LADA: Sonderform von Typ-1-Diabetes
Bisher war das Weltbild beim Diabetes mellitus recht einfach. Es gab einen von Beginn an insulinpflichtigen Typ-1-Diabetes und den über Jahre mit Tabletten therapierbaren Typ-2-Diabetes. Vor einiger Zeit ist der LADA hinzugekommen.
Die relativ neue Form der Zuckerkrankheit, der sogenannte latent insulinpflichtige Diabetes mellitus im Erwachsenenalter(LADA) ist prinzipiell eine Form des Typ-1-Diabetes. Denn obwohl nicht gleich Insulin gespritzt werden muss, weisen Patienten mit LADA Merkmale eines Typ-1-Diabetes auf: Die Insulinsekretion durch die Bauchspeicheldrüse ist von Beginn an eingeschränkt. Im Blut finden sich Antikörper gegen die Produktionsstätten für Insulin, d.h. gegen die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Inselzellantikörper, ICA). Es handelt sich also wie beim Typ-1-Diabetes um eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Neben oder zusätzlich zu den ICA sind auch Antikörper gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GADA) nachweisbar.
LADA-Patienten sind zudem üblicherweise im Gegensatz zum typischen Typ-2-Diabetes-Patienten nicht übergewichtig, und bei ihnen lassen sich die Blutzuckerwerte meist schon nach wenigen Monaten nicht mehr mit der üblichen Basistherapie und Tabletten in den Normbereich bringen. Diese Form des Insulinmangel-Diabetes ist also ein verzögert auftretender Typ-1-Diabetes. Wie beim Typ-1-Diabetes geht man davon aus, dass eine Infektion mit einem Virus, eine Erkrankung oder Umweltgifte der Auslöser für die autoaggressive Aktivität des Immunsystems sind. Der Prozess der Zerstörung der Inselzellen verläuft aber beim LADA langsamer als beim Typ-1-Diabetes. Weil die Krankheit erst im Erwachsenenalter in Erscheinung tritt, wird zunächst aber oft von einem Typ-2-Diabetes ausgegangen.
Was spricht für einen LADA?
An einen LADA sollte immer dann gedacht werden, wenn der eher normalgewichtige Patient bei der Entdeckung des Diabetes mellitus noch recht jung ist. Etwa ein Drittel aller Patienten, bei denen zwischen dem 25. und 34. Lebensjahr erstmalig ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert wird, haben einen LADA. Sind die Patienten dagegen bei der Erstdiagnose der Zuckerkrankheit schon zwischen 54 und 65 Jahre alt, haben nur etwa acht Prozent einen LADA. In der Mehrzahl der Fälle gibt es aus der Familiengeschichte oder auch beim Patienten selber Hinweise auf Autoimmunerkrankungen beispielsweise der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow), der Haut (Vitiligo) oder des Magen-Darm-Traktes, ohne dass diese sich durch Symptome äußern müssen. Die Diagnose der Blutzuckerstörung erfolgt häufig wegen akuter Symptome wie häufigem Harnlassen (Polyurie) oder starkem Durst (Polydipsie).
Diabetes-Tests zum Nachweis
Besteht der Verdacht, dass es sich um die latent insulinpflichtige Form eines Diabetes mellitus (LADA) handelt, erfolgt üblicherweise zunächst ein Test auf ICA und GADA im Blut. Ist er positiv, wird ein Glukagon-Test durchgeführt, der die Unterscheidung zwischen einem Typ-1- und einem Typ-2-Diabetes erlaubt. Dafür wird zunächst aus dem Blut ein Basiswert bestimmt, dann eine Lösung mit einem Milligramm Glukagon intravenös gespritzt und nach sechs Minuten der Spiegel des C-Peptids gemessen. Dieses ist ein Maß für die Stimulierbarkeit der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Der Wert lässt auch eine Einschätzung zu, wann mit einer Insulin-Therapie begonnen werden muss. Einen weiteren Hinweis auf einen LADA gibt ein Therapieversuch: LADA-Patienten sprechen gut auf Insulin, aber schlecht auf die oftmals als Einstiegstherapie bei Typ-2-Diabetes verordneten Sulfonylharnstoff-Präparate an. Für eine sichere Diagnose eines LADA sind die Krankengeschichte, die klinischen Zeichen und der Nachweis der Inselzell- und Glutamat-Decarboxylase-Antikörper gleichermaßen von Bedeutung. Inzwischen geht man davon aus, dass durch die frühe Insulin-Therapie von Patienten mit LADA der Krankheitsverlauf langfristig günstig beeinflusst werden kann. Für die anfängliche Therapie mit Tabletten wird meist Metformin gewählt, da es die Inselzellen schont.
