Komplikationen des grippalen Infekts

Erkältung und grippaler Infekt: Diese Folgeerkrankungen drohen

Wer seine Erkältung nicht richtig auskuriert, riskiert gefährliche Komplikationen. Sie können das Herz betreffen (Myokarditis), die Nebenhöhlen (Sinusitis), die Ohren (Mittelohrentzündung) sowie die unteren Atemwege (Bronchitis und Lungenentzündung).

Erkältung
Nehmen Sie sich Zeit für die Erkältung und bleiben Sie am besten im Bett, sonst drohen im schlimmsten Fall Komplikationen wie etwa Herzmuskelentzündung.
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Ohne Erkältung kommt wohl keiner durchs Jahr. Bis zu viermal trifft es Erwachsene, sogar bis zu zwölfmal Kinder in diesem Zeitraum. Das ist völlig normal und ein gutes Training fürs Immunsystem – falls der Infekt richtig ausheilt.

Normalerweise dauert eine Erkältung oder ein grippaler Infekt bis zu zwei Wochen, eine echte Grippe oft noch länger. Doch laut einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nehmen sich viele diese Zeit nicht und verschleppen den Infekt.

Erkältet? Das sollten Sie wissen

Viele riskieren lieber Folgekrankheiten als Arbeitsplatz-Verlust

Jeder Zweite geht aus Angst um seinen Job nämlich trotzdem zur Arbeit. Betroffene ignorieren einfach die Krankheit und versuchen, die Symptome mit Tabletten wegzudrücken. Doch bei einer Erkältung oder einem grippalen Infekt sollten Sie sich die ersten Tage schonen, mindestens bis Fieber und Schwächegefühl abgeklungen sind.

Warum das so wichtig ist: Der Infekt schwächt den Körper. Wird ihm dann Ruhe gegönnt, heilt die Erkrankung meist ohne Komplikationen oder weitreichende Folgen ab. Wer sich trotzdem fordert und in die Arbeit geht, überlastet seinen Organismus. Das Immunsystem kommt mit der Bekämpfung des Infekts nicht mehr nach.

Das bedeutet nicht nur, dass Sie Schnupfen und Halsschmerzen oft wochenlang nicht loswerden. Es drohen ernsthafte Komplikationen. Manche können den Körper dauerhaft schädigen. Gefährlich sind vor allem diese Folgekrankheiten:

Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Ohne Zweifel handelt es sich dabei um eine der dramatischsten Folge einer verschleppten Erkältung oder Grippe. Bei der Herzmuskelentzündung befallen Erkältungsviren oder Bakterien die Zellen des Herzmuskels. Manchmal sind auch die anliegenden Blutgefäße betroffen. Meist sind es die sogenannten Coxsackie-Viren (typische Erkältungsviren), die zu einer Herzmuskelentzündung führen. Oft tritt das zum Beispiel ein, wenn jemand trotz Erkältung Sport treibt.

Besonders tückisch an einer Herzmuskelentzündung: Die Anzeichen werden oft nicht bemerkt, weil sie so unauffällig sind, etwa eine leichte Schwäche und Kurzatmigkeit beim Treppensteigen. Trotzdem sollte das ein Alarmzeichen sein. Denn wenn eine  Herzmuskelentzündung nicht richtig ausheilt, können Herzmuskel und Herzklappen für immer beschädigt sein. Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist die Folge.

Lungenentzündung (Pneumonie)

Ist das Immunsystem durch den Infekt geschwächt, können Bakterien die Lunge infizieren. Zwar lässt sich das meist mit Antibiotika gut behandeln. Für ältere Menschen oder chronisch Kranke ist eine Lungenentzündung (Pneumonie) jedoch häufig problematisch. Oft dauert es Wochen, bis die Infektion wieder vollständig abgeklungen ist. Und nicht selten bleibt eine gewisse Anfälligkeit der Atemwege zurück und Asthma wird ausgelöst. Eine weitere, zwar sehr seltene, aber lebensgefährliche Komplikation der Lungenentzündung ist eine Blutvergiftung (Sepsis).

Husten (Bronchitis)

Manchmal legt sich die Erkältung auch auf die Bronchien. Die Erkältungsviren haben dann die Schleimhaut der Bronchien angegriffen. Oft vermehren sich dadurch auch Bakterien, die sonst nur in geringer Anzahl hier siedeln. Eine hartnäckige Bronchitis bildet sich, Antibiotika sind nötig. Falls die Bronchitis nicht richtig beachtet wird und Sie sich nicht schonen, kann daraus wiederum eine Lungenentzündung werden.

Oder es dauert Wochen, bis der Husten abgeklungen ist. Auch danach drohen noch Folgen: Viren, Bakterien und das ständige Husten haben die Flimmerhärchen auf der Schleimhaut dauerhaft geschädigt und das Risiko, Asthma zu entwickeln, steigt an. Betroffen sind vor allem Raucher, weil bei ihnen die Bronchien bereits vorbelastet sind.

Kehlkopfentzündung (Laryngitis)

Die Erkältungsviren, manchmal auch Bakterien, können ebenso den Kehlkopf befallen. Husten und Heiserkeit bis hin zu vorübergehendem Verlust der Stimme sind die Anzeichen einer Kehlkopfentzündung. Meist heilt sie mit Inhalieren und Schonung der Stimme nach wenigen Tagen wieder ab. Wer jedoch keine Rücksicht nimmt, riskiert eine chronische Kehlkopfentzündung und die Stimme kann sich für immer verändern.

Seitenstrangangina

Halsschmerzen sind als Symptom einer Erkältung nicht ungewöhnlich und verschwinden meist schnell wieder. Bei einer verschleppten Erkältung oder Grippe können sie jedoch massiv ausfallen. Häufige Ursache: Erkältungsviren oder Bakterien haben die Lymphbahnen angegriffen, die auf beiden Seiten des Rachens nach unten führen.

Die sogenannte Seitenstrangangina ist eine typische Folgeerkrankung bei Erkältungen und kann – falls sie nicht richtig ausheilt – wiederum gefährliche Komplikationen nach sich ziehen, etwa rheumatisches Fieber, einen Abszess oder Mittelohrentzündung.

Mittelohrentzündung (Otitis media)

Halsschmerzen und Rachenentzündungen bei einer Erkältung können sich ins Mittelohr ausbreiten. Betroffen sind vor allem Kinder. Bei ihnen ist die Ohrtrompete noch weiter geöffnet. So können Viren und Bakterien in die Paukenhöhle eindringen und dabei das Mittelohr entzünden.

Auch für Mittelohrentzündung gilt: Bitte sorgfältig ausheilen lassen und sich dafür die nötige Zeit lassen. Sonst drohen weitere Komplikationen, etwa eine Innenohrentzündung oder sogar eine Hirnhautentzündung (Meningitis).

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)

Wie Husten und Halsschmerzen gehört auch der Schnupfen zu den häufigen Anzeichen einer Erkältung. Aus dem harmlosen Schnupfen kann jedoch eine Nasennebenhöhlenentzündung entstehen. Auslöser sind Erkältungsviren. Analog zur Bronchitis oder Lungenentzündung schwächen sie die Schleimhäute – hier die der Nase und Nasennebenhöhlen. Bakterien können sich dadurch zügig vermehren und zu einer Sinusitis führen.

Kopfschmerzen, eine stark verstopfte Nase mit zähem Schleim, Druckschmerz beim Bücken und manchmal auch Schwellungen unter den Augen sind typische Symptome der Nasennebenhöhlenentzündung. Wie für die Kehlkopfentzündung gilt auch hier: Richtig ausheilen, sonst wird die Entzündung chronisch. Der Geruchssinn funktioniert dann nicht mehr und die Infektanfälligkeit steigt allgemein. In manchen Fällen ist eine Operation nötig.

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