Berühmte Irrtümer

Erkältungsmythen: Märchen oder Wahrheit?

Populäres Halbwissen rund um Erkältungen auf dem Prüfstand

nerd mit erkältung
Schnäuzen oder Hochziehen, Pillen oder heiße Zitrone, Sport oder Sauna? In unserem Erkältungsmythen-Check erfahren Sie es.
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Sport oder Sauna – was hilft bei Schnupfen? Und können Zink und Vitamin C die Erkältung kurieren? Wir räumen mit Halbwissen rund um grippale Infekte auf.

Im Herbst und Winter haben Erkältungen (grippale Infekte) Hochsaison. Doch auch im Sommer fangen sich viele einen Schnupfen ein, die sogenannte Sommergrippe. Aber wie war das nochmal mit dem Hochziehen – ist es nun gesund oder schädlich? Wohin mit gebrauchten Taschentüchern? Und ist Sport mit einer Erkältung gefährlich? Lifeline räumt mit Mythen rund um die Erkältung auf, damit Sie schneller wieder gesund werden, falls Sie ein grippaler Infekt erwischt hat!

Erkältet? Das sollten Sie wissen

Mythos 1: Antibiotika helfen gegen Schnupfen

Stimmt in der Regel nicht. Der Schnupfen wird überwiegend durch Viren (Rhinoviren) verursacht und nicht durch Bakterien. Da Antibiotika gegen Viren unwirksam sind, können sie bei einer Erkältung meist nichts ausrichten. Studien haben gezeigt: Die Heilungsdauer einer Nasennebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis) unterscheidet sich mit und ohne Gabe von Antibiotika nicht. Trotzdem werden sie vielfach auf Verdacht verordnet – ohne den gewünschten Effekt.

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Um zu verhindern, dass sich der Schnupfen festsetzt und auf die Nasennebenhöhlen ausweitet, müssen die Atemwege schnell wieder belüftet werden. Hier können pflanzliche Naturheilverfahren helfen. Antibiotika helfen ausschließlich bei einer bakteriellen Infektion der Atemwege, die manchmal auf einen viralen Schnupfen "oben drauf" kommt. Dann ist es gerechtfertigt, wenn der Arzt Ihnen Antibiotika verordnet, um die bakterielle Superinfektion zu bekämpfen.

Mythos 2: Küssen ist bei einer Erkältung tabu

Zwar werden beim Küssen durchaus Bakterien und Viren übertragen, doch die Gefahr, sich dabei anzustecken, ist vergleichsweise gering. Das liegt vermutlich daran, dass die übertragenen Erkältungsviren mit dem Speichel in den Magen transportiert und dort zersetzt werden. Bei Husten und Schnupfen sollte also keinesfalls Kussverbot gelten. Im Gegenteil: Küssen ist sogar gesund, denn es kurbelt das Immunsystem an. Durch den Austausch unterschiedlicher Bakterien wird die Produktion von Antikörpern angeregt und die Abwehr gestärkt.

Mythos 3: Taschentücher sind ansteckend

Stimmt! An dem eigenen benutzten Taschentuch kann man sich zwar nicht wieder anstecken, der Körper ist rund sechs Wochen gegen den Virustyp der aktuellen Erkältung immun. Andere Personen können sich jedoch durchaus an fremden Taschentüchern infizieren. Aus diesem Grund gehören benutzte Tempos direkt in den Müll, am besten in einen Eimer mit Deckel oder gleich in die Tonne oder Toilette.

Mythos 4: Heiße Zitrone lindert Erkältungen

Zitrusfrüchte, Hagebutten, Sanddorn und Johannisbeeren enthalten sehr viel Vitamin C, welches das Immunsystem unterstützt - nicht nur bei einer Erkältung. Ein Vitamin-C-Mangel ist aber sehr, sehr selten. Zudem zerfällt der Vitalstoff bei hohen Temperaturen. Vollkommen zerstört wird er aber erst ab knapp 200 Grad.

In einer heißen Zitrone bleibt damit der Großteil (70 bis 80 Prozent) der Ascorbinsäure erhalten. Maximieren können Sie die Konzentration, indem Sie das kochende Wasser ein paar Minuten abkühlen lassen, bevor Sie die heiße Zitrone aufgießen. Und selbst, wenn das ganze Vitamin C verloren ginge: Allein die Wärme des Getränks empfinden Schnupfengeplagte nach einer Studie übrigens als wohltuend. Erkältungssymptome wie Halsschmerzen und Schnupfen plagten sie weniger, nachdem sie das Heißgetränk genossen hatten.

Mythos 5: Nase hochziehen ist ungesund

Im Schnitt verbringt ein Deutscher zwei bis drei Jahre mit laufender Nase. Das führt zur ewigen Streitfrage: das Nasensekret hochziehen oder in ein Taschentuch entsorgen? Generell ungesund ist Hochziehen jedenfalls nicht, im Gegenteil. Es wird aber von anderen oft als eklig empfunden. Schaden kann es hingegen, zu kräftig zu schnäuzen: Das führt zu einem enormen Druckaufbau im Nasen-Rachen-Raum, der häufig zehnmal so stark ist wie ein Niesen. Das Naseputzen drückt das Sekret nicht nur Richtung Nasenausgang, sondern auch in die Nasennebenhöhlen. Die Viren können sich verbreiten und eine Nasennebenhöhlenentzündung auslösen.

Letzteres passiert beim vorsichtigen Hochziehen eher nicht, hier wird das Sekret im Magen unschädlich gemacht. Übrigens lässt sich das geräuscharm und unauffällig erledigen. Wer trotzdem lieber schnäuzt, sollte sehr behutsam vorgehen, sich jeweils ein Nasenloch zuhalten und mit wenig Druck arbeiten.

Mythos 6: Vitamin C beugt einer Erkältung vor

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Das ist ein Irrtum. Der Mensch braucht Vitamin C für ein funktionierendes Immunsystem. Eine vorbeugende Wirkung gegen eine Erkältung durch die vermehrte Einnahme von Vitamin C konnte allerdings nicht nachgewiesen werden. Die Vitamin-Menge, die über die tägliche Nahrung aufgenommen wird, ist völlig ausreichend. Überschüssiges Vitamin C scheidet der Körper ungenutzt aus.

Mythos 7: Zink hilft gegen Erkältungen

Stimmt: In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass Erkältungen im Schnitt einen vollen Tag kürzer dauerten, wenn die Schnupfenpatienten Zinkpräparate einnahmen.

Bitte blättern: Auf Seite 2 finden Sie sechs weitere Mythen rund um Erkältung – von Sauna über Sport bis hin zum richtigen Niesen.

 

Mythos 8: Sauna fördert den Heilungsprozess

Die Erkältung in der Sauna ausschwitzen? Nein. Regelmäßige Saunagänge stärken das Immunsystem und beugen einer Erkältung vor. Sind Schnupfen und Husten bereits ausgebrochen, wird die Abwehr durch Hitze und das kalte Duschen zusätzlich geschwächt und der Körper stark belastet. Wohltuende Wärme spendet ein kurzes Erkältungsbad. Die Badetemperatur sollte zwischen 35 und 38 Grad Celsius liegen, die Badedauer rund 20 Minuten nicht übersteigen. Bei Fieber ist von einem heißen Bad unbedingt abzuraten.

Mythos 9: Sport schadet bei Erkältung nicht

Stimmt nicht. Sport kann den erkrankten Körper weiter schwächen und es drohen ernsthafte Folgeerkrankungen wie eine Bronchitis, Lungen- oder Herzmuskelentzündung. Kurieren Sie Ihre Erkältung vollständig aus, bevor Sie aktiv werden. Tabu ist Bewegung mit Schnupfen aber keineswegs: Stramme Spaziergänge an der frischen Luft tun fast immer gut. Hilfreich ist auch der sogenannte "Neckcheck": Haben Sie nur vom Hals aufwärts Erkältungsbeschwerden, dürfen Sie leichten Ausdauersport treiben. Nicht aber, wenn die Lunge oder Bronchien betroffen sind oder Sie Fieber haben.

Mythos 10: Heißer Grog lindert die Symptome

Wer diesen Ratschlag bei Atemwegsinfekten befolgt, beansprucht seinen Körper zusätzlich. Der Grund: Alkohol erweitert die Blutgefäße und Erreger können sich schneller ausbreiten. Außerdem schwächt das Nervengift Ethanol das Immunsystem. Effektiv gegen die Beschwerden einer Erkältung wirken pflanzliche Sekretolytika, also schleimlösende Mittel. Zudem ist es wichtig, ausreichend zu trinken – Wasser, Schorle oder Tee. Denn die Immunzellen der Nasen- und Rachenschleimhaut können wirkungsvoller arbeiten, wenn sie feucht sind.

Mythos 11: Kälte verursacht einen Schnupfen

Der Begriff Erkältung ist im Grunde irreführend. Nicht die Kälte löst eine Erkältung aus, sondern Viren. Trotzdem leiden im Winter mehr Menschen an einer Erkältung, denn die körpereigene Abwehr ist bei Kälte nicht so fit wie in der Wärme. Grund dafür sind unter anderem ausgetrocknete Schleimhäute. Krankheitserreger können dadurch leichter in den Körper vordringen und Infekte auslösen. Hauptauslöser für Erkältungen sind aber Menschenansammlungen und stickige Räume. Was uns zum nächsten Punkt bringt:

Mythos 12: Lüften schützt vor Erkältung

Stimmt: In geschlossenen Räumen kann die Anzahl der Viren in der Luft stark ansteigen. Regelmäßiges Lüften wirkt dem entgegen und senkt so das Risiko, sich mit einer Erkältung anzustecken. Außerdem verbessern Sie durch Lüften das Raumklima. Lüften Sie mindestens drei- bis vier Mal am Tag für jeweils zehn Minuten, am besten funktioniert das Stoßlüften.

Mythos 13: In die Hand Niesen schützt andere vor Ansteckung

Beim Niesen und Husten die Hand vorzuhalten, ist gut gemeint, schützt aber nicht vor einer Erkältung. Die Viren bleiben an den Händen kleben. Berühren Kranke nun Gegenstände oder Personen, verbreiten sich die Krankheitserreger weiter. Husten und niesen Sie in ein Taschentuch oder in den Ärmel am Ellbogen, um Ihre Hände sauber zu halten und wenden Sie sich von anderen Personen ab. Ihre Hände berühren dennoch täglich Gegenstände und Menschen, an denen Viren haften. Schnell gelangen Sie über Ihre Hände auf die Schleimhäute von Nase und Mund. Waschen Sie Ihre Hände daher regelmäßig – das ist eine effektive Maßnahme, um Erkältungen vorzubeugen.

Diese Lebensmittel machen fit gegen Erkältung

Autor: / Verena Horsthemke
Letzte Aktualisierung: 20. Oktober 2014
Quellen: Frohn B, Dibbert H-J: Knaurs Buch der Selbstmedikation. Rezeptfrei helfen. Die besten Heilmittel aus Schulmedizin, Naturheilkunde und Hausapotheke. 1 Auflage, Verlag Droemer-Knaur, München 2005. Techniker-Krankenkasse: Hatschi! Schnupfen Husten und Viren. Download unter http://www.tk-logo.de/cms/beitrag/10002967/204685/Hatschi_Schnupfen_Husten_und_Viren.html am 10.08.2010. Robert-Koch-Institut: Wir gegen Viren, Hygienetipps. Download unter http://www.wir-gegen-viren.de/content/index/7 am 18.08.2010.

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