Alternative Ansätze

TENS bei Kopfschmerzen

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TENS kann bei Kopfschmerzen eingesetzt werden, um mittels Elektrostimulation die Schmerzen zu lindern.
(C) Getty Images/iStockphoto

Die TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation) kann bei Spannungskopfschmerzen und Migräne ergänzend eingesetzt werden. Sie ist sehr gut verträglich und in vielen Fällen wirksam. Das Prinzip basiert auf der Gegenirritation.

Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) gehört wie die Akupunktur zu den Gegenirritationsverfahren, die im Rahmen von so genannten multimodalen Therapiekonzepten bei vielen chronischen Schmerzerkrankungen und konkret z.B. bei Migräne oder Spannungskopfschmerz zum Einsatz kommen. Diese Verfahren basieren auf dem Prinzip, den eigentlichen Schmerzreiz mit Hilfe eines lokalen Berührungs- oder Vibrationsreizes zu mindern.

Die elektrische Reizung ist in der Schmerzbehandlung zwar schon seit der Antike bekannt, doch sie gewann erst in den 60er Jahren vermehrt an Aufmerksamkeit, als Schmerz-Experten die so genannte Gate-Control-Theorie entwickelten. Demnach werden die Signale von Schmerzen und beispielsweise Berührungen/Vibrationen über unterschiedliche Nerven ins Gehirn transportiert. Dabei können - vereinfacht gesagt - die Nerven, die auf die Berührungs-/Vibrationsreize reagieren, gleichzeitig die Weiterleitung von Schmerzreizen aus derselben Region unterdrücken. Heute wird darüber hinaus angenommen, dass die Berührungs-/Vibrationsreize außerdem auf verschiedenen Ebenen die körpereigene Schmerzkontrolle aktivieren und zur Endorphin-Ausschüttung führen. Dadurch werden auch Schmerzreize aus derselben Region gemindert.

Therapie auch zu Hause möglich

In der praktischen Anwendung werden bei der TENS normalerweise über dem schmerzhaften Areal oder den entsprechenden Nerven spezielle Elektroden aufgeklebt und elektrisch stimuliert. Die Stimulation löst den Vibrationsreiz aus, der wiederum den eigentlichen Schmerzreiz mindern soll. Inzwischen steht eine Vielzahl von Geräten zur Verfügung, die sehr unterschiedliche Stimulationsarten ermöglichen und nach einer entsprechenden Einweisung vom Patienten selbst bedient werden können. Viele von ihnen sind klein, handlich, batteriebetrieben und programmierbar, so dass sie ohne größere Umstände mitgenommen und beispielsweise auch bei der Arbeit eingesetzt werden können.

Stimulationsverfahren unterscheiden sich in Frequenz und Intensität

Bei der Stimulation sind hauptsächlich zwei Verfahren zu unterscheiden. Die Standardtherapie erfolgt mit hoher Frequenz und niedriger Intensität - mit anderen Worten: in der Regel verspürt der Patient ein Kribbeln, ohne dass es zu Schmerzen und Zuckungen der Muskulatur kommt. In diesem Fall verschwindet die Schmerzlinderung häufig kurz nach dem Ende der Stimulation wieder.

Die akupunkturähnliche TENS arbeitet demgegenüber mit niedriger Frequenz und gerade noch tolerabler, hoher Intensität, so dass sie bei jedem Impuls motorische Zuckungen auslöst. Sie ist beispielsweise notwendig, wenn der Patient Sensibilitätsstörungen hat, weil die Standarttherapie dann nicht wirkt. Außerdem treten die schmerzlindernden Effekte bei diesem Verfahren zwar verzögert ein, bleiben jedoch nach Ende der Stimulation oft noch länger erhalten.

Unabhängig von diesen Grundprinzipien variieren bei modernen Geräten die Reizmuster regelmäßig, damit sich bei längerfristiger Anwendung keine Gewöhnungseffekte einstellen, die die Wirksamkeit mindern.

Behandlungserfolge bei bis zu 75 Prozent der Patienten

Grundsätzlich kann die TENS bei allen Schmerzerkrankungen ausprobiert werden. In unterschiedlichen Untersuchungen haben betroffene Patienten in 30 bis 75 Prozent der Fälle angegeben, die Methode hätte ihre Schmerzen gelindert. Besonders erfolgreich scheint die Behandlung bei Nerven-Schmerzen zu sein, aber auch bei anderen chronischen Schmerzen wie Tumor-, Muskel-, Rücken-, Phantom- und Gelenkschmerzen sowie bei Spannungskopfschmerzen und Migräne ist sie bereits erfolgreich eingesetzt worden.

TENS ist sehr gut verträglich

Die elektrische Stimulation hat neben ihrer Wirksamkeit den Vorteil, sehr gut verträglich und nahezu nebenwirkungsfrei zu sein. Nur bei Patienten mit Herzschrittmachern oder größeren Metallimplantaten ist Vorsicht geboten. Des Weitern können Hautirritationen, Epilepsien, Aversionen gegen Elektrizität und psychisch bedingte Schmerzsyndrome gegen den Einsatz der TENS sprechen.

Behandlung individuell abstimmen

Normalerweise sollte der Arzt zunächst individuell die optimale Wirkung der TENS mit Hilfe eines Leihgerätes anpassen. Dabei hat es sich als hilfreich erwiesen, den Schmerz bzw. den Effekt der Therapie standardisiert, beispielsweise mit einem Schmerztagebuch, zu erfassen, um den Erfolg einschätzen zu können.

Spricht die Behandlung an und kommt der Patient mit der Methode und dem Gerät zurecht, kann ein Antrag auf Übernahme der Kosten für das Gerät durch die jeweilige Krankenkasse gestellt werden. Die Dauer der Behandlung und die Zeit zwischen zwei Sitzungen hängt von der Art der Stimulation ab. Bei der Standardtherapie erfolgt sie in der Regel mehrmals am Tag für jeweils etwa 30 Minuten.

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2012
Quellen: Therapie chronischer Schmerzen. W. Striebel, Schattauer Verlag, Stuttgart, 2002. Behandlung chronischer Schmerzzustände in der Praxis. H. Kayser, Uni-Med Verlag, Bremen, 2001. Lehrbuch der Schmerztherapie. Hrgs: M. Zenz, I. Jurna, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2001. TENS - Transkutane elektrische Nervenstimulation. StK - Zeitschrift für angewandte Schmerztherapie 4/2001.

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