Seelisch kranke Senioren
Altersdepressionen
Depressionen im Alter werden oft als reine Befindlichkeitsstörung eingestuft. Zum Leidwesen der Betroffenen, denen damit die nötige Hilfe versagt bleibt.
Der Verlust eines geliebten Menschen, die nachlassende körperliche Gesundheit und der zunehmende Gedächtnisverlust – all diese Erlebnisse können im Alter depressive Verstimmungen auslösen. Etwa 15 bis 20 Prozent der älteren Bevölkerung erleben depressive Verstimmungen. Etwa drei Prozent leiden unter einer schweren Altersdepression. Häufig werden Altersdepressionen als vorübergehende Befindlichkeitsstörung eingestuft und nicht weiter therapiert. Zu Unrecht, wie die Suizidrate der über 55-Jährigen zeigt: Diese liegt bei Depressionskranken in dieser Altersgruppe um das Vierfache höher als in der Allgemeinbevölkerung, bei Männern und Frauen gleichermaßen. Dabei ließe sich eine Altersdepression gut behandeln.
Bestimmte Alterskrankheiten können zu Depressionen führen
Im Alter treten Krankheiten gehäuft auf und verlaufen oft chronisch. Dabei können bestimmte Erkrankungen zu einer Altersdepression führen. So leiden 30 Prozent aller Demenzkranken, 50 Prozent aller Parkinsonpatienten und 30 bis 40 Prozent der Patienten, die einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlebt haben, unter der Erkrankung. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion ist mitunter Auslöser einer Alterdepression.
Eine gut versteckte Form der Depression
Eine Altersdepression wird häufig nicht erkannt, da die Diagnose mitunter den Rat eines psychologisch geschulten Experten erfordern würde, der allerdings meist nicht zu den ersten Anlaufstellen gehört. Hinzu kommt, dass die seelische Erkrankung ähnliche Symptome wie eine Demenzerkrankung aufweist und somit häufig mit Altersdemenz verwechselt wird. Auch haben ältere Menschen oft Hemmungen, über ihre Schwermut zu sprechen. Aus Angst, ihren Mitmenschen zur Last zu fallen, werten sie ihr eigenes Leiden ab. So suchen Betroffene ihren Hausarzt vornehmlich wegen körperlicher Beschwerden auf, die aber auf eine Altersdepression hinweisen können und vom Arzt hinterfragt werden sollten. Darunter fallen Kopf- und Gliederschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Gewichtsverlust, innere Unruhe und Müdigkeit, Atemnot und Kurzatmigkeit. Wenn ältere Menschen zudem von Angstgefühlen oder Einschlafstörungen den Kardinalsymptomen einer Depression berichten, kann in vielen Fällen nicht mehr von einer reinen Befindlichkeitsstörung ausgegangen werden.
Keine Behandlung ohne gezielte Diagnostik
Eine Altersdepression kann sowohl medikamentös als auch durch eine Sozialtherapie erfolgreich therapiert werden. Zuvor muss aber eine umfangreiche Diagnostik der betroffenen Person in Form einer körperlicher Untersuchung und gründlicher Anamnese erfolgen. Dabei werden die Lebensumstände des Betroffenen berücksichtigt und analysiert. So kann festgestellt werden, welche Faktoren im Umfeld des Erkrankten eine Depression fördern und gegebenenfalls ausgeschalten oder beeinflusst werden können.
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