Mehr Leistungen für Basaliom-Betroffene

Heller Hautkrebs ab 2015 Berufskrankheit

Plattenepithelkarzinom und Vorstufen kommen in die Berufskrankheitenliste

2015 wurde das Plattenepithelkarzinom und seine Vorstufe, die aktinische Keratose, in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Wer beruflich viel im Freien tätig ist und an diesen Formen des hellen Hautkrebs erkrankt, kann somit Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung beanspruchen.

Heller Hautkrebs ab 2015 Berufskrankheit
Wer viel im Freien arbeitet, hat ein höheres Hautkrebsrisiko. Deshalb werden bestimmte Hautkrebsformen als Berufskrankheit anerkannt.
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Zum 1. Januar 2015 wird das Plattenepithelkarzinom, auch als spinozelluläres Karzinom, Spinaliom oder Stachelzellkrebs bekannt, in die Berufskrankheitenliste aufgenommen. Multiple oder flächig auftretende aktinische Keratosen, eine Vorstufe des Plattenepithelkarzinom, sollen zum Jahreswechsel ebenfalls Eingang in die Berufskrankheitenliste finden.

Mehr Leistungen bei Anerkennung einer Berufskrankheit

Damit haben Menschen, die berufsbedingt über Jahre hinweg regelmäßig der Sonne ausgesetzt sind, beim Auftreten dieser Formen des hellen Hautkrebs Anspruch auf Überprüfung ihres Falls durch die gesetzliche Unfallversicherung. Erkennt die gesetzliche Unfallversicherung den Hauttumor beziehungsweise seine Vorstufen dann als beruflich verursacht an, kommt nicht mehr die Krankenversicherung, sondern die Unfallversicherung für die Behandlung der Erkrankung auf. Die Leistungen der Unfallversicherung sind dabei weitreichender als die der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung und können auch Reha- und berufliche Maßnahmen bis hin zu einer Rentenzahlung einschließen.

Unfallversicherung zahlte bereits vorher in Einzelfällen

Bereits vor der Einführung der neuen Berufserkrankung wurden in Einzelfällen bisher 100.000 Euro "Verletztenrente" an Patienten gezahlt, berichtet die Universität Osnabrück in einer Presseinformation. Die Unfallversicherung rechne aber bereits mit Mehrkosten von rund 20,5 Millionen Euro pro Jahr für hellen Hautkrebs, heißt es darin.

Die Anerkennung der neuen Berufskrankheit bedeutet nicht nur die Chance auf bessere Leistungen für Betroffene. Professor Swen Malte John, Hautarzt und Wissenschaftler an der Universität Osnabrück, erhofft sich dadurch auch mehr Bewusstsein für die Gefahren intensiver Sonnenbestrahlung und für Präventionsmöglichkeiten. Oft wüssten Bauarbeiter, die bei 30 Grad ohne Kopfschutz und Hemd arbeiteten, gar nicht, welches Risiko sie eingingen, ist seine Erfahrung. Auch sei die Intensität der Sonneneinstrahlung, der Angehörige bestimmter Berufe ausgesetzt sind, noch nicht genügend untersucht.

Achtfache Sonnenbrand-Dosis an einem Tag

Laut Informationen der Universität Osnabrück hat die Forschung mit Dosimetern gerade erst begonnen. Dabei handelt es sich um kleine Geräte, die UV-Strahlung messen. Bei Straßenbauarbeitern in Bayern, die in diesem Sommer diese Messgeräte trugen, habe man über den Tag eine UV-Strahlung gemessen, die um das Achtfache über der Dosis für einen Sonnenbrand lag, teilte die Universität mit. Die Folgen in Form von Hautkrebs auf besonders exponierten Hautarealen wie Kopfhaut, Gesicht und Handrücken zeigen sich jedoch meist erst Jahrzehnte später.

Zwei- bis dreifaches Hautkrebsrisiko für bestimmte Berufsgruppen

Personengruppen, die während ihrer Arbeit besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, werden in der "Wissenschaftlichen Begründung für die Berufskrankheit Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung" aufgezählt. Demnach sind dies unter anderem Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei und Seefahrt, im Baugewerbe und Handwerk wie zum Beispiel Bauarbeiter, aber auch Dachdecker, Zimmerleute, Maurer, Stahlbauschlosser und Schweißer an Brücken sowie Straßenarbeiter. Ein weiterer Bereich mit Tätigkeiten im Freien ist die Freizeitindustrie; betroffen sind hier beispielsweise Bademeister oder Bergführer. Sie alle tragen im Vergleich zu in Gebäuden Tätigen ein zwei- bis dreifaches Risiko für ein Plattenepithelkarzinom.

Verdacht auf berufsbedingten Hautkrebs der Unfallversicherung melden

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Wer in diesen Bereichen tätig ist und an einem Plattenepithelkarzinom erkrankt oder multiple aktinische Keratosen entwickelt, kann dies künftig leichter als Folge seines Berufs bei der Unfallversicherung geltend machen. Dazu genügt zunächst eine einfache und formlose entsprechende Meldung des Betroffenen bei seiner Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse. Oft erfolgt die Meldung aber durch den Arzt, der die Diagnose gestellt hat, oder den Arbeitgeber; beide sind zur Anzeige bei Verdacht einer Berufskrankheit verpflichtet.

Darauf folgt wie bei jeder Anzeige eines Verdachts auf Berufskrankheit ein Prüfungsverfahren seitens der Unfallversicherung, mit dem ermittelt wird, ob der helle Hautkrebs tatsächlich beruflich bedingt ist.

Vorbeugen bei beruflich bedingtem Hautkrebsrisiko besonders wichtig

Besser als jede Leistung der Unfallversicherung bei einem als Berufskrankheit anerkannten Plattenepithelkarzinom oder multiplen aktinischen Keratosen ist aber, diese erst gar nicht zu bekommen. Wer im Freien arbeitet, sollte deshalb die Vier-H-Regel berücksichtigen: Hemd, Hose, Hut und hoher Lichtschutz. Auch regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen sind wichtig, um Hautkrebs – egal welcher Form – gar nicht erst eine Chance zu geben. Schließlich wird die häufigste Form des Hautkrebses, das Basaliom, ebenfass durch häufige und intensive Sonnenbestrahlung begünstigt, obwohl es nicht als Berufskrankheit gilt. Regelmäßige Haut-Checks ermöglichen zudem die Früherkennung des Melanoms, dem gefährlichsten Hautkrebstyp, der ebenfalls nicht als Berufskrankheit durch natürliche UV-Strahlung anerkannt ist.

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. November 2014
Quellen: Hautkrebs wird als Berufskrankheit anerkannt: Dermatologe der Uni Osnabrück zeigt sich zufrieden, Pressemitteilung der Universität Osnabrück vom 04.11.2014; Wissenschaftliche Begründung für die Berufskrankheit „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung“, Bekanntmachung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 01.07.2013; Informationen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung Spitzenverband (DGUV)

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