Gegen chronische Hepatitis B meist Medikamente
Chronischen Hepatitis B wird mit Mitteln behandelt, die gezielt gegen die Viren wirken. Bei der akuten Form reichen meist einfache Behandlungsmaßnahmen aus, die oftmals eine vollständige Genesung herbeiführen.
Die Hepatitis B ist eine Krankheit, die in den meisten Fällen (zu 90 Prozent) akut, also vorübergehend, auftritt. Bis zu zehn Prozent der Fälle münden jedoch in chronische Hepatitis B. Die akute und chronische Verlaufsform der Hepatitis B wird – in Abhängigkeit vom aktuellen Krankheitsgeschehen – unterschiedlich behandelt.
Akute Hepatitis B: Bettruhe, kein Alkohol und gesunde Kost
Gegen akute Hepatitis B reichen in der Regel allgemeine Maßnahmen aus, um den Patienten Linderung zu verschaffen und die Krankheit abheilen zu lassen. Empfohlen werden Bettruhe sowie eine kohlenhydratreiche, fettarme Kost. Letztere hat zwar keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf, wird aber von vielen Betroffenen als angenehm empfunden. Alkohol sollte, solange die akute Leberentzündung andauert, nicht getrunken werden. In den meisten Fällen ist kein Krankenhausaufenthalt notwendig.
Nur selten kommt es zu schweren akuten Verläufen, bei denen das Lebergewebe durch die Entzündung stark angegriffen wird und Blutgerinnungsstörungen auftreten können. In diesen Fällen wird neben intensivmedizinischen Maßnahmen auch der Einsatz antiviraler Mittel notwendig.
Chronische Hepatitis B: Sind Medikamente nötig?
Auch wenn die Krankheit in eine chronische Hepatitis B verläuft, muss nicht immer medikamentös behandelt werden. Treten keine Symptome auf, reichen regelmäßige Kontrollen der Leberwerte aus, um den Krankheitsverlauf zu überwachen. Betroffene sollten aber auf eine gesunde und leberschonende Ernährung achten.
Ist die Leberentzündung hingegen aktiv, dies heißt, wenn Symptome wie Gelbfärbung der Haut, Unwohlsein, Erbrechen und Durchfall auftreten, das Risiko für eine Leberzirrhose besteht oder sich bereits eine Zirrhose gebildet hat, sollte eine gezielte Behandlung mit antiviral wirkenden Mitteln erfolgen. Ziel der Therapie ist es, die Zahl der Viren deutlich zu reduzieren und damit die Entzündung in der Leber einzudämmen. Auch ist eine Kontrolle für chronische Hepatitis B durch eine solche Behandlung ist möglich.
Anivirale Mittel gegen Hepatitis B
Interferon-alpha (IFN-α), ein Botenstoff des Immunsystems, der die Abwehrzellen stimuliert, kann den Verlauf einer chronischen Hepatitis B günstig beeinflussen. Das Medikament wird über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten einmal täglich oder dreimal pro Woche unter die Haut gespritzt. Bei einem Drittel bis der Hälfte der Patienten können die Viren durch diese Behandlung zurückgedrängt werden. Die Patienten bleiben zwar Träger des Virus, die Krankheit verursacht aber keine Symptome mehr.
Eine neuere Entwicklung sind die sogenannten Nukleosidanaloga, zu denen Entecavir, Lamivudin und Telbivudin zählen, sowie Nukleotidanaloga dazu gehören Adefovir und Tenofovir. Sie weisen ähnliche Eigenschaften wie bestimmte Virusbestandteile auf. Die Wirkstoffe konkurrieren mit den natürlichen Bestandteilen um die Bindungsstellen der für die Vermehrung der Viren zuständigen Enzyme und führen dadurch zum Abbruch der Virus-Reproduktion. Diese Mittel gibt es in Form von Tabletten. Sie sind selbst über die lange Therapiedauer von bis zu sechs Monaten gut verträglich und können auch eingesetzt werden, wenn bereits schwere Leberschäden vorliegen.
Welches Präparat infrage kommt, entscheidet der Facharzt je nach Krankheitsfall und persönlichen Voraussetzungen.
Wenn die Leber versagt
In sehr schweren Fällen kann eine chronische Hepatitis B die Leber so stark schädigen, dass diese funktionsuntüchtig wird. Als letzter Ausweg bleibt dann oftmals nur eine Lebertransplantation. Um zu verhindern, dass die transplantierte Leber nach der Operation sofort infiziert wird, muss eine vorbeugende Impfung gegen HBV in Kombination mit der Gabe von antiviralen Mitteln erfolgen.
