Lebensretter Darmkrebsvorsorge

Darmkrebs vorbeugen: Darum ist die Früherkennung wichtig

Entscheidend für die Heilung von Darmkrebs ist, dass er frühzeitig erkannt wird. Deshalb ist die Vorsorge so wichtig. Ab wann kann man eine Darmspiegelung machen lassen? Welche weiteren Möglichkeiten der Früherkennung gibt es? Was kann ich selbst tun, um mein Darmkrebsrisiko zu mindern?

Koloskopie ist die effektivste Vorsorge
Die Darmspiegelung ist die effektivste Form der Darmkrebsfrüherkennung. Mit der Untersuchung kann Darmkrebs oder Vorstufen bereits in einem frühen Stadium erkannt werden.
Felix Burda Stiftung

Darmkrebs verursacht im Frühstadium kaum Beschwerden. Genau das macht ihn so gefährlich. Ein Darmkarzinom ist jedoch kein Schicksal, sondern lässt sich durch Vorsorge verhindern oder in einem so frühen Stadium entdecken, dass der Krebs gut behandelbar ist: Wird eine Darmkrebserkrankung frühzeitig entdeckt, kann sie bei den meisten Menschen zu 100 Prozent geheilt werden. Bei keiner anderen Krebsart bietet die Früherkennung derart große Chancen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können also Leben retten.

Untersuchungen zur Früherkennung

Die Häufigkeit, an Darmkrebs zu erkranken, nimmt ab einem Alter von 50 Jahren deutlich zu. Die gesetzlichen Krankenkassen bieten ihren Versicherten mit dem Eintritt ins 50. Lebensjahr deshalb ein Darmkrebs-Screening. Dazu gehören zunächst jährliche Tastuntersuchungen des Darms sowie eine Untersuchung des Stuhls auf Blut (Stuhlbluttest oder Okkultbluttest) . Ab dem 55. Lebensjahr gibt es dann die Möglichkeit zur Vorsorgedarmspiegelung. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine Früherkennungsuntersuchung, sondern um echte Darmkrebsvorsorge.

Darmkrebs-Screening: Überblick

Alter Untersuchung wie oft Vorteile
50-55 Okkultbluttest 1x pro Jahr einfache Handhabung
Ab 55 Darmspiegelung zwei Untersuchungen im Abstand von zehn Jahren hohe Diagnosesicherheit; Darmkrebsvorstufen können entfernt werden ("Vorsorge")
Ab 55 Okkultbluttest – nur, wenn Angebot zur Darmspiegelung nicht angenommen wird alle zwei Jahre einfache Handhabung

 

Ab 50: Jährliche Tast- und Stuhluntersuchung

Vom 50. Lebensjahr an steht gesetzlich Krankenversicherten eine jährliche Tast- und Stuhluntersuchung beim Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologe) zu. Der Arzt erfasst dabei zunächst die Krankengeschichte und möglicherweise bestehende aktuelle Beschwerden, die im Zusammenhang mit dem Verdauungstrakt stehen könnten. Er erkundigt sich auch nach eventuellen Krebserkrankungen in der Familie.

Anschließend tastet der Arzt vom Anus (After) aus die unteren Abschnitte des Darms auf Verhärtungen oder anderweitige Veränderungen ab. Ergibt sich dabei ein auffälliger Befund, leitet er weitere Untersuchungen ein.

Des Weiteren wird eine Untersuchung auf nicht sichtbares Blut im Stuhl durchgeführt. Dickdarmkrebs neigt zu Blutungen, wobei die Blutmengen mitunter so gering sind, dass sie mit dem bloßen Auge nicht erkannt werden können. Mithilfe des sogenannten Okkultbluttests (lat. occultus = verborgen) lässt sich auch zunächst "unsichtbares" Blut im Stuhl nachweisen. Da Blutungen nicht kontinuierlich auftreten, führt eine wiederholte Testung zu zuverlässigeren Ergebnissen. Der Stuhltest wird deshalb zu Hause vorbereitet: Aus drei aufeinanderfolgenden Stuhlgängen muss der Betroffene eine Stuhlprobe auf die Felder eines Testbriefchens auftragen. Anschließend schickt er das Testbriefchen an die Arztpraxis, die die Proben im Labor auf Blut untersuchen lässt.

Ab 55: Darmspiegelung  als Vorsorge

  • zum Selbsttest

    Darmkrebs ist zum Teil erblich bedingt. Auch in Ihrer Familie? Testen Sie Ihr Risiko!

Ab dem 55. Lebensjahr können die Versicherten zwischen zwei Angeboten wählen: Einem Stuhltest alle zwei Jahre oder zwei im Abstand von zehn Jahren aufeinanderfolgenden Darmspiegelungen (Koloskopien). Während mithilfe der Stuhlprobe in der Regel bereits ausgebildete Tumoren entdeckt werden, lassen sich bei der Darmspiegelung auch Krebsvorstufen, sogenannte Darmpolypen (Adenome), erkennen. Schätzungsweise neun von zehn bösartigen Darmtumoren gehen aus solchen Polypen hervor. Diese Entwicklung verläuft in der Regel sehr langsam über viele Jahre. Schleimhautpolypen, die bei der Vorsorgedarmspiegelung festgestellt werden, können noch unmittelbar während der Untersuchung entfernt werden. Die Gefahr, dass sich daraus Krebs entwickelt, ist dann gebannt. Dies macht die Darmspiegelung zu einer echten Vorsorgeuntersuchung, weil sie Krebs verhindern kann.

Ein weiterer Vorteil der Darmspiegelung besteht darin, dass sie auch Tumoren sichtbar macht, die keine Blutungen verursachen und deshalb beim Okkultbluttest nicht entdeckt würden. Die Darmspiegelung ist damit eine deutlich sicherere Früherkennungsmethode als die Untersuchung des Stuhls auf verborgenes Blut.

Früherkennung bei Risikogruppen

Eine ganz wesentliche Rolle bei der Entstehung von Tumoren im Darm spielen verschiedene Risikofaktoren. Deshalb übernehmen bei Risikopatienten die gesetzlichen Krankenkassen Kosten für ein individuell zugeschnittenes Untersuchungsprogramm.

Familiäre Häufung: Gut ein Fünftel der Darmkrebspatienten stammt aus Familien, in denen die Krankheit gehäuft auftritt, ohne dass die genetischen Ursachen geklärt sind. Praktisch bedeutet das: Ist ein direkter Verwandter (Eltern, Geschwister, Kinder) an Darmkrebs erkrankt oder wurde bei ihm ein Darmpolyp oder Adenom nachgewiesen, sollten Angehörige zehn Jahre vor dem Alter, an dem das Ereignis aufgetreten ist, eine Koloskopie machen lassen, spätestens aber mit 50 Jahren.

Genetische Vorbelastung: Bei knapp einem Zehntel der Patienten liegt erblich bedingter Krebs vor, der sich mit Gentests nachweisen lässt. Sind mindestens drei direkte Verwandte an Darm-, Magen- oder Gebärmutterkarzinomen erkrankt, dann gilt: Bei den Familienmitgliedern sind ab 25 Jahren Darmspiegelungen in regelmäßigen Abständen angezeigt. Außerdem sollten sie zur humangenetischen Beratung gehen.

Diabetes: Ebenfalls erhöht, und zwar um das Dreifache, ist das Darmkrebsrisiko bei Typ-2-Diabetikern mit Insulintherapie. Grund: Das Hormon fördert die Zellproliferation. Diesen Patienten wird daher vor Beginn der Insulin-Injektionen eine Koloskopie empfohlen, danach alle fünf Jahre.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Patienten mit Colitis ulcerosa (CU) erkranken sechsmal öfter an Karzinomen im Darm als Menschen ohne entzündliche Darmkrankheit. Gemäß den Leitlinien übernehmen die Kassen bei ausgedehnter CU, die seit mindestens acht Jahren besteht, alle ein bis zwei Jahre eine Koloskopie mit je 40 bis 50 Biopsien.

Lebensweise kann das Darmkrebsrisiko erheblich senken

Checks und gesundes Verhalten senken das Risiko
Frisches Obst und Ballaststoffe, zum Beispiel im Form eines leckeren Müslis gehören zu einer gesunden Ernährung.
Getty Images/iStockphoto

Bei der Entstehung von Darmkrebs spielen jedoch noch eine Reihe weiterer Faktoren eine Rolle, die jeder selbst beeinflussen kann. Mit einer gesunden Lebensweise lässt sich das persönliche Risiko, später an Darmkrebs zu erkranken, teilweise erheblich senken, wie verschiedene Studien nachgewiesen haben.

Mediziner empfehlen deshalb zur Vorbeugung:

  1. Gesunde, ausgewogene Ernährung: wenig Schweine- und Rindfleisch sowie tierische Fette, ein gemäßigter Verzehr von Alkohol, reichlich Vitamine und Ballaststoffe mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Einer großen Studie zufolge senkt eine Erhöhung der Ballaststoffzufuhr von 15 Gramm auf 35 Gramm täglich das Darmkrebsrisiko um 40 Prozent. Diese meist unverdaulichen Nahrungsbestandteile beschleunigen die Darmpassage und verkürzen so die Einwirkzeit von Schadstoffen. Keine gesicherten Daten gibt es zu Nahrungsergänzungsmitteln, Vitamin- oder Mineraltabletten.

  2. Gesunder Lebensstil: nicht rauchen, Vermeidung von Übergewicht, wenig Alkohol und vor allem Bewegung. Wer vier- bis fünfmal pro Woche eine halbe Stunde Sport treibt, hat ein bis zu 50 Prozent geringeres Risiko als Faulpelze. Sport regt die Darmtätigkeit an sowie die Immunabwehr, die Krebszellen vernichtet.

Ein gesunder Lebensstil kann dabei helfen, nicht nur das Darmkrebsrisiko zu senken, sondern wirkt sich grundsätzlich positiv auf die Gesundheit des Organismus aus. Auch das Risiko für andere Krebserkrankungen kann man mit einer vernünftigen Lebensweise senken.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 15. Juni 2016
Durch: es
Quellen: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Onlineinformationen zu Darmkrebs: Informationen für Patienten, Angehörige und Interessierte, Stand: April 2016, abgerufen Juni 2016; S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): Kolorektales Karzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021 - 007OL; Online-Informationen der Deutschen Krebshilfe: http://www.krebshilfe.de Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut, http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html, abgerufen 02/2014

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