Antragstellung

Bürokratie wird zur Herausforderung für Krebspatienten

Paar informiert sich analog und digital
Viele Krebspatienten haben mit der Bürokratie zu kämpfen
Getty Images/Hemera

Täglich Post vom Versorgungsamt, der Krankenkasse oder Rehaklinik, seitenweise Anträge ausfüllen und verschicken: Welche Anforderungen in Sachen Bürokratie hat der Krebspatient im Rahmen der Therapie zu meistern? Und wo kann er Hilfe erwarten?

Eine große Herausforderung neben jener, mit der Diagnose erst einmal fertig zu werden, ist die Bürokratie, die mit einer Krebserkrankung und deren Behandlung einhergeht. Die Krebspatienten können sich damit in dieser für sie besonders schwierigen Lebenssituation leicht überfordert fühlen. Fragen über Fragen ergeben sich: „Was steht mir als Krebspatient zu?", „Wo wende ich mich hin?", „Wie ist das Antragsprozedere?".

Viele Leistungen müssen die Patienten selbst beantragen

Bürokratie begegnet dem Krebspatient im Laufe der Therapie an vielen Stellen. Für viele Behandlungen, Hilfsleistungen und medizinischen Maßnahmen müssen sie Dokumente und Unterlagen beibringen oder eigenständig Anträge bei der Krankenkasse, dem Rentenversorger oder dem Versorgungsamt stellen.

So fallen im Rahmen der ambulanten Krebstherapie meist hohe Zuzahlungskosten für die Krebsmedikamente an. Um den hohen Eigenkosten zu begegnen, sollte sich der Krebspatient rechtzeitig mit der Bürokratie auseinandersetzen und einen Antrag auf Zuzahlungsbefreiung bei ihrer Krankenkasse stellen. Zudem haben sie die Möglichkeit, sich Fahrtkosten, die im Rahmen der ambulanten Krebstherapie anfallen, erstatten zu lassen oder eine Kinderbetreuung für Kleinkinder zu beantragen, die sie aufgrund der Auswirkungen der Krebstherapie möglicherweise nicht angemessen selbst betreuen können. Möglicherweise sind auch eine Haushaltshilfe oder ambulante Pflegeleistungen nötig? Auch für diese Dinge müssen sich die Patienten an ihre Krankenkasse wenden.

Finanzielle Hilfen für den Krebspatient sind möglich

Im Rahmen der Krebstherapie können sich ferner finanzielle Engpässe ergeben, da die Patienten ihrer Arbeitstätigkeit vorübergehend oder gar nicht mehr nachkommen können. In diesem Fall können beziehungsweise müssen sie Leistungen und Hilfen zum Lebensunterhalt oder Rentenansprüche geltend machen – das Auseinandersetzen mit der Bürokratie bleibt für den Krebspatient nicht aus. Auch für den Schwerbehindertenausweis und für Rehabilitationsmaßnahmen, die aus gesundheitlichen Gründen unbedingt wahrgenommen werden sollten, sind teilweise umfangreiche Anträge nötig.

Diverse Anträge und Zuständigkeiten – Wer berät und hilft in Sachen Bürokratie?

Die Patienten sollten wissen, welche Leistungen ihnen zustehen und wo sie diese beantragen können. Die meisten Kliniken, die Krebspatienten behandeln, bieten inzwischen einen Kliniksozialdienst an. Die hier tätigen Sozialarbeiter unterstützen den Krebspatient im Umgang mit der Krankheit und ihren Folgen, so auch in Sachen Bürokratie. Die Betroffenen sollten ihren Arzt nach entsprechenden Kontaktmöglichkeiten oder einem Termin fragen. Zudem können sie sich auch an den Krebsinformationsdienst (www.krebsinformationsdienst.de) oder die Deutsche Krebshilfe (www.krebshilfe.de) wenden. Beide Einrichtungen bieten umfangreiche Informationen zu sozialrechtlichen Fragen im Internet und beraten auch telefonisch.

Die Selbsthilfegruppe als wichtiger Partner für den Krebspatient

Eine überaus wichtige Unterstützung in jeder Phase der Erkrankung sind für den Krebspatient darüber hinaus Selbsthilfegruppen. Sie bieten sowohl Hilfe in allen Fragen der Bürokratie (Wo kann ich mich hinwenden, was ist bei der Antragstellung zu beachten?) als auch Unterstützung bei wichtigen Therapieentscheidungen. In Selbsthilfegruppen werden Informationen zu neuen Therapiemöglichkeiten und Hilfen gesammelt, Erfahrungen ausgetauscht und wichtiges Wissen weitergegeben. Nötigenfalls bekommen die Patienten hier zudem Argumentationshilfen gegenüber dem Arzt und der Kasse an die Hand, die helfen können, eine Kostenübernahme für unkonventionelle Therapien und nichterstattungspflichtige Arzneimittel, die für sie infrage kommen, durch die Krankenkasse zu erwirken.

Unbedingt beachten!

Von Beginn der Therapie an sollte jeder Krebspatient darauf achten, dass er Kopien aller Befunde im Rahmen der Krebstherapie bekommt und dass Arztbesuche und Untersuchungen lückenlos dokumentiert werden. Die entsprechenden Nachweise sind später bei der Antragstellung für verschiedene Leistungen wichtig – die Bürokratie ist da streng. Die Unterlagen im Nachhinein zu besorgen, bedeutet viel Stress und führt oftmals zu langen Zeitverzögerungen.

Wichtige Anlaufstellen für Anträge und Beratung

Beratungstelefone:

Krebsinformationsdienst (KID): 0800 - 420 30 40

Deutsche Krebshilfe: 0228 - 729 90 95

Autor: Claudia Urban / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 08. Dezember 2010
Durch: Kathrin Sommer
Quellen: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, http://www.krebsinformationsdienst.de/ Deutsche Krebshilfe, http://www.krebshilfe.de/ Teleinterview mit Ursula Goldmann-Posch (Medizinjournalistin und Begründerin des Selbsthilfevereins mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V., http://www.mamazone.de/

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