Wie wird die Zuckerkrankheit diagnostiziert?

Diagnose von Diabetes mellitus

Verschiedene Tests zur Diabetes-Diagnose

Die Diagnose bei Diabetes erfolgt mittels unterschiedlichen Tests. In der Regel wird der Nüchternblutzucker bestimmt - auch die Messung des sogenannten HbA1C Werts gilt heute als wichtige Diagnosemethode.

Zeigt ein Kind die für die Zuckerkrankheit typischen Symptome starker Durst (Polydipsie), vermehrte Zahl der Toilettengänge (Polyurie) und Gewichtsverlust, ist dies ein ziemlich klarer Hinweis auf einen Typ-1 Diabetes. Dies gilt umso mehr, wenn die Symptome relativ plötzlich (akut) und im Zusammenhang mit körperlicher Belastung oder einem banalen Infekt auftreten und das Kind ein normales Gewicht hat. Aber auch später im Leben weisen diese Symptome auf einen Typ-1-Diabetes hin.

Im Vergleich zum Typ-1-Diabetes ist ein Typ-2-Diabetes eher bei übergewichtigen Erwachsenen anzutreffen. Da er eher selten Beschwerden hervorruft und schleichend beginnt, wird er oft zufällig bei einer Bestimmung der Laborwerte entdeckt oder erst durch Komplikationen, die er hervorruft; dies kann beispielsweise ein Herzinfarkt sein.

Bisherige Labordiagnostik

Den durch Risikofaktoren, Symptome, einen erhöhten Gehalt an Glukose im Urin (Glukosurie) oder einen zufällig gefundenen erhöhten Blutzuckerwert hervorgerufenen Verdacht auf einen Diabetes erhärtet der Arzt durch mehrere Tests. Dabei wird zunächst zu einer beliebigen Tageszeit die Glukosekonzentration im venösen Blut bestimmt. Beträgt sie mindestens 200 Milligramm pro Zehntelliter (mg/dl), gilt der Diabetes als diagnostiziert.

Liegt der Wert bei mindestens 100 mg/dl, wird ein weiterer Bluttest durchgeführt. Diesmal wird die Glukosekonzentration im nüchternen Zustand bestimmt, d.h. mindestens acht Stunden nach der letzten Mahlzeit. Bei einem Wert von mindestens 126 mg/dl wird die Messung einmal wiederholt. Ergibt sich wiederum ein Wert von mindestens 126 mg/dl, wird ein Diabetes mellitus diagnostiziert. Liegt er zwischen 100 und 125 mg/dl, muss laut Empfehlungen der Deutschen Diabetesgesellschaft ein oraler Glukose-Toleranz-Test (oGTT) erfolgen. Dafür muss der Patient auf nüchternen Magen eine definierte Menge (250-300 Milliliter) einer Glukose-haltigen Lösung (75 Gramm) innerhalb von fünf Minuten trinken.

Eine und zwei Stunden später wird erneut eine Blutprobe genommen und der Blutzuckerspiegel bestimmt. Beträgt der Blutzuckerwert nach zwei Stunden mindestens 200 mg/dl, gilt der Diabetes als diagnostiziert, liegt er zwischen 140 und 200 mg/dl, spricht man von einer Diabetes-Vorstufe, dem Stadium der gestörten Glukose-Toleranz. Beträgt schon der Ausgangswert auf nüchternen Magen 100 bis 126 mg/dl spricht man von abnormer Nüchternglukose.

Lag der Nüchternwert zwischen 90 und 99 mg/dl, ist davon auszugehen, dass (noch) kein Diabetes vorliegt. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, zu hohe Fettwerte, Bewegungsmangel oder Übergewicht sollten aber überprüft und normalisiert werden. Die Blutzuckerselbstmessung mit einem Teststreifen eignet sich nicht zu Diagnostik eines Diabetes mellitus.

Neuer diagnostischer Marker HbA1c

Für das Screening auf einen Diabetes wird seit September 2010 auch in Deutschland der HbA1c-Wert statt der Nüchternblutzuckerbestimmung von den Fachgesellschaften empfohlen. Dieser Blutwert gibt an, wie stark das Hämoglobin mit Glukosemolekülen bedeckt ist und sagt daher etwas darüber aus, wie hoch die Blutzuckerspiegel in den letzten Wochen und Monaten waren. Er hat den Vorteil, dass er einfacher bestimmt werden kann, denn er ist unabhängig von der Tageszeit und Nahrungszufuhr.

Ab einem Wert von 6,5 Prozent kann die Diagnose Diabetes mellitus gestellt werden. Unter einem Wert von 5,7 Prozent kann eine Zuckerkrankheit ausgeschlossen werden. Bei einem Wert im Bereich zwischen 5,7 und 6,4 Prozent sollte die Diagnose mit den herkömmlichen Verfahren gestellt werden. Letzteres gilt auch, wenn der Verdacht auf einen Diabetes aufgrund von Symptomen wie Gewichtsverlust, Polyurie oder Polydipsie besteht und wenn ein Eisenmangel, Leber- und Nierenerkrankungen oder eine Schwangerschaft vorliegen. Bisher wurde die Bestimmung des HbA1c-Wertes in Deutschland nur zur Therapiekontrolle eingesetzt.

Unterscheidung Typ-1 und Typ-2-Diabetes

Außerdem wird der pH-Wert  im Blut bestimmt, der bei Patienten mit einem Typ-1 Diabetes und wesentlich seltener auch bei Patienten mit einem Typ-2 Diabetes, erniedrigt sein kann (Keto- bzw. Laktazidose). Zum anderen wird die Insulinausschüttung (Insulinsekretion) überprüft; bei Patienten mit Typ-1 Diabetes fehlt sie (fast) vollständig. Wird Insulin gegeben, spricht der Körper auf die Hormongabe an; der Blutzucker sinkt wieder ab. Ärzte sprechen dann davon, dass - anders als beim Typ-2 Diabetes - keine Insulinresistenz besteht.

Anders als oft gedacht, tritt nicht der Typ-1, sondern der Typ-2 Diabetes familiär gehäuft auf, was auch für die Diagnose herangezogen werden kann. Ein weiterer wichtiger Hinweis auf einen Typ-1 Diabetes ist zudem das Vorliegen von typischen Antikörpern. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung produziert die Bauchspeicheldrüse des Typ-2 Diabetikers meist noch Insulin. Der Körper reagiert aber oft nicht mehr ausreichend auf das Hormon. Für einen Typ-2 Diabetes typische Antikörper gibt es nicht.

Autor: Dr. Wiebke Kathmann / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2012
Durch: es
Quellen: Stellungnahme der Deutschen Diabetesgesellschaft, diabetesDE und des Kompetenznetzes Diabetes mellitus zur Verwendung des HbA1c-Wertes als Biomarker zur Diabetesdiagnose: http://profi.diabetesde.org/stellungnahmen/hba1c_wertes_als_biomarker/, Download vom 12.10.2010 Kerner W et al. Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus. Evidenzbasierte Leitlinie DDG. Aktualisierung 10/2004. Online veröffentlicht unter www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de Guder W. G.: Das Laborbuch für Klinik und Praxis, Urban & Fischer Verlag, 2005 Alexander K. et al. Thiemes Innere Medizin TIM, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 2005

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