Weitsichtige sehen in der Nähe schlecht

Weitsichtigkeit (Hypermetropie) - was ist das?

Grundlagenwissen, Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie

Weitsichtigkeit ist eine Sehstörung, bei der nahe Objekte ohne Sehhilfe nicht scharf wahrgenommen werden können. In der Entfernung hingegen ist die Sehkraft normal, falls nicht weitere Augenerkrankungen vorliegen.

Weitsichtigkeit (Hyperopie, Hypermetropie) tritt auf, wenn das Auge im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu kurz ist. Lichtstrahlen von nahen Objekten vereinigen sich dann erst hinter der Netzhaut, sodass kein scharfes Bild entsteht. Objekte in größerer Entfernung vermag das Auge hingegen scharf auf der Netzhaut abzubilden. In den meisten Fällen ist das Auge zu kurz,  nur in seltenen Fällen ist die Brechkraft des Auges zu schwach.

Nahaufnahme eines weiblichen Auges
Weitsichtigkeit tritt oft bereits im Kindesalter auf.
Getty Images/iStockphoto

Die Wölbung der Linse wird durch den sogenannten Ziliarmuskel gesteuert. Zieht er sich zusammen, werden die Haltefasern der Linse entspannt, und diese wölbt sich in Folge ihrer Eigenelastizität. Eine stärkere Wölbung und somit eine höhere Brechkraft der Linse sind die Folge – die Weitsichtigkeit ist da.

Die Ursachen für Weitsichtigkeit

Weitsichtigkeit ist in den meisten Fällen erblich bedingt. Die Erkrankung beginnt zumeist im Kindesalter. Da Kinder jedoch eine sehr elastische Linse besitzen, die sich stark wölben kann, können sie die fehlende Brechkraft durch eine vermehrte Linsenwölbung lange Zeit ausgleichen. Die Weitsichtigkeit wird deshalb oft erst im Jugendalter oder noch späteren Lebensjahren bemerkt.

Weitsichtigkeit muss von der sogenannten Alterssichtigkeit (Presbyopie) unterschieden werden, die sich ab einem Alter von etwa 40 Jahren entwickelt. Die Alterssichtigkeit geht auf  einen Elastizitätsverlust der Linse zurück. Dadurch wölbt sich die Linse im entspannten Zustand weniger stark, und ihre maximale Brechkraft verringert sich. Der Nahpunkt – der dem Auge nächste Punkt, an dem noch scharf gesehen werden kann – wandert dadurch vom Auge weg. Liegt zusätzlich eine Weitsichtigkeit vor, durch die der Nahpunkt ohnehin bereits weiter vom Auge fortgerückt ist, macht sich die Alterssichtigkeit früher bemerkbar als bei Normalsichtigkeit.

Genaue Angaben zur Häufigkeit von Weitsichtigkeit sind schwer zu erhalten. Im Schnitt sind in westlichen Gesellschaften etwa 25 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Anzeichen für Weitsichtigkeit: Schielen, Kopfschmerzen

Kennzeichnend für Weitsichtigkeit ist, dass nahe Objekte nicht scharf gesehen werden können, während entfernt gelegene Objekte klar erkannt werden. Eine Weitsichtigkeit von mehr als 5 Dioptrien ist selten.

Beim Lesen von kleinen Schriften gibt es Probleme, beim Blick in die Ferne erscheint alles scharf. Je nach Ausmaß der Weitsichtigkeit und des Kompensationsvermögens der Betroffenen tritt die Weitsichtigkeit im Kindesalter oder erst später auf. Das Kompensationsvermögen des kindlichen Auges erweist sich in diesem Zusammenhang eher als nachteilig.

Die Sehschärfe im Nahbereich kann nur durch starke Anspannung des Ziliarmuskels erreicht werden. Augenschmerzen, Kopfschmerzen und rasche Ermüdbarkeit können die Folge sein. Bei diesen Beschwerden sollte deshalb auch an die Möglichkeit einer Sehstörung des Kindes gedacht werden.

Weitsichtige Kinder schielen oft

Weitsichtigkeit kann darüber hinaus auch zum Einwärtsschielen des Kindes führen. Ursache hierfür ist der Umstand, dass sich die Achsen der Augen mit stärkerer Linsenkrümmung (zunehmende Anspannung des Ziliarmuskels) automatisch aufeinander zu bewegen. Kompensieren Kinder eine stärkere Weitsichtigkeit, beginnen sie deshalb nach innen zu schielen.

Untersuchung beim Arzt mit Augentropfen

Der Augenarzt kann die Weitsichtigkeit bei einer speziellen Untersuchung feststellen, bei der die Brechkraft des Auges vermessen wird. Eine Besonderheit bei Weitsichtigkeit besteht darin, dass die Betroffenen aufgrund ihrer fortwährenden Kompensationsbemühungen verlernen, ihren Ziliarmuskel vollständig zu entspannen. Die Linse wird deshalb bei der Untersuchung der Brechkraft nicht ohne weiteres maximal gestreckt. Das bedeutet, ihre Brechkraft erreicht nicht jenen kleinstmöglichen Wert, der sich bei vollständiger Entspannung des Ziliarmuskels ergeben würde. Der Patient bekäme eine zu schwache Brille beziehungsweise Kontaktlinse.

Um eine fehlerhafte Messung zu verhindern, wird der Ziliarmuskel vor der Untersuchung durch Augentropfen vorübergehend entspannt. Die Brechkraft des Auges wird dann mittels eines Apparats bestimmt, der einen Lichtstrahl durch die Pupille des Patienten schickt. Aus dem von außen sichtbaren Abbildungsmuster kann der Arzt die Brechkraft des Auges ermitteln

Mit einer Sammlung von Linsen prüft der Arzt anschließend, bei welcher Korrektur der Patient am besten sehen kann. Die zuvor bestimmte Brechkraft des Auges dient dabei als erste Orientierung für die Auswahl der Testlinsen.

Die Bestimmung der Sehkraft erfolgt mittels einer Tafel, auf der Buchstaben in unterschiedlicher Größe abgebildet sind. Die Sehkraft ist umso höher, je kleiner die Buchstaben sind, die noch korrekt erkannt werden. Sie ist nicht von der Brechkraft des Auges abhängig. Sowohl Weitsichtige als auch Normal- und Kurzsichtige können eine gute oder schlechte Sehkraft haben. Die Sehkraft verbessert sich jedoch, wenn eine vorhandene Weitsichtigkeit ausgeglichen wird.

Behandlung: Brille, Kontaktlinsen, Laser

Einfach und zuverlässig kann die Weitsichtigkeit  durch eine Brille oder durch Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Verwendet werden Sammellinsen, deren Brechkraft für jedes Auge einzeln angepasst wird.

Vertragen Patienten weder Brille noch Kontaktlinsen, kann auch ein chirurgischer Eingriff die Brechkraft des Auges korrigieren und die Weitsichtigkeit beheben. Die verschiedenen Verfahren (LASIK: Laser in situ Keratomileusis, LTK: Laserthermokeratoplastik) werden unter dem Begriff „refraktive Chirurgie“ zusammengefasst. Der Erfolg gilt jedoch insgesamt als weniger sicher als bei der Korrektur von Kurzsichtigkeit.

Alle operativen Verfahren zur Korrektur von Weitsichtigkeit sind mit Risiken behaftet und garantieren auch bei gutem Verlauf nicht, dass nach dem Eingriff keine Brille mehr benötigt wird. Von wenigen, medizinisch begründeten Fällen abgesehen, müssen Patienten die Kosten der Operation selbst tragen. Diese können zwischen 500 und 2.000 Euro pro Auge betragen.

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