Ernährung und Bewegung sind zentral

Diabetes vorbeugen

Schlanke, aktive Menschen kaum betroffen

Die familiäre Veranlagung spielt bei der Entstehung von Diabetes mellitus eine wichtige Rolle. Dennoch lässt sich durch einen gesunden Lebensstil insbesondere Typ-2-Diabetes effektiv vorbeugen.

Bewegung kann helfen, Typ-2-Diabetes vorzubeugen. Schlanke, aktive Menschen haben bekanntlich fast nie einen Typ-2-Diabetes. Denn Bewegung ist Prävention. Regelmäßige Bewegung erhöht den "Hunger" der Muskelzellen auf den Energielieferanten Glukose. Zudem wird Insulin besser in der erforderlichen Menge ins Blut ausgeschüttet und führt schneller zur Aufnahme der Glukose aus dem Blut in die Zellen. Der Blutzucker ist also nach der Nahrungszufuhr schneller wieder im Sollbereich. Neben dem Verbrauch der Energie in Form von Glukose ist die Zufuhr durch die Nahrung entscheidend.

Daher ist der zweite Baustein in der Vorbeugung (Prävention) des Typ-2-Diabetes eine ausgewogene Ernährung. Sie sollte eher ballaststoffreich sein, also komplexe Kohlenhydrate in Form von Vollkornprodukten und Gemüse enthalten. Denn komplexe Kohlenhydrate kann der Körper nicht so schnell in Glukose aufspalten; der Blutzucker steigt nicht so schnell an wie nach Limo, Pizza oder Weißbrot. Zudem sollte die Nahrung nicht zu viel Fett enthalten. Maximal ein Drittel aller Kalorien sollte aus Fetten stammen. Konkret heißt das, dass Wurstwaren und fettes Fleisch nur in begrenzter Menge auf dem Speiseplan stehen sollten. Denn ungesättigte Fette, beispielsweise als Öl, bilden die gesünderen Fettlieferanten.

Salat, Vollkornprodukte oder Gemüse sind aber nicht nur vorteilhaft, weil sie aus "gesunden Kohlenhydraten" bestehen, sondern weil sie eine geringe Energiedichte aufweisen. Das bedeutet, dass sie weniger Kalorien pro Portion enthalten als beispielsweise Eis, Wurst, Käse oder Schweinefleisch.

Dem Diabetes rechtzeitig gegensteuern

Im Hinblick auf die Diabetes-Prävention sollten Sie die Waage im Auge behalten. Wenn sie bereits mehr Kilos anzeigt als für die Körpergröße gut ist, sollte alles versucht werden, um die Pfunde zum Purzeln zu bringen. Stecken Sie die Ziele aber nicht zu hoch. Eine mäßige Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent des Körpergewichts im Laufe von sechs Monaten ist ein realistisches Ziel und bringt gesundheitlich schon deutliche Vorteile. Bei einer täglichen Unterversorgung um 500 bis 800 Kilokalorien gegenüber dem errechneten Kalorienbedarf ist dieses Ziel erreichbar. Es muss nur die richtige Dosis an Bewegung hinzukommen.

Sportlich sind für eine sinnvolle Diabetes-Prävention keine Höchstleistungen erforderlich. Je nach Fitness kann zunächst schon eine Steigerung von Alltagaktivitäten wie Treppensteigen oder Gartenarbeit einen Unterschied machen. Mit zunehmender Belastungsfähigkeit ist es ratsam, sich nach einer Sportart umzuschauen, die wirklich Spaß macht, der eigenen Leistungsfähigkeit entspricht und die Gelenke nicht zu sehr belastet. Denn nur dann ist das Ziel einer dauerhaften Veränderung des Lebensstils mit möglichst drei Bewegungseinheiten pro Woche realistisch.

Glimmstängel adieu

Mit Blick auf die Prävention eines Typ-2-Diabetes sollte zudem auf das Rauchen verzichtet werden. Wie inzwischen gezeigt werden konnte, ist aber nicht nur der eigene Griff zur Zigarette schlecht für den Blutzucker. Auch das Passivrauchen stellt eine Gefahr dar, wie in einer aktuellen Studie gezeigt wurde. Jene, die zuhause oder am Arbeitsplatz Rauch ausgesetzt waren, entwickelten im Vergleich zu Personen, die weder selber noch passiv (mit)rauchten in den folgenden sieben Jahren mehr als doppelt so oft einen Typ-2-Diabetes.

Prävention des Typ-1-Diabetes

Die Möglichkeiten der Prävention für einen Typ-1-Diabetes sind begrenzter. Dennoch gibt es auch hier hoffnungsvolle Ansätze. Kinder von Müttern oder Vätern mit Typ-1-Diabetes entwickelten in einer finnischen Studie seltener diese Form der Zuckerkrankheit, wenn sie in den ersten sechs bis acht Monaten keine Kuhmilch bekamen. Das bedeutet: Trotz familiärer Veranlagung (Prädisposition) bildet der Körper nicht so schnell oder nur wenige der zerstörerischen Immunzellen. Beim Typ-1-Diabetes greift nämlich das eigene Immunsystem bestimmte Zellen in der Bauchspeicheldrüse an. Diese Betazellen sind aber für die Produktion des Hormons Insulin verantwortlich, das für den Zuckerabbau im Blut unverzichtbar ist. In Deutschland läuft derzeit eine Studie, die untersucht, ob durch die Vermeidung von bestimmten Getreidesorten, die Bildung der zerstörerischen Immunzellen verhindert oder hinausgezögert werden kann.

Für Prävention ist es nie zu spät

Auch bei bereits frisch diagnostiziertem Typ-1-Diabetes gibt es erste Präventions-Ansätze, um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und eine gewisse Insulinproduktion aufrecht zu erhalten. Und auch wenn ein Typ-2-Diabetes vom Arzt festgestellt wurde, ist es nicht zu spät, das Rad durch einen gesunden Lebensstil wieder zurückzudrehen. Eine schon nachgewiesene Zuckerkrankheit kann sich zurückbilden.

Autor: Dr. Wiebke Kathmann / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 13. Dezember 2013
Durch: es
Quellen: Kowall et al. Association of passive and active smoking with incident type 2 diabetes mellitus in the elderly population: the KORA S4/F4 cohort study Eur J Epidemiol DOI 10.1007/s10654-010-9452-6 http://www.diabetes-heute.uni-duesseldorf.de/fachthemen/praevention/?TextID=992#3 Positionspapier des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus (2005) Naserke H. et al.: Prevalence, Characteristics and Diabetes Risk Associated with Transient Maternally Acquired Islet Antibodies and Persistent Islet Antibodies in Offspring of Parents with Type 1 Diabetes. In: The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism Vol. 86, No. 10 (2001) 4826-4833

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