Lernen, mit Diabetes zu leben

Diabetes-Schulung als Basis

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In einer Diabetes-Schulung lernen Patienten alles für den Umgang mit der Krankheit.
(c) Getty Images/iStockphoto

Bei der Diabetesschulung geht es um alle wichtigen Dinge rund um die Zuckerkrankheit - von der Therapie über die Blutzuckerselbstmessung, die richtige Ernährung und körperliche Aktivität bis hin zur Berechnung der Insulindosis.

Die Diagnose Diabetes mellitus stellt einen Einschnitt in das bisherige Leben dar; sie muss zunächst verdaut werden. Denn die Diagnose einer chronischen Erkrankung weckt so manche Ängste, beispielsweise davor, wie es in der Zukunft wohl weiter gehen mag.

Darüber hinaus muss der Patient eine Menge lernen, um die Therapie zu meistern. Von lieb gewonnenen schädlichen Gewohnheiten gilt es, sich zu verabschieden. Zudem müssen Krisen bewältigt werden; Komplikationen sollte schon früh vorgebeugt werden. Mit dem sorglosen Leben ist es also in gewissem Maße vorbei - zumindest während der akuten Umstellungsphase und in „Krisenzeiten“.

Da ist es verständlich, wenn all diese Herausforderungen auf’s Gemüt schlagen. Am häufigsten äußern sie sich als Depression im Sinne einer Anpassungsstörung, also der Schwierigkeit, sich einer neuen Situation zu stellen und sich dabei nicht überwältigt zu fühlen.

Strukturierte Lehrpläne

Die Schulung erfolgt in Gruppen mit vier bis zehn Teilnehmern, die alle gemeinsam beginnen und aufhören und alle in derselben Situation sind. Das heißt sie haben entweder alle einen Typ-2 oder alle einen Typ-1 Diabetes und bekommen alle dieselbe Therapie, seien es Tabletten, eine konventionelle oder intensivierte Insulintherapie oder auch eine Insulinpumpentherapie.

Die Schulung folgt einem strukturierten Lehrplan. Zunächst haben die Teilnehmer in einem ersten Gruppengespräch die Möglichkeit, sich anhand von Fragen wie, „Was bedeutet der Diabetes für meine Leben?“, „Was fällt mir an der Therapie schwer?“, „Welche Hilfen benötige ich?“ oder „Welche Fähigkeiten kann ich aktivieren?“ klar zu werden, was die Diagnose Diabetes für sie und ihr Leben bedeutet.

Psychologische Aspekte fließen auch später immer wieder ein, wenn es um Themen wie den Rückfall in alte Gewohnheiten, erforderliche Verhaltensänderungen, Bedrohung durch Folgekrankheiten oder Angstgefühle in Bezug auf Unterzuckerungen geht. Insgesamt orientiert sich die Schulung am Alltag und an Problemlösungen. Sie sollte laut Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Psychologie e.V. der Deutschen Diabetes Gesellschaft auf Freiwilligkeit und maximaler Entscheidungsfreiheit der Teilnehmer beruhen und den Teilnehmern Freiräume geben, um eigene Lösungsalternativen zu erproben. Denn letztendlich führt der Patient - unter Vermittlung des Arztes - die Diabetestherapie durch. Er muss also herausfinden, wie sie am besten gelingt. Dabei unterstützt ihn das Team aus diabetologisch geschultem Arzt, Diabetesberater und Diabetesassistenten.

Schulungsinhalte für Typ-1 Diabetiker

Die Schulung von Typ-1 Diabetikern besteht üblicherweise aus zwölf Unterrichtseinheiten (Doppelstunden á 45 Minuten) und behandelt folgende Themen:

  • Ursachen und Wesen des Typ-1 Diabetes
  • Insulin
  • Konventionelle Insulintherapie
  • Intensivierte Insulintherapie
  • Behandlungsziele
  • Spritztechnik
  • Richtige Ernährung
  • Auswahl und Austausch von Kohlenhydraten
  • Selbstkontrolle von Blutzucker und von Azeton bzw. Zucker im Urin
  • Bedeutung des HbA1c
  • Anpassung der Insulindosis
  • Unterzuckerung/Notfälle
  • Hyperglykämie/Koma
  • Verhalten bei Krankheiten und auf Reisen
  • Sportliche Aktivität
  • Vermeidung von Folgeerkrankungen (Neuropathie * , Retinopathie * , Nephropathie * )
  • Sexualität, Schwangerschaft und Verhütung
  • Vorsorgeuntersuchungen
  • Soziale Hilfen und Kontakte

Schulungsinhalte für Typ-2 Diabetiker mit Insulintherapie

Leider ist die Schulung von Typ-2 Diabetikern in Deutschland bisher keine Selbstverständlichkeit. Ein Großteil erhält nie eine Schulung, obwohl der Nutzen belegt ist. Grundsätzlich hängen Intensität und Inhalte der Schulung davon ab, mit welcher Therapieform der Patient behandelt wird, wie alt er ist und wie seine Prognose einzuschätzen ist. Bei über 65-jährigen Diabetikern mit geringem Risiko für Folgeerkrankungen sind mindestens acht Stunden à 45 Minuten vorgesehen, bei Patienten im mittleren Alter mit hohem Risiko für Komplikationen mindestens 20 Stunden à 45 Minuten. Patienten mit Typ-2 Diabetes, die Insulin spritzen müssen, werden vor allem zu folgenden Themen geschult:

  • Erkrankungsursachen
  • Behandlungsziele
  • Insulinwirkung und -behandlung
  • Konventionelle Insulintherapie
  • Intensivierte Insulintherapie
  • Spritztechnik
  • Richtige Ernährung und Spritz-Ess-Abstand
  • Selbstkontrolle von Blutzucker und von Azeton bzw. Zucker im Urin
  • Bedeutung des HbA1c
  • Unterzuckerung/Notfälle
  • Hyperglykämie/Koma
  • Sportliche Aktivität
  • Blutdruckkontrolle
  • Rauchen als Risikofaktor
  • Vermeidung von Folgeerkrankungen (Neuropathie * , Retinopathie * , Nephropathie * )
  • Sexualität, Schwangerschaft und Verhütung
  • Vorsorgeuntersuchungen
  • Haut-, Fuß- und Zahnpflege
  • Soziale Hilfen und Kontakte

 

Schulungsinhalte für Typ-2 Diabetiker mit Tablettentherapie

Reichen Tabletten für die Therapie des Typ-2 Diabetes aus, ist die Themenliste etwas kürzer und umfasst vor allem die Themen:

  • Erkrankungsursachen
  • Behandlungsziele
  • Richtige Ernährung
  • Gewichtsreduktion
  • Blutdruckkontrolle
  • Rauchen als Risikofaktor
  • Körperliche Aktivität
  • Selbstkontrolle von Blutzucker und von Azeton bzw. Zucker im Urin
  • Vermeidung von Spätfolgen
  • Sexualität, Schwangerschaft und Verhütung
  • Haut- Fuß- und Zahnpflege
  • Soziale Hilfen und Kontakte

Ob Schulungen zu verschiedenen Themen bezahlt werden bzw. ob und nach welcher Zeit eine Wiederholungsschulung von der Kasse übernommen wird, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden.

Glossar

Neuropathie: Nicht-entzündliche Nervenerkrankung

Retinopathie: Schädigung der Netzhaut der Augen

Nephropathie: Schädigung der Nierenfunktion

Autor: Dr. Wiebke Kathmann
Veröffentlicht am: 02. Februar 2012
Letzte Aktualisierung: 08. Mai 2012
Quellen: Forschungsinstitut Diabetes (FIDAM) Bad Mergentheim: http://www.diabetes-schulungsprogramme.de/templates/main.php?recordID=20, Download vom 04.08.2010 Kulzer B. et al.: Mehr Diabetes Selbstmanagement Typ-2 (MEDIAS 2) Schulungs- und Behandlungsprogramm für Menschen mit Diabetes, die nicht Insulin spritzen, Kirchheim + Co GmbH, Mainz Berger M. et al.: Typ-1 Diabetes: Behandlungs- und Schulungsprogramm für intensivierte Insulintherapie, Kirchheim + Co GmbH, Mainz Berger M. et al.: Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ-2 Diabetiker, die nicht Insulin spritzen, Kirchheim + Co GmbH, Mainz Berger M. et al.: Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ-2 Diabetiker, die Insulin spritzen, Kirchheim + Co GmbH, Mainz Patientenbücher: Jörgens V. et al.: „Mein Buch über den Diabetes mellitus“, 21. Auflage 2010, Kirchheim + Co GmbH, Mainz Jörgens V. et al.: „Wie behandele ich meinen Diabetes“, 24. Auflage 2009, Kirchheim + Co GmbH, Mainz Jörgens V. et al.: „Mit Insulin geht es mir wieder besser“, 17. Auflage 2009, Kirchheim + Co GmbH, Mainz

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