Sehnerv in Gefahr

Grüner Star (Glaukom) - was ist das?

Der Begriff "Grüner Star" (Glaukom) fasst eine Vielzahl von Augenerkrankungen zusammen, die durch den Verlust des Sehnervs letztlich zum Erblinden führen. Neben der AMD und der diabetischen Retinopathie gehört das Glaukom in den Industrienationen zu den häufigsten Erblindungsursachen.

Das Tückische: Im Gegensatz zum "Grauen Star", bei dem der Patient selbst merkt, dass mit seinen Augen etwas nicht in Ordnung ist, verläuft ein Glaukom zunächst symptomlos. Erst im Spätstadium, wenn der Sehnerv bereits irreparabel geschädigt ist, bemerken die Patienten blinde Flecken und Gesichtsfeldausfälle. Anfangs noch auf den Randbereich beschränkt, münden sie später in einen charakteristischen Tunnelblick. Davon abzugrenzen ist der akute Glaukomanfall mit harten Augäpfeln, schmerzenden, roten Augen, Übelkeit und Erbrechen.

Ursachen und Formen von Grünem Star

Dem Glaukom liegt ein Verlust an Nervenfasern in Sehnerv und Netzhaut zugrunde. Die Nervenfasern bündeln auf die Netzhaut treffende Lichtimpulse und leiten sie über den Sehnerv in die entsprechenden Zentren des Gehirns weiter. Zwei wichtige Faktoren tragen zum Verlust der Nervenfasern bei: ein erhöhter Augeninnendruck und eine unzureichende Blutversorgung.

Gewöhnlich liegt der Augeninnendruck in einem Bereich zwischen zehn und 20 mmHg. Wird zu viel Kammerwasser produziert oder kann es nicht richtig abfließen, zum Beispiel durch einen zu engen Kammerwinkel (Offenwinkel) oder Ablagerungen im Trabekelmaschenwerk, steigt der Druck im Auge, und schädigt mit der Zeit den Sehnerv.

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Beim primären Glaukom wie dem Offenwinkelglaukom misst man Druckwerte auf den Sehnerv über 20 mmHg. Der Kammerwinkel ist zwar unverändert, doch im Trabekelmaschenwerk behindern Ablagerungen den Kammerwasserabfluss. Eine Variante des Offenwinkelglaukoms, das Normaldruckglaukom liegt vor, wenn der Augeninnendruck zwar im Normbereich liegt, es aber trotzdem zu Sehnervschädigungen kommt. Hier scheint die Durchblutung des Sehnervs eine entscheidende Rolle zu spielen. Auffällig ist, dass Patienten mit Normaldruckglaukom häufig auch unter peripheren Durchblutungsstörungen leiden oder zu Hörstörungen und Tinnitus neigen.

Der sehr seltene Glaukomanfall (Winkelblockglaukom) hat seine Ursache in einer Verlegung des Kammerwinkels und damit einem gestörten Abfluss von Kammerwasser.

Sekundäre Glaukome entstehen als Folge anderer Erkrankungen wie zum Beispiel der diabetischen Retinopathie oder durch Einnahme von Glukokortikoiden. Selten sind angeborene (kongenitale) Glaukome.

Therapie des Glaukoms

Die augenärztliche Therapie eines Glaukoms zielt darauf ab, die Kammerwasserüberproduktion zu senken um somit den Druck auf den Sehnerv zu verringern sowie den Kammerwasserabfluss über das Trabekelmaschenwerk, den Schlemm-Kanal und den uveoskleralen Kammerwassertransport zwischen Ader- und Lederhaut zu verbessern. Üblicherweise wird mit einer Monotherapie begonnen.

Betablocker wie Betaxolol, Carteolol, Levobunolol, Metipranolol und Timolol senken die Produktion des Kammerwassers. Sie gehören neben Prostaglandinen und Carboanhydratasehemmern zu den Mitteln der ersten Wahl. Die Carboanhydra(ta)sehemmer Brinzolamid und Dorzolamid blockieren das an der Kammerwasserproduktion beteiligte gleichnamige Enzym Carboanhydra(ta)se. Zusätzlich fördern sie die Durchblutung des Sehnervs. Prostaglandine* wie Latanoprost und Travoprost senken den Augeninnendruck über eine Verbesserung des uveoskleralen Kammerwasserabflusses.

Kombinierte Behandlung von Grünem Star

Reicht die Monotherapie zur Drucksenkung des Glaukoms nicht aus, ist die kombinierte Gabe eines Betablockers mit einem Carboanhydratasehemmer, einem Prostaglandinderivat oder einem Sympathomimetikum* indiziert. Sympathomimetika wie die alpha-2-Agonisten Brimonidin, Clonidin und Dipivefrin senken die Kammerwasserproduktion. Parasympathomimetika* wie Carbachol und Pilocarpin verengen die Pupillen und fördern durch eine Spreizung der Maschen des Trabekelwerks den Kammerwasserabfluss. Sie sind vor allem beim Winkelblockglaukom indiziert.

Augentropfen gegen Grünen Star richtig anwenden

Frau nimmt Augentropfen
Augentropfen gegen Grünen Star korrekt anzuwenden, erfordert einige Übung.
(c) Stockbyte

Ein Glaukom, das den Sehnerv schädigt, kann auch mit Augentropfen behandelt werden. Die korrekte Anwendung von Augentropfen ist aber kein Kinderspiel. Zu den typischen Fehlern gehören zum Beispiel das Berühren des Auges mit der Applikatorspitze oder das Einbringen von mehr als der vorgeschriebenen Tropfenmenge. Um die Tropfen fachgerecht zu applizieren, sollten die Patienten das Unterlid zurückziehen, sodass sich eine kleine Tasche bildet, die den Tropfen aufnimmt. Danach wird das Auge für ein bis drei Minuten geschlossen und unter den Lidern der Augapfel hin und her bewegt. Nun kann sich der Wirkstoff gegen Grünen Star optimal verteilen. Ein zu schnelles Abfließen lässt sich verhindern, indem bei ebenfalls geschlossenen Lidern mit dem Zeigefinger auf den inneren Augenwinkel gedrückt und der Tränenkanal verschlossen wird.

Glossar zum Glaukom (Grüner Star)

Prostaglandine: Gruppe von Gewebshormonen, die unter anderem bei Entzündungsreaktionen, der Regulation der Gefäßdurchlässigkeit, der Blutgerinnung und bei der Schmerzentstehung eine Rolle spielen.

Sympathomimetika: Substanzen bzw. Medikamente, die das sympathische Nervensystem (Sympathikus) aktivieren. Sie entfalten ihre Wirkung entweder an sogenannten alpha-1- bzw. alpha-2-Rezeptoren und/oder an sogenannten beta-1- oder beta-2-Rezeptoren. Zu dieser Gruppe gehören auch Wirkstoffe, die an alpha-2-Rezeptoren binden (sogenannte Alpha-2-Agonisten). Augentropfen, die alpha-2-Agonisten enthalten, senken die Produktion des Kammerwassers und erreichen auf diese Weise eine Minderung des Augeninnendruckes.

Parasympathomimetika: Substanzen beziehungsweise Medikamente, die das parasympathische Nervensystem aktivieren. Botenstoff ist das Acetylcholin. Entsprechende Medikamente entfalten ihre Wirksamkeit entweder durch eine ausreichende Ähnlichkeit mit diesem „Neurotransmitter“ (-> direktes Parasympathomimetikum) oder durch eine vermehrte Acetylcholin-Freisetzung (-> indirektes Parasympathomimetikum).

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