Sehnerv in Gefahr

Grüner Star (Glaukom) - Ursache, Symptome & Behandlung

Der Begriff "Grüner Star" (Glaukom) fasst eine Reihe von Augenerkrankungen zusammen, bei denen der Sehnerv geschädigt wird, was letztlich zum Erblinden führt.

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Ein Glaukom ist tückisch, weil der erhöhte Augeninnendruck von Betroffenen oft unbemerkt bleibt. Auf Dauer wird dadurch der Sehnerv irreparabel geschädigt.
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Diese Schädigung der Nervenfasern kann verschiedene Ursachen haben. Häufig, aber nicht immer, sind ein erhöhter Augendruck und die dadurch bedingten Durchblutungsstörungen des Sehnervenkopfes (Papille) im Zentrum der Netzhaut für die Schädigung verantwortlich.

Das Glaukom ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Erblindung. In Deutschland geht der Berufsverband der Augenärzte davon aus, dass etwa  eine Million Menschen, vorwiegend ab dem 40. Lebensjahr, am Glaukom erkrankt sind.

Blut im Augeninneren verfärbt das Auge

Der Begriff Glaukom selbst ist nicht ganz leicht zu übersetzen, denn er hat zwei Bedeutungen: zum einen vom griechischen "glaukos" kommend "blaugrün", zum anderen von "glaukopis" abgeleitet "eulenäugig". Man könnte Glaukom also auch mit "eulenaugenfarben" übersetzen. Möglicherweise kommt die Bezeichnung davon, dass sich der Augeninnenraum durch Abbauprodukte des Blutfarbstoffs grün verfärbt, nachdem Blut aus den geschädigten Gefäßen ins Augeninnere eingedrungen ist - ein Symptom, das auf ein Glaukom hindeutet.

Ursachen und Formen von Grünem Star

Im Inneren des Auges herrscht ein gewisser Druck, der durch das Kammerwasser entsteht. Das Kammerwasser ist eine wässrige Flüssigkeit, die unter anderem die Hornhaut mit Nährstoffen versorgt. Produktion und Abfluss des Kammerwassers halten sich bei einem gesunden Auge gewöhnlich in Gleichgewicht, wodurch auch der Augeninnendruck gewöhnlich im Normbereich liegt.

Der Augeninnendruck wird in der gleichen Einheit gemessen wie der Blutdruck. Er liegt in aller Regel bei einem gesunden Erwachsenen zwischen zehn und 20 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Liegt der Druck im Inneren des Auges über diesen Werten, ist das meist ein Zeichen dafür, dass der Zu- und Abfluss des Kammerwassers aus dem Gleichgewicht geraten ist. Bei einem Glaukom  führen der erhöhte Augeninnendruck und die unzureichende Blutversorgung zur Schädigung die Nervenfasern von Sehnerv und Netzhaut. Unbehandelt führt dies zur irreparablen Zerstörung der Nevenzellen und zur Erblindung.

Beim Glaukom werden im Wesentlichen drei Formen unterschieden: das primäre Glaukom (Offenwinkelglaukom), das sekundäre Glaukom und der sehr seltene Glaukomanfall (Winkelblockglaukom)

Beim primären Glaukom werden Druckwerte auf den Sehnerv von über 20 mmHg gemessen. Eine Variante des Offenwinkelglaukoms, das Normaldruckglaukom, liegt vor, wenn der Augeninnendruck zwar im Normbereich liegt, es aber trotzdem zu Sehnervschädigungen kommt. Hier scheint die Durchblutung des Sehnervs eine entscheidende Rolle zu spielen. Auffällig ist, dass Patienten mit Normaldruckglaukom häufig auch unter peripheren Durchblutungsstörungen leiden oder zu Hörstörungen und Tinnitus neigen.

Der sehr seltene Glaukomanfall hat seine Ursache in einer Verlegung des Kammerwinkels und damit einem gestörten Abfluss von Kammerwasser.

Sekundäre Glaukome entstehen als Folge anderer Erkrankungen wie zum Beispiel der diabetischen Retinopathie oder durch Einnahme von bestimmten Medikamenten. Selten sind angeborene (kongenitale) Glaukome.

Symptome: Woran erkennt man einen Grünen Star?

Das Glaukom ist besonders heimtükisch: Im Gegensatz zum Grauem Star, bei dem der Patient selbst merkt, dass mit seinen Augen etwas nicht in Ordnung ist, verläuft ein Glaukom zunächst völlig frei von Krankheitsanzeichen. Erst im Spätstadium, wenn der Sehnerv bereits irreparabel geschädigt ist, bemerken die Patienten  blinde Flecken und Gesichtsfeldausfälle. Anfangs noch auf den Randbereich beschränkt, münden sie später in einen charakteristischen Tunnelblick. Dann ist auch meist eine dauerhafte Sehverschlechterung eingetreten.

Da die zentrale Sehschärfe so lange unbeeinträchtigt bleibt und keine Schmerzen oder sonstige Missempfindungen bestehen, wird ein primäres Offenwinkelglaukom meist zufällig oder bei einer Routineuntersuchung durch den Augenarzt bemerkt. Erst im Endstadium der Erkrankung fällt dem Patienten die starke Gesichtsfeldeinengung auf. Schließlich kommt es auch zu einer Minderung beziehungsweise dem Verlust der  zentralen Sehschärfe, das heißt zu verschwommenem Sehen.

Symptome beim akuten Glaukomanfall

Der eher seltene akute Glaukomanfall verursacht dagegen starke Beschwerden. Der Augeninnendruck steigt sehr rasch an und verursacht einen dumpfen, anhaltenden Kopfschmerz, der vom Auge ausgeht. Da der hohe Augendruck zu einer Hornhauttrübung führt, nimmt die Sehschärfe ab, alles wirkt verschwommen und wie in Nebel. Um Lichter herum werden häufig helle Ringe gesehen. Es können allgemeine Symptome wie Brechreiz und Schwindel auftreten. Wenn ein Glaukomanfall rechtzeitig bemerkt und erkannt wird, sind alle diese Krankheitszeichen, einschließlich der Sehverschlechterung, heilbar. Ein unbehandelter Glaukomanfall kann dagegen innerhalb von Stunden und Tagen zur unheilbaren Erblindung des Auges führen.

Kindliches Glaukom

Beim kindlichen Glaukom führen meist die großen Augen oder eine Trübung der Hornhaut zu einer augenärztlichen Untersuchung. Bei Kindern kann die Trübung der Hornhaut zu Lichtscheue (Photophobie) führen.

Diagnose Grauer Star: Was untersucht der Augenarzt?

Die Diagnose Glaukom ist für den Augenarzt Detektivarbeit – er muss bei jedem Patienten individuell nach mehreren Faktoren fahnden. Dazu kommt, dass bestimmte Routineuntersuchungen, wie beispielsweise der Sehtest, erst im Spätstadium auf das Glaukom hinweisen.

Aus diesem Dilemma ergibt sich die Notwendigkeit für eine Reihe von Untersuchungen. Dazu gehören neben der Augenuntersuchung an der Spaltlampe die Druckmessung, die Gesichtsfeld-Messung und gegebenenfalls eine automatisierte Papillenausmessung. Eventuell wird der Augenarzt ein Tagesdruckprofil mit mehreren Messungen über den Tag verteilt veranlassen.

Die Untersuchungen zur Glaukomdiagnostik sind allesamt nicht schmerzhaft. Die Pupillen werden bei der Erstuntersuchung meist weit getropft. Bei einer Kontrolluntersuchung, die nur zur Druckmessung dient, ist dies nicht notwendig.

Augeninnendruckmessung nicht ausreichend

Der Augeninnendruck allein reicht nicht, um zu der Diagnose Glaukom zu führen. Zum einen kann der Druck zum Zeitpunkt der Untersuchung gerade normal sein, zu anderen Zeiten aber Spitzen aufweisen, die den Sehnerv schädigen. Andererseits gibt es das Normaldruckglaukom bei dem ein ständiger Nervenfaserverlust auftritt. Daneben gibt es noch Menschen, die trotz erhöhter Druckwerte nie ein Glaukom bekommen.

Sehtest und Gesichtsfeldmessung

Ein Sehtest ist kein geeignetes Mittel, um ein Glaukom frühzeitig zu erkennen, denn die Sehkraft lässt erst nach, wenn der Sehnerv bereits fast vollständig zerstört ist. Gesichtsfeldmessungen können ein Glaukom früher erkennen lassen. Sie sind aber ebenfalls bereits Ausdruck einer irreversiblen Schädigung. Denn die Gesichtsfelddefekte spiegeln den Untergang von Nervenfasern wieder.

Bis heute gibt es keinen Befund, der es erlaubt, ein frühes Glaukom eindeutig zu erkennen oder auszuschließen. Deshalb muss der Augenarzt alle Befunde zusammen beurteilen und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Glaukom besteht, richtig einschätzen.

Therapie des Glaukoms

Die Behandlung eines Glaukoms zielt darauf ab,  den Druck auf den Sehnerv zu verringern sowie den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern Der Augenarzt  wählt dabei nach individuellen Gesichtspunkten zwischen geeigneten Medikamenten oder Operation.

Nach wie vor steht bei der Behandlung der chronischen Glaukomformen die medikamentöse Therapie mit Augentropfen im Vordergrund. Dabei ist es die Aufgabe des Augenarztes, die jeweils für den Patienten am besten geeigneten Augentropfen zur Senkung des Augeninnendrucks  auszuwählen. Eventuell ist eine Sorte nicht ausreichend, dann wird eine Kombination aus mehreren Präparaten notwendig. Alle zur Zeit auf dem Markt befindlichen Augentropfen gegen Glaukom haben eine drucksenkende Wirkung. Die Medikamente unterscheiden sich jedoch in den pharmakologischen Mechanismen, durch die eine Drucksenkung zustande kommt. Dadurch unterscheidet sich auch das Profil der Nebenwirkungen, die die einzelnen Präparate haben.

Auch die Nebenwirkungen entscheiden darüber, welcher Patient mit welchem Präparat oder mit welcher Präparatekombination behandelt wird. So sind zum Beispiel die sogenannten Beta-Blocker bei Patienten mit Asthma oder Herzrhythmusstörung ungeeignet.

Reagiert ein Patient auf Augentropfen mit einer Allergie, liegt das meist nicht am eigentlichen Wirkstoff des Medikaments, sondern an der Konservierungsstoffen in der Trägersubstanz (der Flüssigkeit, in der der Wirkstoff gelöst ist). In diesem Fall kann man auf Tropfen mit der Zusatzbezeichnung "ohne Konservierungsmittel" (="oK") zurückgreifen.

Drucksenkende Tabletten oder Spritzen

Tabletten oder Spritzen zur Drucksenkung werden nur bei relativ hohen Druckwerten und ungenügender Wirkung von Augentropfen angesetzt. Dies ist zum Beispiel beim akuten Glaukomanfall notwendig.

Operationen beim Grünen Star

Wenn auch eine Kombinationstherapie mit mehreren Augentropfen keine ausreichende Wirkung zeigt oder eine Unverträglichkeit gegenüber den Tropfen besteht, dann ist eine Operation oder Laserbehandlung notwendig. Mit verschiedenen Operationsverfahren wird dabei ein künstlicher Ausfluss für das Augenwasser geschaffen. Laser oder Operation kommen auch bei einem akuten oder angeborenen Glaukom zum Einsatz.

Wenn ein Glaukom zusammen mit einem grauen Star (Katarakt) vorliegt, dann kann man beide Erkrankungen mit einer kombinierten Operation behandeln. Auch hier gibt es verschiedene Techniken. Altersbeschränkungen und Kontraindikationen gibt es bei den kombinierten Operationen nicht.

Grüner Star: Früherkennung und Vorbeugung

Generell gilt, dass ein entstandener Schaden am Sehnerv nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Die Behandlung vom Grünen Star zielt deshalb darauf ab, den Verlauf der Erkrankung aufzuhalten, den Augeninnendruck zu senken und das noch verbliebene Sehvermögen zu retten. Je eher ein Glaukom behandelt wird, desto besser sind die Aussichten, das Sehvermögen so weit wie möglich zu erhalten.

Grundsätzlich sind Vorsorgeuntersuchungen des Auges ab dem 40. Lebensjahr auch bei Beschwerdefreiheit sinnvoll. Die Kosten müssen jedoch meist selbst gezahlt werden. Nur bei bestimmten Risikofaktoren (Duchblutungsstörungen oder familiäre Häufung von Augenerkrankungen) übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Untersuchungen.

Wenn ein Verdacht auf ein Glaukom besteht, so wird sich der Augenarzt womöglich dazu entschließen, den Patienten noch nicht zu behandeln, aber regelmäßig zu kontrollieren. Im Zeitverlauf lässt sich dann häufig die Entscheidung leichter treffen, ob ein Glaukom vorliegt.

Wie häufig die Kontrolluntersuchungen stattfinden müssen, hängt von der Krankengeschichte und den Untersuchungsergebnissen des jeweiligen Patienten ab (zum Beispiel vom Vorkommen der Erkrankung in der Familie, von den Veränderungen des Augendrucks oder Einschränkungen des Gesichtsfeldes). Auf jeden Fall gibt der Verlauf dem Augenarzt sehr wichtige Informationen.

Gesunde Augen mit Genuss

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 03. März 2015
Durch: es

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