Anwendung

Hormonspirale bei abgeschlossener Familienplanung

Älteres Paar blickt in die Zukunft
Eine Sterilisierung sollte gut überlegt sein.
Getty Images/Hemera

Viele Frauen mit abgeschlossener Familienplanung wollen nicht mehr verhüten und tendieren zu einer Sterilisierung. Doch dieser Schritt sollte gut überlegt sein. In manchen Fällen stellt die Hormonspirale eine Alternative dar.

Bei der Sterilisierung der Frau werden beide Eileiter verschlossen und zum Teil zusätzlich durchtrennt. Die Eizelle gelangt nur noch bis zur Unterbrechungsstelle und kann sich nicht mehr mit der Samenzelle vereinigen. Eine Befruchtung der Eizelle wird so unmöglich, was die Frau sicher vor einer Schwangerschaft schützt. Eine Sterilisierung kann aus medizinischen Gründen angeraten sein, etwa wenn Schwangerschaft und Geburt ein gesundheitliches Risiko für die Frau bedeuten. Zum anderen kann sie auf Wunsch der Frau erfolgen, wenn die Familienplanung sicher abgeschlossen ist und eine andere Verhütungsmethode nicht infrage kommt.

Chirurgische Verfahren der Sterilisierung

Am häufigsten angewendet wird heute die Methode mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie). Sie wird zumeist unter Kurznarkose ambulant durchgeführt. Über einen kleinen Schnitt am Bauchnabel werden ein optisches Gerät mit einer kleinen Videokamera und über weitere kleine Schnitte spezielle Instrumente eingeführt. Im Anschluss werden beide Eileiter durch Hitze oder Strom verschmolzen (Koagulation) oder mit einem Kunststoff-Titan-Clip verschlossen. Zusätzlich kann eine Durchtrennung der Eileiter erfolgen. Der Schutz vor einer Schwangerschaft tritt unmittelbar nach der Operation ein. Die Kosten für die Sterilisierung belaufen sich auf etwa 600 bis 1.000 Euro. Diese muss die Frau in voller Höhe selbst tragen, es sei denn, es handelt sich um einen Eingriff aus streng medizinischen Gründen.

Sterilisation ist sehr sicher, aber nicht 100 Prozent sicher

Die Sterilisation ist eine sehr sichere Verhütungsmethode. Die Versagerquote der in Deutschland gängigsten Verfahren (Elektrokoagulation) beläuft sich auf ein bis zwei Fälle unter 1.000 durchgeführten Operationen. In anderen Ländern, z. B. den USA, wurde über höhere Versagerquoten berichtet, u. a. weil der Eingriff hier häufiger bereits bei jüngeren Frauen durchgeführt wird. Studien zufolge variiert das Risiko für den Eintritt einer ungewollten Schwangerschaft in Abhängigkeit vom Alter und der angewendeten Methode. In der Altersgruppe von 18 bis 33 Jahre liegt die Versagerquote deutlich höher als im Alter zwischen 34 und 44 Jahren.

Kommt es nach erfolgter Sterilisation in Ausnahmefällen trotzdem zu einer Schwangerschaft, ist der Anteil von Eileiter- und Bauhöhlenschwangerschaft deutlich erhöht. Betroffen sind in Deutschland mehr als die Hälfte aller Versagensfälle. Diese sogenannten extrauterinen Schwangerschaften („außerhalb der Gebärmutter“) stellen eine Komplikation dar und erfordern eine Operation.

Das Operationsrisiko bei Sterilisationsverfahren ist eher gering

Operationsbedingte Komplikationen wie eine Verletzung von Gefäßen, Darmläsionen oder andere Verletzungen angrenzender Organe sowie eine Funktionseinschränkung der Eierstöcke wegen verminderter Blutzufuhr und damit verbunden eine vorzeitige Menopause können vorkommen, treten bei den genannten Sterilisationsverfahren jedoch mehr oder weniger selten auf. Am geringsten ist das Risiko bei Anwendung der Clip-Methode, bei der darüber hinaus auch die Wiederherstellung der Fruchtbarkeit (Refertilisation) den größten Erfolg verspricht. Allerdings ist die Versagerquote bei der Clip-Methode wiederum deutlich höher als beim Koagulationsverfahren.

Pro und kontra der Sterilisierung

Die Sterilisierung bietet, einmal durchgeführt, in der Regel einen sehr sicheren und zeitlich unbegrenzten Schutz vor einer Schwangerschaft. Abgesehen von operativen Komplikationen, die selten vorkommen, beeinflusst sie als Verhütungsmethode andere Organsysteme nicht. Dennoch sollte ein solcher Schritt gut überlegt sein. Eine Sterilisierung lässt sich nur mit großem Aufwand wieder rückgängig machen und ist mit hohen Kosten für die Frau verbunden. Ein Erfolg ist dadurch nicht garantiert und in Abhängigkeit vom Verfahren nur bei einem mehr oder weniger großen Prozentsatz der Frauen gegeben.

Im Zweifelsfall lieber Alternativen wählen

Unterschiedlichen Studien zufolge bereuen etwa drei bis 14 Prozent der Frauen, die eine Sterilisierung durchführen lassen, später ihre Entscheidung, darunter besonders viele jüngere Frauen. Andere Quellen gehen von noch höheren Quoten aus. Daher wird die Operation in Deutschland Frauen unter 30 Jahren allein zu Verhütungszwecken nicht empfohlen.

Veränderte Lebensziele und -situationen können zu einem Überdenken der Entscheidung und späterem Kinderwunsch führen. Eine umfassende Beratung und gründliche Analyse der Situation sollten einer Sterilisierung daher immer vorausgehen. Selbst bei geringem Zweifel sollte eine andere Verhütungsmethode gewählt werden. Beispielsweise stellt die Hormonspirale eine Alternative dar, die - einmal angewendet - eine sichere Langzeitverhütung über fünf Jahre ermöglicht.

Autor: Claudia Urban
Letzte Aktualisierung: 15. Januar 2012
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF): Stellungnahme zur kontrazeptiven Sicherheit der Tubensterilisation. Stand: August 2008, URL: http://www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/2-4-2-tubensterilisation-2010.pdf; Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF), des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF): Empfängnisverhütung - Familienplanung in Deutschland. Stand: August 2006; Grüne, B.; Gröger, S.: Definitive Kontrazeption der Frau. In: Diedrich, K.; Holzgreve, W.; Jonat, W.; Schultze-Mosgau A., Schneider, K.-T. M. und Weiss J. M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Aufl. Heidelberg: Springer 2007, S. 157-159; Bohlmann, M.K. et al: Kinderwunsch nach tubarer Sterilisation. In: Der Gynäkologe 2 (2010), S. 118-123

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