Ozon

Asthma durch Sommersmog

Asthma durch Smog in der Großstadt
Empfindliche Menschen sollten im Sommer auf die Ozonwerte achten, da Ozon die Lunge reizt.
(c) Getty Images/Hemera

Insbesondere bei einer längeren Schön-Wetter-Periode ist Vorsicht geboten: Die bodennahen Ozonwerte können steigen, es droht Sommersmog. Hierauf reagieren vor allem Kinder, aber auch Menschen, die im Freien arbeiten oder Sport treiben, empfindlich. Und besonders für Kinder mit Asthma kann die Zeit geradezu zur Qual werden: Bei ihnen steigt das Risiko akuter Anfälle.

Welchen Einfluss Ozon auf Asthmatiker haben kann, zeigten die olympischen Spiele in Atlanta von 1996. Die Zahl der akuten Asthmaanfälle bei Kindern ging in dieser Zeit um 42 Prozent zurück. Ursache waren die deutlich gesunkenen Ozon- und Luftschadstoffwerte, da die Menschen anlässlich des Sportereignisses verstärkt auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen sind.

Schönes Wetter lässt Ozonwerte steigen

Auch in Deutschland steigen die Ozonwerte im Sommer regelmäßig an. Sommersmog droht, wenn verschiedene Voraussetzungen zusammen kommen: Eine mehrere Tage andauernde stabile Schön-Wetter-Periode mit intensiver Sonneneinstrahlung sowie Schadstoffe in der Luft. Denn insbesondere Stickoxide, die überwiegend aus Verkehrabgasen stammen, und so genannte flüchtige organische Verbindungen, die vor allem durch Lösungsmittel in die Luft gelangen, stellen die Vorläufersubstanzen von Ozon dar. Unter dem Einfluss der intensiven Sonnenstrahlung können sie ein Sauerstoffmolekül an den Luftsauerstoff abgeben und auf diese Weise das schädliche Ozon bilden.

Ozon schädigt das Lungengewebe

Da das Ozon sein "überzähliges", drittes Sauerstoffmolekül wieder loswerden will, ist es sehr aggressiv - sobald es kann, reagiert es mit anderen Molekülen und löst auf diese Weise vielfältige Folgereaktionen aus. So zum Beispiel in der Lunge. Denn auf Grund seiner schlechten Wasserlöslichkeit wird das Ozon beim Einatmen nicht durch die Schleimhäute der oberen Atemwege gestoppt, sondern gelangt ungehindert in die hochempfindlichen Luftbläschen der Lunge. Weil diese nicht durch Schleimhäute geschützt sind, kann das Ozon hier seine schädliche Wirkung entfalten und beispielsweise entzündliche Prozesse auslösen.

Asthmatiker reagieren besonders heftig auf Ozon

Die allergie- bzw. asthmafördernde Wirkung ist darauf zurückzuführen, dass Allergene durch die Schädigungen des Lungengewebes und des Immunsystems leichter in den Körper gelangen. Auf diese Weise können sogar Menschen allergisch reagieren, die diese Überempfindlichkeit zuvor nicht hatten. Und bei Asthmatikern, deren Lunge bereits vorgeschädigt ist, kann es zu häufigeren, heftigeren Anfällen kommen - besonders Kinder scheinen betroffen zu sein. Wie der Experte für kindliche Lungenerkrankungen LeRoy M. Graham aus Atlanta, USA, in der Zeitschrift Pediatric Respiratory Reviews berichtet, weisen Kinder mit Asthma während Sommersmog-Zeiten mehr Krankheitssymptome auf und müssen mehr Medikamente einnehmen. Sowohl in Paris als auch in Atlanta konnte gezeigt werden, dass die Zahl kindlicher Asthmafälle in der Notaufnahme deutlich zunimmt, wenn die Ozonwerte steigen.

Wann kommt es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen?

Die individuelle Empfindlichkeit gegenüber Ozon ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Generell geht das Umweltbundesamt davon aus, dass etwa 10-15 Prozent der Bevölkerung besonders empfindlich reagieren. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung ist umso eher zu erwarten, je höher die Ozonkonzentrationen in der Luft sind, je länger ein Mensch diesen erhöhten Werten ausgesetzt ist und je tiefer er dabei einatmet (z.B. auf Grund körperlicher Aktivitäten). Daher gelten in der Allgemeinbevölkerung generell Menschen als gefährdet, die sich im Sommer viel draußen aufhalten und zugleich körperlich aktiv sind. Das trifft in besonderem Maße auf Kinder zu, die häufig draußen spielen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes kann Ozon die Lungenfunktion unter folgenden Bedingungen messbar verschlechtern:

  • bei Schulkindern und Erwachsenen ab Ozonwerten von 160 bis 300 Mikrogramm pro Kubikmeter, wenn diese regen körperlichen Aktivitäten im Freien nachgehen
  • ab Ozonwerten von 160 Mikrogramm pro Kubikmeter, wenn die Person dem Ozon sechs Stunden ausgesetzt ist und in dieser Zeit zwischen Ruhe und Anstrengung wechselt
  • ab Ozonwerten von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter, wenn die Person dem Ozon ein bis drei Stunden ausgesetzt ist und in dieser Zeit zwischen Ruhe und Anstrengung wechselt.

Zudem gibt es weitere negative Wirkungen:

  • Reduzierung der körperlichen Ausdauerleistungsfähigkeit ab 240 Mikrogramm pro Kubikmeter
  • entzündliche Reaktion des Lungengewebes ab 160 Mikrogramm pro Kubikmeter, wenn man dem Ozon mehr als sechs Stunden ausgesetzt ist und Phasen mit Ruhe sowie Anstrengung hat
  • Zunahme der Häufigkeit von Asthmaanfällen bei 240 bis 300 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Was tun, wenn das Ozon erhöht ist?

Bei erhöhten Ozonwerten nicht unnötig lange im Freien aufhalten und dort auf körperlich anstrengende Tätigkeiten verzichten. Ein Lüften der Wohnung sollte in diesen Zeiten am besten morgens oder abends erfolgen. Aktuelle Ozonwerte stellen beispielsweise viele Tageszeitungen in ihrer Rubrik "Wetter" zu Verfügung. Im Internet gibt es zudem vom Umweltbundesamt deutschlandweit aktuelle Ozonwerte und Vorhersagen.

Bundesregierung wandelt EU-Richtlinie in nationales Recht um

Da von dem bodennahen Ozon ein derartiges Gesundheitsrisiko ausgeht, haben die Umweltminister die EU im Jahr 2000 eine neue Richtlinie über den Ozongehalt der Luft verabschiedet. Nach dieser Richtlinie wird die Bevölkerung ab einem Ozonwert von durchschnittlich 180 Mikrogramm pro Kubikmeter in einer Stunde informiert. Und ab einem Wert von durchschnittlich 240 Mikrogramm pro Kubikmeter in einer Stunde werden Warnungen herausgegeben sowie gegebenenfalls kurzfristige Maßnahmen eingeleitet, wie der Verzicht auf das Auto.

Autor: BSMO / pe / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 06. Februar 2012
Durch: Springer Medizin
Quellen: Nach Informationen des Umweltbundesamtes, des Bundesumweltministeriums und der Zeitschrift Pediatric Respiratory Reviews (2004).

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