsrisiko. Wenn sie jedoch nachgewiesen wird, ist ihm die Teilnahme an speziellen Früherkennungsprogrammen zu empfehlen, um eine etwaige Krebserkrankung frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Gezielte Früherkennungsangebote gibt es für Personen mit der Anlage zum hereditären nonpolypösen Kolonkarzinom, der familiären adenomatösen Polyposis und dem familiär bedingten Brust- und Eierstockkrebs. Die Untersuchungen sollten in entsprechend spezialisierten Krebszentren durchgeführt werden.

  • Hereditäres nonpolypöses Kolonkarzinom (HNPCC, Lynch-Syndrom)

Im Vorsorgeprogramm für Personen mit familiärer Vorbelastung, die ein hohes Risiko für Kebs aufgrund der Anlage zum erblichen nonpolypösen Kolonkarzinom haben, werden ab dem 25. Lebensjahr, spätestens jedoch fünf Jahre vor dem niedrigsten Erkrankungsalter in der Familie, einmal pro Jahr folgende Untersuchungen empfohlen:

  •     eine körperliche Untersuchung
  •     eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches
  •     eine Darmspiegelung (Koloskopie)
  •     eine Urinkontrolle
  •     bei Frauen eine gynäkologische Untersuchung
  •     eventuell eine Magenspiegelung (Gastroskopie), wenn innerhalb der Familie ein Fall von Magenkrebs aufgetreten ist.

Familiäre Vorbelastung für adenomatöse Polyposis (FAP)

Personen mit der familiären Vorbelastung zur familiären adenomatösen Polyposis wird folgendes Krebs-Vorsorgeprogramm ab dem zehnten Lebensjahr einmal pro Jahr empfohlen:

  •     eine körperliche Untersuchung
  •     eine Ultraschalluntersuchung des Bauches
  •     eine Spiegelung des Enddarms (Rektoskopie)
  •     eine Darmspiegelung, wenn Polypen im Enddarm entdeckt worden sind.

Da das Risiko, bei einer FAP an Darmkrebs zu erkranken, praktisch bei 100 Prozent liegt, wird den Betroffenen empfohlen, den Dickdarm vor dem 20. Lebensjahr operativ entfernen zu lassen. Dabei bleibt in der Regel ein Teil des Enddarms erhalten, der dann weiterhin regelmäßig mittels Spiegelung untersucht werden muss. Ab dem 30. Lebensjahr sollte alle drei Jahre und beim Nachweis von Polypen einmal jährlich eine Magenspiegelung durchgeführt werden, um eventuelle Polypen im Zwölffingerdarm (Duodenum) zu entdecken.

Familiärer Brust- und Eierstockkrebs

Frauen, bei denen aufgrund einer Veränderung in den Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA 2 eine familiäre Vorbelastung für Brust- und Eierstock-Krebs festgestellt wurde, wird neben der jährlichen gynäkologischen Untersuchung folgendes Früherkennungsprogramm empfohlen:

  •     die Selbstuntersuchung der Brust einmal pro Monat nach ärztlicher Einweisung, am besten unmittelbar nach der Regelblutung
  •     eine Tastuntersuchung der Brust alle sechs Monate durch den Frauenarzt
  •     eine Ultraschalluntersuchung der Brust alle sechs Monate, beginnend ab dem 25. Lebensjahr oder fünf Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie
  •     eine jährliche Magnetresonanztomografie (MRT), beginnend ab dem 25. Lebensjahr oder fünf Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie, sie endet im Allgemeinen mit dem 55. Lebensjahr oder wenn sich das Drüsengewebe der Brust altersbedingt zurückgebildet hat
  •     eine jährliche Mammografie ab dem 30. Lebensjahr.

Autor: Kathrin Sommer
Veröffentlicht am: 14. Dezember 2010
Letzte Aktualisierung: 23. November 2011
Quellen: Propping, P.: Genetische Krebsdiagnostik. Fluch oder Segen für die Patienten? In: Der Onkologe 15(10), (2009), S. 1015-1020 Kath, R.: Krebsfrüherkennung. In: Der Onkologe 10(2), (2004), S. 175-186 Stufe-3-Leitlinie Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland. Hrsg. U.-S. Albert für die Mitglieder der Planungsgruppe und Leiter der Arbeitsgruppen Konzertierte Aktion Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland. W. Zuckschwerdt Verlag München, Wien, New York, 1. Aktualisierung 2008URL: http://www.senologie.org/download/pdf/s3_brustkrebsfrueherkennung_2008.pdf Schmiegel, W. et al.: S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“. Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) S3-Guideline „Colorectal Cancer“ 2004/2008. In: Zeitschrift für Gastroenterologie 46, (2008), S. 1-73

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