Übertragungswege

Ansteckung mit Hepatitis B: Wie kommt es dazu?

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Die Ansteckung mit Hepatitis B erfolgt meistens über sexuelle Übertragung.
(c) Stockbyte

Die Ansteckung mit Hepatitis-B-Viren (HBV) erfolgt durch Blut und andere Körperflüssigkeiten wie Sperma oder Speichel. Schon kleinste Mengen Blut können für eine Ansteckung genügen.

Die Gefahr, sich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr eine HIV-Infektion zuzuziehen, ist allseits bekannt. Was viele nicht wissen: Zur Ansteckung können auch die Erreger der Hepatitis B auf diesem Weg übertragen werden. Schätzungen zufolge spielt hierzulande bei mehr als zwei Dritteln der Neuinfektionen die sexuelle Übertragung eine Rolle.

Das einzige natürliche Reservoir für Hepatitis-B-Viren ist der Mensch. Eine Ansteckung Hepatitis B durch den Kontakt mit Tieren ist damit praktisch ausgeschlossen. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten.

Ansteckung mit Hepatitis B durch Blut – schon kleinste Mengen genügen

Hepatitis B-Viren erreichen im Blut eine hohe Konzentration. Aus diesem Grund reichen bereits kleinste Mengen Blut aus, um eine Ansteckung mit Hepatitis B zu verursachen und den Erreger zu übertragen. Voraussetzung dafür ist, dass das infizierte Blut über Verletzungen der Haut oder Schleimhaut in den Körper gelangt. Dabei muss es sich nicht um eine große Verletzung handeln, schon kleine Haut- oder Schleimhautrisse können die Eintrittspforte für fremdes, mit Hepatitis B infiziertes Blut bilden.

Früheres Risiko Blutkonserve gilt heute als sicher

Besonders für eine Infektion gefährdet sind daher Personen, die mit Fremdblut bzw. mit Gegenständen, an denen sich Fremdblut befinden kann, in Berührung kommen. Ein häufiger Übertragungsweg für die Ansteckung mit Hepatitis B war bis Anfang der 1980er Jahre die Behandlung mit Blut oder Blutprodukten in Form von Bluttransfusionen. Durch die Einführung spezieller Tests auf Virusbestandteile im Spenderblut konnte das Ansteckungsrisiko deutlich gesenkt werden. Heute wird das Restrisiko, dass eine unerkannt infektiöse Vollblutspende geleistet wird, auf 1:250.000 bis 1:500.000 geschätzt. Produkte, die Bestandteile von Blutplasma enthalten, gelten dank neuer Test- und Inaktivierungsverfahren praktisch als 100 Prozent virusfrei.

Infektionsquelle verunreinigte Spritzenbestecke

Eine weitere häufige Infektionsquelle bei der Übertragung von Hepatitis B-Erregern sind mit Blut kontaminierte Gegenstände. Schon kleinste Blutmengen genügen für eine Ansteckung. Daher kann etwa der gemeinsame Gebrauch von Spritzen und Kanülen durch Drogenabhängige zu einer Infektion führen, wenn die Instrumente nicht nach jedem Gebrauch sorgfältig gereinigt werden. Es wird vermutet, dass auch schlecht gereinigtes Besteck für Tätowierungen, Piercing oder Ohrlochstechen sowie operative medizinische und zahnmedizinische Eingriffe, bei denen Hygienevorschriften nicht eingehalten werden, eine potenzielle Infektionsquelle für die Ansteckung mit Hepatitis B darstellen.

Welches Risiko haben Dialysepatienten?

Eine besonders gefährdete Personengruppe für die Ansteckung mit Hepatitis sind Dialysepatienten, die sich aufgrund von Nierenerkrankungen regelmäßigen Blutwäschen unterziehen müssen. Dank neuer Dialysetechniken, des Einsatzes von Wegwerfmaterialien für den einmaligen Gebrauch und aufwendiger Reinigungsverfahren der dabei eingesetzten Maschinen ist auch in diesem medizinischen Bereich das Ansteckungsrisiko deutlich geringer geworden.

Heute am häufigsten: Der sexuelle Übertragungsweg

Nicht nur Blut, auch andere Körperflüssigkeiten wie Sperma, Scheidensekret, Tränenflüssigkeit, Speichel und das sogenannte Colostrum, die Erstmilch nach der Geburt, können die Viren enthalten. Hier ist die Konzentration der Erreger allerdings in der Regel geringer als im Blut. Dennoch ist eine Ansteckung über diese Körperflüssigkeiten möglich. Schätzungen zufolge gehen sogar 60 bis 70 Prozent, also der größte Anteil aller Neuinfektionen mit Hepatitis B, heute auf eine sexuelle Übertragung zurück, wobei Geschlechtsverkehr ohne die Benutzung von Kondomen vermutlich die größte Rolle spielt. Zudem ist eine Ansteckung mit Hepatitis B möglich, wenn ein Kontakt infizierter Körperflüssigkeiten mit verletzter Haut oder Schleimhaut zustande kommt, z.B. innerhalb der Familie, in Einrichtungen für Kinder oder in Behinderten-Wohngemeinschaften.

Übertragung während Geburt und Schwangerschaft

Auch die Übertragung einer Hepatitis-B-Infektion auf Neugeborene durch die Mutter unmittelbar während der Geburt ist möglich. Ist eine Schwangere mit Hepatitis B infiziert, ist eine Ansteckung des Kindes mit Hepatitis B sehr wahrscheinlich. Eine Infektion des Kindes kann jedoch fast immer verhindert werden, wenn sofort nach der Geburt eine vorbeugende Impfung des Kindes erfolgt.

Autor: Kathrin Sommer
Veröffentlicht am: 29. Juni 2009
Letzte Aktualisierung: 10. Mai 2012
Quellen: Nach Informationen von "Hepatitis B. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte", Hrg. Robert Koch-Institut (Stand: August 2004); Epidemiologisches Bulletin 46/2008, Robert Koch-Institut sowie AWMF-Leitlinie Nr. 021/011 "Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virus-(HBV-) Infektion", Z Gastroenterol 2007, 45:1-50

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