Schwangerschaftsdiabetes
Schwangerschaftsdiabetes tritt meist in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf und trifft rund fünf Prozent der Schwangeren. Meist reguliert sich der Blutzuckerspiegel nach der Geburt wieder, dennoch ist künftig Wachsamkeit gefragt.
Als Schwangerschaftsdiabetes, fachsprachlich Gestationsdiabetes genannt, wird eine im Laufe der Schwangerschaft auftretende Entgleisung des Zuckerstoffwechsels bei Frauen, die bis dahin normale Blutzuckerwerte hatten, bezeichnet. Etwa fünf Prozent aller Schwangeren sind betroffen. Zwar normalisierte sich der Zuckerstoffwechsel nach der Entbindung in der Mehrzahl der Fälle wieder. Dennoch bestehen Folgerisiken: Frauen, die in einer Schwangerschaft mit diesem Gesundheitsproblem zu tun hatten, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit (circa 80 Prozent) auch in der nächsten Schwangerschaft wieder betroffen sein. Zudem entwickelt fast jede zehnte dieser Frauen im weiteren Leben einen Typ-2-Diabetes.
Ursachen von Schwangerschaftsdiabetes
Es gibt drei wichtige Risikofaktoren für die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes:
- ein Alter von über 30 Jahren zum Zeitpunkt der Geburt
- familiäre Veranlagung
- Übergewicht
Ohne einen dieser Risikofaktoren ist es eher unwahrscheinlich, dass der Glukosestoffwechsel während der Schwangerschaft entgleist. Wie aber kommt es zu Schwangerschaftsdiabetes? Einige, während der Schwangerschaft vermehrt gebildete Hormone wirken als Gegenspieler des Hormons Insulin*, welches für die Absenkung des Blutzuckerspiegels verantwortlich ist. Insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft bildet der Mutterkuchen (Plazenta) verstärkt Blutzucker-erhöhende Hormone wie Progesteron, Prolaktin und Östrogen. Die Bauchspeicheldrüse muss daher die Insulinproduktion intensivieren, um die Blutzuckerwerte im Sollbereich zu halten. Gelingt dies nicht, entsteht ein Schwangerschaftsdiabetes.
Symptome von Schwangerschaftsdiabetes
Die Mehrzahl der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ist beschwerdefrei. Daher wird üblicherweise zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Blutzuckertest durchgeführt, bei Frauen mit Risikofaktoren auch früher. Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes können aufseiten der werdenden Mutter eine übermäßige Gewichtszunahme, ein gesteigertes Durstgefühl (Polydipsie) oder Harnwegs- und Nierenentzündungen sein. Tritt eines dieser Symptome auf, sollte vorsichtshalber der Arzt konsultiert werden. Er entdeckt darüber hinaus unter Umständen Zucker im Urin (Glukosurie) oder auch einen erhöhten Blutdruck (Hypertonie). Aufseiten des ungeborenen Kindes (Fötus) kann es durch den Schwangerschaftsdiabetes zu Veränderungen der Fruchtwassermenge und einem ungewöhnlich starken Größenwachstum, das als fötale Makrosomie bezeichnet wird, kommen.
Diagnose
Der Arzt führt einen sogenannten Zuckerbelastungstest, fachsprachlich auch als oraler Glukosetoleranztest (oGTT) bezeichnet, durch, und zwar morgens auf nüchternen Magen. Zunächst wird Blut abgenommen und die Blutzuckerkonzentration im Nüchternzustand bestimmt. Anschließend muss die Schwangere zügig 250 bis 300 Milliliter Wasser, in dem eine definierte Menge Zucker (75 Gramm Glukose) gelöst ist, trinken. Ein und zwei Stunden später wird erneut eine Blutprobe genommen und der Blutzuckerspiegel bestimmt. Bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes wird die Glukose langsamer abgebaut. Daher sind die Blutzuckerwerte nach ein und zwei Stunden höher als bei Gesunden. Wenn mindestens zwei von drei Grenzwerten erreicht oder überschritten sind, spricht man vom Schwangerschaftsdiabetes. Gilt dies nur für einen Wert, spricht man von eingeschränkter Glukosetoleranz. In beiden Fällen ist eine Behandlung indiziert.
Tabelle: Blutzuckerwerte gemäß Deutscher Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. zu Diagnostik und Therapie des Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)
Therapie von Schwangerschaftsdiabetes
Um ernsthafte gesundheitliche Probleme von Mutter und Kind zu verhindern, muss Schwangerschaftsdiabetes schnell behandelt werden. Andernfalls drohen der Mutter ein schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck (Präeklampsie), Krampfanfälle und vermehrt (Harnwegs)-Infekte. Das ungeborene Kind kann Entwicklungsstörungen davontragen oder sogar aufgrund einer Unterversorgung der Plazenta sterben. Zudem kann das übermäßige Größenwachstum zu Schwierigkeiten bei der Geburt führen.
In der Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes ist primär die Eigeninitiative gefragt. Denn der Blutzucker sollte möglichst schonend für das Kind normalisiert werden. Eine Therapie mit „Diabetes-Tabletten“ ist nicht möglich, da diese über die Plazenta das ungeborene Kind schädigen können. Daher wird zunächst versucht, durch eine Umstellung der Ernährung und Steigerung der körperlichen Aktivität den Blutzucker zu normalisieren. Mit dieser Basistherapie lässt sich bei 80 bis 90 Prozent der Schwangeren das Problem lösen.
Gelingt dies nicht, muss auch beim Schwangerschaftsdiabetes eine Insulin-Therapie begonnen werden. Je nach Blutzuckerprofil kann es reichen, vor der Hauptmahlzeit ein schnell wirksames Insulin zu spritzen oder es muss zusätzlich vor dem Schlafengehen ein langwirksames, sogenanntes Basalinsulin gespritzt werden. In manchen Fällen ist eine Insulinpumpe erforderlich. In jedem Fall muss die Schwangere ihren Blutzucker selbst mit Teststreifen regelmäßig messen, um die Insulin-Therapie steuern zu können. Auch beim Schwangerschaftsdiabetes gilt: Vorsorgen ist besser als therapieren. In diesem Fall heißt es, dass Frauen, am besten schon im Vorfeld der Schwangerschaft, darauf achten, sich regelmäßig zu bewegen und ausgewogen zu ernähren. Ist der Schwangerschaftstest positiv, sollten sie darauf achten, nicht zu viel zuzunehmen.
Glossar
Insulin: Ein Hormon, das von den Betazellen der Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und den Blutzuckerspiegel regelt.
